Zur Lage der chinesischen Bauern von Chen GuidiWu Chuntao für 12,90 €

„Der gesellschaftspolitische Wert des Werks kann kaum überschätzt werden.“
Neue Zürcher Zeitung, 16.3.2007

„Harter Stoff, aber wichtig.“
Greenpeace Magazin 2/2007

Herausragende Analyse.
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Chen Guidi/Wu Chuntao
Zur Lage der chinesischen Bauern

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„Ihre Geschichten sind Thriller und Drama zugleich“ (SZ).

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„Pflichtlektüre für alle, die China wirklich kennenlernen wollen“ (SZ): Zur Lage der chinesischen Bauern.

Warum trotz Rekordentwicklung mehr als die Hälfte der Menschen in China ein Leben in Armut führen.

Die chinesische Wirtschaft boomt mit Zuwachsraten, von denen europäische Staaten nur träumen können. „China wird die USA als Wirtschaftsmacht Nummer eins ablösen - die Frage ist nur wann“, prophezeit Spiegel online. Doch abseits der neuen Megastädte leben über 50 Prozent der chinesischen Bevölkerung in Rechtlosigkeit und bitterer Armut. Auf dem Land herrschen Despotie und Willkür. Die Bauern werden mit unsäglichen Steuern und Abgaben belegt - zugunsten der stürmischen industriellen Entwicklung und der Prosperität der Ostküstenmetropolen, in denen die Bewohner so gut wie nichts über die Lebensbedingungen der Bauern wissen.

Das chinesische Schriftsteller-Ehepaar Wu Chuntao und Chen Guidi (sie stammen beide vom Land) beschloss, die Situation der Landbevölkerung zu dokumentieren. Sie wollten den Städtern begreiflich machen, in welch zerrissenem Land sie leben, wollten ihnen die vergessene Mehrheit der Nation vorstellen, die Menschen, die bei der Modernisierung Chinas auf der Strecke bleiben: 900 Millionen Bauern, Land- und Wanderarbeiter, deren Lebenssituation auch zu einer echten Gefahr für die politische Führung in Peking werden kann: „Die Bauern Chinas gehören zu einer besonderen Gattung Mensch, sie sind die gutherzigsten, folgsamsten und duldsamsten Wesen der Welt, aber wenn sie erst einmal aufgerüttelt sind, dann können sie mit einem Mal zur gewaltigsten, furchtlosesten und zerstörerischsten Armee der Welt werden“ (Chen/Wu).

Chen Guidi und Wu Chuntao reisten in die Provinz Anhui und entdeckten erschütternde Zustände. „Über Monate haben sich die Reporter in den Dörfern der chinesischen Bauern aufgehalten, Minute für Minute, Dokument für Dokument rekonstruiert, mit radikaler Rechtschaffenheit dargelegt, was Korruption, mafiose Verstrickungen, Mord im großen Reich angerichtet haben, für dessen Befreiung von Willkür in der großen Revolution Millionen starben“ (Die Zeit).

Chen und Wus Reportage „Zur Lage der chinesischen Bauern“ wurde in China sofort nach Erscheinen zum Bestseller. Doch bereits bei den Vorbereitungen für eine zweite Auflage schritt die Zensurbehörde ein. Inzwischen kursiert ihr Buch millionenfach als Raubkopie. In Europa wurde es mit dem Lettre Ulysses Award ausgezeichnet, dem „Nobelpreis für Journalismus“.

Jetzt gibt es ihre große Reportage erstmals im Taschenbuch.

Chen und Wus Reportage „Zur Lage der chinesischen Bauern“. Aus dem Chinesischen von Hans Peter Hoffmann. Mit zwei Karten. 600 Seiten. Broschur. 2001-Taschenbuch 34. Nur bei uns.

