Frank Schulz
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Writersblog von Frank Schulz.
2. Mai 2005
Bella und das Büro des Grauens (Folge 31)
Ein Fortsetzungsroman aus dem Jahre 1994 von Norbert Eberlein und Frank Schulz Es handelt sich um eine literarische Kooperation zwischen Norbert Eberlein („Seidenmatt“. Liebesroman, Haffmans, Zürich 1990) und mir (worin die Abkürzungen im Anhang vorkommen und der wir später den Titel Bella und das Büro des Grauens gaben). Wir hatten folgende hochprozentige, zugegebenermaßen nicht ganz neue Schnapsidee entwickelt: Einer schickt dem anderen ein paar Zeilen (wofür jeweils nur ein paar Minuten aufgewendet werden sollen), und der andere spinnt sie weiter und schickt sie wieder dem einen, und dann spinnt wieder der und schickt’s dem andern. Und zwar per Post, frankiert mit Sondermarke, falls zur Hand – es sollte uns dies müßige Treiben wenn nicht sinnliches Ergötzen bereiten, geschweige geistige Fortentwicklung, dann wenigstens philatelistisches Vergnügen. (Dieses bleibt Dir, Juser, nun leider versagt.) Noch im Katerzustand schickte ich Norbert Ende Juni 1994 die erste Folge...
Was bisher geschah…
Zusammenfassung des III. Kapitels: Ja, was zum Teufel geschah überhaupt bisher? Geschah überhaupt je irgendwas in jenem Dienstbüro der Großen Gelben Post in Hamburg-City Nord in jener dunklen und stürmischen Nacht Ende Juni? Aber hallo! Chef Lui Pfui und seine Sekretärin Bella, Assistenzsekretär Dr. Porschmann und Stenograph Bodo sowie Dienstfußmasseuse Lulu kommen ihm immer näher, dem Geheimnis ihrer Existenz. (Bella jedenfalls, die andern sind ja leider zu dämlich.) Inzwischen hat sich nämlich geklärt, daß a) die mysteriöse Zen-Zentrale, die für ihr langweiliges Eintagsschicksal verantwortlich ist, aus den Herren Hottner A und Hottner B besteht, die sich in einer Kneipe namens „Klett“ einen gehörigen Rausch antrinken, und daß b) Bella und Lulu die Hottners mit ihren Strapsen quasi lenken können wie Marionetten. Während Lulu beginnt zu posieren, um die Hottners in Schach zu halten, arbeitet Bella fieberhaft an einem Putschplan. Und da strömt er endlich ein, ER, Walter Ego, Agent der Conföderativen intelligenten Ästhetikfeuerwehr… Nun, Juserin und Juser – lies, sage ich Dir! Lies das IV. Kapitel! Lies, wie der zwölf Zentimeter große Tausendsassa der CIÄ seine Waffen einsetzt, um Bella zu helfen! Lies endlich, wie all seine tollen Tools und Superwaffen zum Einsatz kommen: der AKT (Anti-Kalauer-Tampon), die ZAR (Zoten-Abwehr-Rakete) und der PVC (Prosa-Visualisierungs-Chapeauclaque)! Verfolge den Kampf der geschundenen Forsetzungsroman-Kreaturen um ihre Fortsetzung!
Kapitel IV
Folge 31 (FS) Walter! Walter Ego! Wo hatte sie den Namen schon einmal gehört? D.h., wo, war klar. Hier. Wo sonst. Aber von wem? Hüstelnd wedelte Bella Walters Begleiterscheinungsnebel zur Seite. Die Gestalt wurde deutlicher. Da stand er. In der Lüftungsklappe. Walter. Walter Ego. Er war ungefähr zwölf Zenti¬meter groß, schmächtig gebaut, trug ein orangefarbenes Baseballmützchen mit der Aufschrift „CIÄ“ und am Körperchen ein schmuddeliges Blaumännchen, aus dessen Täschchen Schraubenschlüsselchen lugten. Hinter einem der Öhrchen steckte ein Bleistiftchen, auf dem Näschen saß ein Nickelbrillein, und die Händchen waren von Drillich-Arbeits-Handschühchen verhüllt. Bella stieß einen entzückten, spitzen Schrei der Freude, der Überraschung, der Hoffnung, des Sehnens und der Erleichterung aus. „Endlich ein Mann!“ jauchzte sie. „Nicht so laut!“ Walter hielt sich die Ohren zu. „Ich bin empfindlich!“ Er hustete. Seine Äuglein tränten. „Dieser Nebel immer“, wimmerte er. „Könntest du mich hier mal raushieven, Bella-Maus?“ Bella nahm Walter vorsichtig in beide Hände, wobei sie entdeckte, daß er auf dem Buckelchen ein Rucksäckchen trug, und stieg von Dr. Porschmanns Stuhl. Beinah wäre sie über Lui „Horst“ Pfui gestolpert, der gerade unter dem Schreibtisch nach seiner Identität recherchierte. Wie die Idiotenzwillinge grinsend standen Bodo und Dr. Porschmann nebeneinander und gafften. Bella beschloß, sie zu ignorieren. Diese Pappkameraden waren doch noch zum Briefmarkenlecken zu doof. Nein, sie wußte: Wenn jemand Rettung versprach, dann dieses heilige Walter Ego. Sie setzte ihn in den Ablagekorb. Herr Ego schwitzte ein wenig. „Herrje, ist das ein Streß!