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23. Juli 2010
LHT 9 - Zürich
Zürich. Von Hamburg nach Zürich im Zeugflug - auch neu; die ganze Besatzung aber wie sonst: Mütter mit Kindern, Messenomaden, papprollentragende Kreative, reisefrohe Ehepaare, ein Preislesereisender, allesamt an Tomatensaft. Die ganz zyklopischen (homerisch-vulkanischen) Geschäftsleute, die dicken Onkels (dem Stalin seine Klassenfeinde), die sollen unterdes mit dicken Luxusdampfern den Rhein hochjubeln, tätowierte Mätressen kitzeln und gedehnt „Boni" verprassen. Im Schneckentempo trifft auch der Laudator Gärtner nach mir qua Holzklasse im Hotel Kindli ein, ein gut währschaft Haus. Ich luchse ihm mit Laudationes auf seine Lederreisetasche dieselbe auf demnächst ab, denn sie ist famos, heute kann keiner mehr solch nobles Kummet täschnern, und er, Laudator Gärtner, braucht sie eigentlich nicht. Dann hurtig hin zur Rheinfelder Bierhalle, eine gut währschaft Stuben, dort Essen und einige Stangen zu nehmen. Das Literaturhaus keimte 1834 aus der Zürcher Kaufmännischen Lesegesellschaft und amtiert jetzt als „Museumsgesellschaft", die eine gute Bibliothek und Zeitschriften führt und das Literaturhaus beheimatet. Im 135 Jahre alten Institut amtieren mir zur Freude sogar ein Quästor Tödtli – ob er zu den quaestores consulis zählt oder hier einfach den Kassenwart schiebt, erschließt sich mir nicht - als auch ein Aktuar Horlacher, ein Schreiber also, wenn nicht sogar Schnellschreiber und Schriftführer. Vor mir lasen hier Gottfried Keller, Lenin, Thomas Mann, Ricarda Huch. Und vor mir entwickelte der Laudator Gärtner feinste, steilste Bildhermeneutik, mein Werk, eigens die Wandsäfeabdeckung betreffend. Feine, gut amüsierte Versammlung, die Damen des Hauses Stoll und Gubler, dann Haemmerli da, David Weiss, Schwertfeger, Virchow, ah!, und Marlene Frei natürlich und noch allerlei schräg laufende Zürcher Boheme und sonstwer. Auch eine etwas dubiose Dame hauchte mir guten Cognac zu. Kronenhalle obligat. Anderntags feiner Abend im Oberhof mit Virchow noch, dann Großmünster, Polke-Fenster gucken und Peter Noll gedenken und der Dub seinetwegen auch eine Fürbitte. Dann Erwerb einer Schweizer Mooseinlegesohle auf der ich noch heute durch die Gassen schwebe. Dann im Kriechgang mit unlenksamem Hochwürden Laudator und Hegelianer Gärtner ins Airport-Migros und zurück auf Moos im Zeugflug nach Berlin ins Hoeck.