Pressestimmen

„Der gesellschaftspolitische Wert des Werks kann kaum überschätzt werden.“
Neue Zürcher Zeitung, 16.3.2007

„Harter Stoff, aber wichtig.“
Greenpeace Magazin 2/2007

Herausragende Analyse.
„Die Autoren weisen nach: So fantasiebegabt, wie sich die Beamten beim Erfinden immer neuer Steuern erweisen, so einfallsreich sind sie auch, wenn es darum geht, so genannte Vorzeige- oder Imageprojekte zu schaffen.
Um sich über den Stand der Entwicklung zu informieren, besuchen hohe politische Kader regelmäßig die Provinzen. Da sie sich aber immer frühzeitig anmelden, putzen die lokalen Machthaber zum Besuchstermin alles heraus. Dafür werden keine Kosten und Mühen gescheut. Denn viele in den oberen Hierarchien wollen die Realität gar nicht sehen. Den Beamten in den Dörfern schadet es also keinesfalls, wenn sie lügen.
So wurden beispielsweise für einen Besuch des Ministerpräsidenten Zhu Rongji 1998 in Anhui die leeren staatlichen Getreidespeicher in tage- und nächtelanger Arbeit von 200 Leuten aufgefüllt. Nach Zhu Rongjis Besuch wurden mehr als tausend Tonnen Getreide wieder abtransportiert … Die Reportage von Chen Guidi und Wu Chuntao sticht heraus aus den jüngsten Veröffentlichungen über den chinesischen Wirtschaftsboom. Sie porträtiert die 60 Prozent der chinesischen Bevölkerung, die diese Erfolge ermöglichen und dabei selbst in bitterer Armut leben.“
Barbara Geschwinde, WDR 3, 22.1.2007

Unverzichtbar als Diagnose.
„Für das Verständnis des gegenwärtigen China ist das Buch unverzichtbar, nicht zuletzt auch wegen der vorzüglichen Übersetzung von Hans Peter Hoffmann und des eindringlichen, systematischen Nachworts von Ylva Monschein. Es ist unverzichtbar als Diagnose.
Karl Grobe, Frankfurter Rundschau, 10.1.2007

Wie ein Krimi.
„Ein hoch wissenschaftliches Sachbuch, penibel recherchiert, mit Zahlen gespickt und doch auch sehr übersichtlich; es ist ein unverzichtbares Standardwerk, um China heute und auch dessen Geschichte zu verstehen. Und gleichzeitig liest es sich wie ein Krimi und entführt uns in die Bilder- und Metaphernwelt Chinas.“
Lutz Bunk, Deutschland Radio Kultur, 15.1.2007

Wie im mittelalterlichen Feudalsystem.
„Dieses monumentale, monströs traurige und empörende Buch … des chinesischen Schriftstellerehepaares Chen Guidi und Wu Chuntao hatte schon bei seinem Erscheinen Anfang 2004 für weltweites Aufsehen gesorgt … Der Kontrast zu dem vor allem im Westen beliebten Bild Chinas als zukünftiger Wirtschaftssupermacht mit ihren vor Energie sprühenden Metropolen könnte größer nicht sein. Das Buch enthüllt eine ländliche Welt, die unter bitterer Armut und der Knute brutaler Dorftyrannen leidet wie im mittelalterlichen Feudalsystem. Chen Guidi und Wu Chuntao betonen, dass sie nicht Einzelfälle beschreiben, sondern ein repräsentatives Bild. China ist heute ökonomisch und gesellschaftlich tief zerrissen: eine Nation, die sich zwar kommunistisch nennt, tatsächlich aber eine der ungerechtesten der Welt ist.“
Dominique Eigenmann, Tagesanzeiger, 22.1.2007