“ klagte er. „Du glaubst gar nicht, wieviel ich zu tun habe!“ Er wischte sich über das Stirnchen. „Gestern mußte ich sage und schreibe achtundzwanzigmal ausrücken, davon zehnmal zum Fehlalarm! Jede dritte Roman-, Novellen-, Dramen-, Drehbuch- und Märchenfigur fühlt sich ungerecht behandelt! Mehr als jede dritte: genau 36,7%! Zweimal war ich in In-Schwimmen-zwei-Vögel, je einmal im Vorderen Orient, Lübeck, Jork, New York, Entenhausen und und und. Hör mir bloß auf. Was meinst du, was in den neuen Bundesländern los ist.“ Walter stöhnte pittoresk. „Nichts als Jammerlappen! Und die meisten begreifen einfach nicht, in welchen Fällen ich überhaupt einzugreifen befugt bin. Sind die Figuren auch noch so blaß: sofern sie nicht unter werkimmanenten Aspekten sinnlos gequält, verhöhnt oder erniedrigt werden, sofern die Story einigermaßen in sich logisch ist, sofern auch nur die geringsten ästhetischen Kriterien befolgt werden, sind mir die Hän¬de gebunden! Ich kann doch nicht zu jeder dahergeschriebenen Anna oder Maria einströmen, die sich ,leblos’, ,lieblos’ oder ,irgendwie papieren’ gezeichnet fühlt, Herrhottner nochmal.“ Bella war total aufgeregt. Daß es sowas gab! „Was ist'n das für'n Pumuckl!“ tönte plötzlich Dr. Porschmann peinlich. „Halten Sie die Klappe!“ herrschte Bella ihn an. Walter ver¬zog schmerzhaft das Gesicht – sind so kleine Ohren / darf man nicht drin bohren / auch nicht mit Geräuschen / sind sonst aus dem Häuschen –, war solche Attacken aber offenbar gewöhnt. Geschüttelt, aber ungerührt zog er aus dem Brusttäschchen seines Blaumännchens ein Visitenkärtchen, reichte es Dr. Porschmann und sagte: „Mein Name ist Walter. Walter Ego. Ich bin hier gerade eingeströmt.“ Dr. Porschmann hielt sich das Kärtchen mit spitzen Fingern dicht vor die Augen und entzifferte stockend: „Walter Ego. Geheimagent der Conföderativen Internationalen Ästhetikfeuerwehr (CIÄ).“ „Hübsche Abkürzung!“ meinte Bodo voll fachmännischer Anerkennung. Bella wollte sich nicht mit Läppischkeiten abgeben. „Sagen Sie, Walter“, sagte sie zu Walter, „können Sie uns helfen? Haben wir eine Chance?“ Walter sprang behend aus dem Körbchen und lehnte sich an Dr. Porschmanns Locher. „Ich denke schon“, sagte er. „Zumindest liegt hier ein eindeutiger Fall von Quälerei vor. Außerdem könnte man die Zen-Zentralisten wegen Trunkenheit am PC drankriegen. Aber das muß letztlich Die Große Ze-Ze-Fliege entscheiden. Ich bin für schnelles Eingreifen zuständig, und bevor die IG Medien oder der Kritikerpapst ihren ranzigen Senf dazugeben, bin ich schon wieder weg.“ „Die Große Ze-Ze-Fliege?“ fragte Bella neugierig. „Ja“, ächzte Walter Ego, während er sich das Rucksäckchen vom Buckelchen schnallte. „Die Mächtige Göttin Aller Zen-Zentralen.“ „Ach so“, sagte Bella mit offenem Mund. Der gute alte Ego knüpfte die Bändselchen auf und
Vorschau auf Folge 32 (NE) lud eine Miniatur-Computer- und Kommunikationsanlage aus. Bella sah ein Laptop, ein Telefonschuhtelefon, eine Laserkanone…
Anhang
Abkürzungsglossar
| Abkürzungsabteilung: | | Abkürzungsabteilung | | AKT: | | Anti-Kalauer-Tampon | | Alo: | | Arschloch | | AS: | | Assistenzsekretär | | BiLuka: | | bis Lulu kam | | CIÄ: | | Conföderative intelligente Ästhetikfeuerwehr | | Dawü-i-a: | | Das wüßte ich aber | | DBDDHKP: | | Doof bleibt doof da helfen keine Pillen | | DBT: | | Dienstbrieftaube | | DF: | | Dienstförster | | DiKoNi: | | Dienstkochnische | | Displex: | | disparater Fragenkomplex | | DMF: | | Dienstmeditationsfuton | | 3Ei: | | eigenartig eilige Eilpost | | DUK: | | Dienstumkleidekabine | | DVU: | | Dienstliche Volksurologie | | 5S: | | Semiprofessioneller Super-Sonderstempel-Service | | GeiDiHi: | | geiler Diensthintern | | gg: | | ganz gemütlich | | Ko-glei: | | Komme gleich | | Lusch, lusch: | | Lud, schoß, lud, schoß… | | NVA: | | Niederer Verbal-Aggressor | | PMPDF: | | Paramilitärisch-polizeiliche Dienstförsterei | | PVC: | | Prosa-Visualisierungs-Chapeauclaque | | RüBe: | | Rührung & Betroffenheit | | 4A: | | Aktive Arbeitskraft-Auffang-Abteilung | | ZAR: | | Zoten-Abwehrrakete | | 2B: | | Busen-Büro |
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