Skandal in der Euphorie.
„Die Reportage hat auch literarisches Format. Die für ihr literarisches Werk mehrfach ausgezeichneten Autoren wissen den Witz und Spott der chinesischen Tradition für ihre Absichten zu nutzen. In der Hauptsache aber haben sie ein bewegendes Buch geschrieben, das in der Euphorie des haussierenden neuen China einen anhaltenden Skandal offenlegt. Wie zur Illustration wurde das in China zunächst überaus erfolgreiche Werk nach zwei Monaten verboten, die Berichterstattung über das Buch unterbunden. Von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel wurden die beiden Autoren beim ersten offiziellen Chinabesuch 2006 eigens empfangen.“
Neue Zürcher Zeitung, 15.1.2007

Kenntnisreich und engagiert geschrieben, kompetent übersetzt und ediert.
„Chen Guidi und Wu Chuntao haben die Form der literarischen Reportage gewählt, einen bisweilen beglückend ungestümen Erzählstil, der in manchen Passagen so prall und derb daherkommt, als gehörte Felix Timmermans zu ihren künstlerischen Paten, Timmermans und einige der chinesischen Schriftsteller aus den Aufbaujahren des chinesischen Sozialismus, als die Partei ihre Autoren aufforderte, aufs Land zu ziehen und dort nach dem Rechten zu sehen. Nur kamen die Vorgänger mit Eindrücken zurück, in denen sich die Lage auf erfreuliche Weise zum Guten gewendet hatte. Bei Chen und Wu treffen wir dagegen auf ein Pandämonium von Erpressung und Willkür, von Rechtsbeugung und Vertreibung. Das friedliche Landleben als der mögliche Ort auch eines Rückzugs aus dem Dickicht der Städte ist schon lange keine glückverheißende Utopie mehr.
Eine gute chinesische Geschichte soll stets über das verfügen, was in der Landessprache ‚der goldene Schwanz‘ genannt wird, ein versöhnliches Ende, zumindest die Hoffnung darauf. Auch hier halten sich die Autoren an das Bewährte. Für Qinglian He liegt die Hoffnung in einer Demokratisierung ihrer Heimat, für Chen Guidi und Wu Chuntao, grob gesagt, in einer zunehmenden Einsicht des Zentralkomitees. Da darf sich auch der deutsche Leser etwas wünschen: mehr Studien dieser Art, so kenntnisreich und engagiert geschrieben, so kompetent übersetzt und ediert. ‚Wenn es hinter den Mauern blüht, wird man es draußen riechen‘“.
Tilmann Spengler, Die Zeit, 28.12.2006

Wirtschaftswunderentzauberung.
„Die erbärmliche Existenz von fast einer Milliarde Bauern, ans Tageslicht geholt: Wirtschaftswunderentzauberung.“
Elisabeth von Thadden, Die Zeit, 14.12.2006

„Wer über das heutige China ernsthaft mitreden will und wer seine geschäftliche Interessen im Land verfolgt, sollte über die Bauern nicht schweigen - und dieses Buch gelesen haben.“
Gisbert Strotdrees, Landwirtschaftliches Wochenblatt, 43/2006

„Wer mehr über China wissen will, als das oft oberflächliche Gerede über das glitzernde Schanghai und seine neue Oberschicht, über Zuwachsraten und Megastädte, wer einen Blick ins Hinterland werfen will, wo die Mehrheit der Chinesen lebt und vom wirtschaftlichen Fortschritt nichts mitbekommt, der sollte unbedingt diese Reportage lesen.“
Karin Beindorff, Deutschlandfunk, 27.11.2006

Ein Roman, der keiner sein will.
„Ja, es ist ein wunderbares Buch, so makaber dies auch klingen mag angesichts der unzähligen Opfer, denen darin eine Stimme verliehen wird. Aber Chen Guidi und Wu Chuntao ist wirklich etwas Großes gelungen, etwas Wichtiges und überaus Erhellendes …

Dieses Buch - es ist fast 600 Seiten lang - erfüllt seine eigenen Vorgaben auf das Beste. Die Komposition der einzelnen Episoden ist dabei allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Der Übersetzer jedoch - ein renommierter Sinologe - hat hier einige hilfreiche Eingriffe getan. Herausgekommen ist dabei auf sprachlicher Ebene ein wahres Faszinosum, dem man zwar oft die erklärenden Eingriffe des Übersetzers ansieht, das aber darüber hinaus so eine Weltfülle, Sprachwitzigkeit und Treffsicherheit in sich vereint, dass man meint, mit den Bauern aus Anhui - denn um sie geht es hier vor allem - schon des öfteren gemeinsam Tee getrunken und über die Ernte unterhalten zu haben. So lebendig wird uns das Personal einer Reportage.

Ihre Kraft, Tag für Tag der anhaltenden Ungerechtigkeit, der alles verschlingenden Korruptionen und den gewalttätigen Übergriffen die Stirn zu bieten, ist von so großer menschlicher Tragik wie gleichzeitiger Stärke, dass es für unsereins kaum zu begreifen ist.
Ein Roman, der keiner sein will, eine Reportage, die weit über ihr Genre hinausweist - ein Muss zu Beginn des 21. Jahrhunderts, ein Muss angesichts des ewig eintönigen Globalisierungsgeleiers und hoffentlich ein ewiger Dorn im fetten Fleisch der Partei, die versucht mit alter Macht ein längst neues Land zu regieren.“
Christoph Pollmann, Titel-Magazin.de, 20.11.2006

Wut über die Brutalität, mit der sich die Macht durchsetzt.
„Eine zahlenreiche Reportage, aber auch eine, die Wut weckt über die Brutalität, mit der sich die Macht durchsetzt. Wie gewaltig wird China erst erschüttert werden, wenn diese Bauern sich wieder erheben? … Die Reportage ist auch eine große Erzählung aus dem immer wieder neu zu schreibenden Menschheitsepos, das vom Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit handelt.“
Arno Widmann, Berliner Zeitung, 13.11.2006

Pflichtlektüre für alle, die China wirklich kennenlernen wollen.
„Endlich. Hier ist ein Buch über China, das nicht vor Ehrfurcht erstarrten ‚Chinakennern‘ eine Stimme gibt, sondern Chinesen. Ein Buch, das auch viele Städter in China aufgewühlt und schockiert hat, weil sie, eingelullt im rosa Nebel der Propaganda, nicht wissen, was in ihrem eigenen Landvor sich geht. Oder es nicht wissen wollen. Hier ist ein Buch, das an eines erinnert: Wenn China eine Herausforderung ist, dann noch immer vor allem für sich selbst … Seine Autoren brachte es zuerst vor Gericht, dann zu höchsten Ehren: Sie wurden in Berlin mit dem Lettre-Ulysses-Preis für Reportageliteratur ausgezeichnet. Fast drei Jahre haben Chen Guidi und Wu Chuntao recherchiert. Herausgekommen ist das Porträt eines leidenden Volkes. Ihre Geschichten sind Thriller und Drama zugleich: Sie berichten von korrupten, prügelnden, mordenden Beamten. Die Bauern sind die Verlierer der Reformen. Verurteilt zu einem Leben unter ‚Schurken-Herrschaft‘ (Chen Guidi). Ausgesaugt bis aufs Mark von korrupten Kadern. Schikane ist die Regel, nicht die Ausnahme.
Warum das, zwischen all den glitzernden Hochhäusern Schanghais, den Starbuck-Cafés in Peking, den boomenden Werkhallen von Shenzhen und Pudong von Bedeutung ist? Weil von den 1,3 Milliarden Chinesen noch immer 900 Millionen auf dem Land leben. Das Fazit der Autoren: Die Bauernfrage wird über Erfolg oder Scheitern von Chinas Modernisierung entscheiden. Die Autoren sind vorsichtig, sie wollen weiter in China publizieren, deshalb vermeiden sie es, offenden Schluss auszusprechen, der den Leser in jedem Kapitel anspringt: Die Bauernfrage ist auch eine Systemfrage. ‚Das Bauernland ist ein stummer Kontinent‘, hat ein chinesischer Dichter einmalgesagt. Nicht länger. Das Ehepaar Chen und Wu arbeitet an einer Fortsetzung. Pflichtlektüre für alle, die China wirklich kennenlernen wollen.“
Kai Strittmatter, Süddeutsche Zeitung, 13.11.2006

Die weltgrößte Armutsbevölkerung.
„Chen und Wu halten es für äußerst bedrohlich, wenn auch weiterhin fast 70 Prozent der Bevölkerung von jeder Modernisierung, von Wohlstand und sozialer Anerkennung ausgeschlossen bleiben. Der Druck, dem der Bauernstand ausgesetzt ist, hat bereits jetzt zu einem gefährlichen Anstieg der Kriminalitätsrate geführt, außerdem zu zahlreichen Aufständen, Demonstrationen und Übergriffen der Bauern und Wanderarbeiter. Nach Berechnungen der Weltbank lebt derzeit in China die weltgrößte Armutsbevölkerung, und das sind 150 Millionen.“
Thilo Castner, Das Parlament, 9.10.2006

Prophetisches Urteil.
„Chen und Wu besitzen Courage. was sie akribisch dokumentieren, ist unbequem für die Mächtigen in Peking … Vor diesem Hintergrund wirkt ein Urteil in dem Buch geradezu prophetisch: Die chinesischen Bauern gehören zu den duldsamsten Wesen der Welt; sind sie aber erst einmal aufgerüttelt, dann können sie zur gewaltigsten, furchtlosesten, zerstörerischsten Armee der Welt werden.“
Frank Grubitzsch, Sächsische Zeitung, 11.10.2006

„Ein erschütterndes Dokument menschlicher Grausamkeit. Lokale Parteikader, fern von der Zentralregierung in Peking, schalten und walten völlig frei von jeglicher Kontrolle und moralischen Hemmungen wie Kolonialherren. Dennoch sind die Autoren keinesfalls Dissidenten, sondern eher loyale Kritiker der Kommunistischen Partei. Immer wieder loben sie den guten Willen der Führer in Peking - deren strikte Regeln für die Lokalverwaltungen, ihre politischen Vorgaben, unbedingt die Bauern steuerlich zu entlasten. Chen und Wu hat das nicht viel genützt. Ihr Buch wurde zwei Monate nach seinem Erscheinen verboten. Um so mehr gilt es heute als Klassiker der chinesischen modernisierungskritischen Literatur - vollkommen zu Recht.“
Kirstin Wenk, Die Welt, 10.10.2006

Eine verlegerische Tat, deren Bedeutung hoch zu veranschlagen ist.
„Dass dieses Buch, das bei seinem Erscheinen in China 2004 ein Ereignis war und sich innerhalb der zwei Monate bis zu seinem Verbot dreihunderttausend Mal verkaufte, nun vollständig und originalgetreu ins Deutsche übertragen wurde, ist eine verlegerische Tat, deren Bedeutung hoch zu veranschlagen ist. Es berichtet über eine Vielzahl von Fällen, die den des Bauern Fu an Grausamkeit und Willkür noch übertreffen. Vor allem aber gibt es eine Binnensicht auf die bäuerliche Gesellschaft Chinas und deren irritierenden Widersprüchlichkeiten, wie sie so genau und differenziert keine noch so gut gemeinte Recherche von außen leisten könnte …
Die Pointe des Buchs ist, dass sich die ländlichen Verhältnisse im postmodernen Kommunismus Chinas auf ganz ähnliche Weise beschreiben lassen wie in Tausenden Jahren Vormoderne auch schon - die zahlreichen Verweise auf Anekdoten, Figuren und Weise aus längst vergangenen Dynastien fügen sich so bruchlos in den Text ein, als hätte es nie eine Verwestlichung, eine Revolution und eine Globalisierung gegeben. Die Autoren schlagen tiefe Schneisen in die Kulturgeschichte. Und zugleich schreiben sie so, wie den Bauern der Schnabel gewachsen ist, und der Übersetzer Hans Peter Hoffmann hat diesen Erzählton mit allen seinen Eigenheiten glücklicherweise beibehalten. So kann der Leser die chinesische Gesellschaft gewissermaßen von unten kennenlernen, als würde er sie von einem ihrer ärmsten Glieder selbst erklärt bekommen. Das große Thema damals wie heute heißt nicht bloß Armut, sondern Ohnmacht: das Ausgeliefertsein gegenüber lokalen Machthabern, die die Unwissenheit und faktische Rechtlosigkeit der Bauern ausnutzen, um sich an ihnen rücksichtslos zu bereichern.“
Mark Siemons, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.10.2006

Poltischer Sprengstoff.
„Im Gegensatz zu den meisten Werken der Reportageliteratur, die politisch angepasst und auf das herausstellen des Positiven anglegt sind, enthält der ungeschminkte Bericht von Chen Giudi und Wu Chuntao poltischen Sprengstoff … Was dem Buch zusätzliche Faszinationskraft verleiht, ist die Tatsache, dass es Erinnerungen an Schriften eines Autors wachruft, dessen Autorität die chinesischen Machthaber bis heute nicht in Frage stellen wollen. In den zwanziger und dreißiger Jahren veröffentlichte Mao Tsetung seine ‚Untersuchungen‘ über die Lage der chinesischen Provinzen. Sie bildeten die Grundlage für sein ideologisches Gebäude, das er als späterer kommunistischer Alleinherrscher ganz China aufzwingen sollte. Die Bauernschaft diente Mao bei seiner Revolution als wichtigste soziale Basis.“
Richard Herzinger, Welt am Sonntag, 1.10.2006

Korrektiv für alle banalen Globalisierungsvorstellungen.
„Wir sitzen in Westeuropa auf einer Insel der Freiheit und Gerechtigkeit - und stellen zunehmend fest, daß diese Insel der halbwegs Seligen ganz real bedroht ist. Diese Insel schwimmt in einem Meer, das uns mit allem drum herum verbindet. Ein Blick allein in das riesige Reich China, wo der Aufbruch in die industrielle und technische Moderne mit einer unsäglichen Armut auf dem Land korrelliert, lehrt uns, daß hier Sprengstoff für eine soziale Revolution in China lagert, deren Fernwirkungen nicht abzusehen sind. Noch können wir uns täglich über unserer Errungenschaften freuen. Der aufsehenerregende und erschütternde monumentale Bericht ‚Zur Lage der chinesischen Bauern‘ - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei ihrem Staatsbesuch in China die beiden Autoren Chen Guidi und Wu Chuntao besucht - ist auch ein Korrektiv für alle banalen Globalisierungsvorstellungen, aus denen die trügerische Hoffnung spricht, daß der freie Markt einmal eine freie Welt entstehen lassen wird, wo wir alle in Frieden leben werden.“
Eberhard Rathgeb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.9.2006

Klassiker der chinesischen modernisierungskritischen Literatur.
„Das 2004 mit dem Lettre-Ulysses-Weltpreis für literarische Reportage ausgezeichnete Werk zeigt abgrundtiefes Leid und Elend auf dem chinesischen Land, wo immer noch gut zwei Drittel der 1,3 Milliarden Menschen in der Volksrepublik wohnen. Zwei Jahre lang recherchierte das Autorenpaar in mehr als 50 Orten. Sie beschränkten sich nur auf die Provinz Anhui, eine der ärmsten in China … Ihr Buch wurde zwei Monate nach Erscheinen verboten. Umso mehr gilt es heute als Klassiker der chinesischen modernisierungskritischen Literatur - vollkommen zu recht.“
Kirstin Wenk, Die literarische Welt, 30.8.2006