8. Juli 2010
LHT 8 - Hamburg
Hamburg. Schöne Alster; darum aber hetzt der Irrsinn: Todflüchtige, an zu hohen Zielen aufgeriebene (gegen Augenringe pflege ich Hämorridensalbe anzuraten), wie Pferde schwitzende Jogger, die ich gleichwohl im Spaziergang zu überholen vermag; zwei um 50, auf dem Rücken liegend, lassen Drachen steigen - „Das Himmelspfand in unseren Händen / Ist eines Himmels wert zu sein"; auf See Segelbötchen, darauf Hinundher- und -herumfahrer, sie alle „pflügen mit des Schiffes eilendem Kiele" ihrem Vöslauer Prosecco in der Alsterperle zu; doof and young (and yin) for ever; ganz übelgesinnte, haßschweißschwitzende Radfahrer, behelmte (Modell Styroporpflaume) Krieger in Wolfskin, die sich ökologisch salviert wie Böse Opelz die Bahn freibrüllen, alles schön doppeldoof (Lufthuzenärsche); und allesamt natürlich (!) grausam gekleidet, als tagte die endlose Freizeit- und Bergsteigermesse zu Hamburg; Kind reißt einer Weide (einer nun ganz traurigen) einen Arm ab, der Vater, vermutlich bei Attac und Amnesty und Friends & Freunds & Cheese engagiert, betont die Entfaltung der Identität seiner erbarmungslosen Göre (so früh schon der Schatten des Körpers des Schuftes!) und ermutigt, das nächste Geäst zu kupieren. Im Literaturhaus eine andere Welt, alles fein, wie immer. Anschließend kleine Runde. Harry auch kurz dabei. Kunstsammler und Urologe („Das waren alle meine Patienten!") Reiner Speck, soignierter Herr, scharmant, erfreulich („Wenn jetzt hier Witze erzählt werden, verschwinde ich sofort!"), leicht freilich schon schwebend (claritudo?), hat auch feine Twomblys! (Wie Weiners und er selbst aussehen, weiß ich schon, und weiß auch einiges noch von ihm, Weiner, das ich später mal verrate.) Anderntags aus der S-Bahn ein schroffer Blick auf den Friedhof Ohlsdorf, auf die große Uhr, worein ein Dornenkranz geflochten, oben am Portalturm; darunter steht: „EINE VON DIESEN".
27. Juni 2010
LHT 7 - Leipzig
Leipzig. Haus des Buches. Fast wie ein Klassentreffen: Dr. Ulrich Schneider, Leiter der Universitätsbibliothek (aus ihm ist was geworden!) und die ganzen anderen verhinderten Doctores (comme moi) in den Kunstwissenschaften (comme moi pas). Abends beim Essen der Blutwurst platzte mir die Nase, so wie der daraus sprengende Blutschwall schwoll! - Ursache ein Hämangiom; alle Jahre (müßte genauer bestimmt werden) bricht es auf und die Blutung ist schwer zu stoppen und zu fassen: wie kann sich aus so einer winzigen Körperöffnung derartiger Blutguß ergießen? (Ein Arzt, wüßte er denn von mir, wüßte es vielleicht und auch zu heilen!?) Leipzig ist schön; hier täte ich, jung noch, studieren! Dann früh im Zug nach Hamburg, gern um Berlin herum, aber durch Berlin hindurch, kurz daheim, dann weiter.
24. Juni 2010
Die Nils Krügersche Mutung.
Mein Freund Nils Krüger, der Erfinder und Instrumentenbauer des Tonkneters, der mathematische Tüftler und Denker am Muster, hat folgende These in die Welt gesetzt – und nun möge sie einer, so er kann, falsifizieren oder andernfalls prämieren, von mir aus mit dem Nobelpreis für Mathematik.
(Den für Chemie hat ja der Denker und Zeichner Tomas Schmit schon beizeiten dem Calciumcarbonat zugedacht, und das war schon weise!) Sodenn: „Hier etwas Schlichtes von mir [- Nils Krüger nämlich, und so aus einer Post an mich:]. Problem : wie lassen sich gerade und ungerade Zahlen prozederal entmischen ? Lösung: ich stelle normale Zahlen binär dar, spiegele sie, betrachte die Reihe der gespiegelten Binärzahlen und siehe, gerade wie ungerade Zahlen sind entmischt. Beispiel: (von 1-8 siehe senkrecht) 1 000 <-> 000 1 2 001 <-> 100 5 3 010 <-> 010 3 4 011 <-> 110 7 5 100 <-> 001 2 6 101 <-> 101 6 7 110 <-> 011 4 8 111 <-> 111 8 Dieses Verfahren funktioniert bis ins Unendliche. So kann sich, wenn man Freude daran hat bis zur Äscherung, trefflich autistisch, Leere im Geiste zur Fülle wandeln." Nun das walte!
22. Juni 2010
LHT 6 - Köln
Köln: Dom, Bahnhof, Böhm (holt stets vom Bahnhof ab, freue ich mich immer, und dann geht es gleich rüber ins Früh:), Kölsche Kaviar, deuxième petit-déjeuner, pemier dîner; dann noch in den Dom, wo mir Thomas Böhm vom förderlichen Einfluß Goethes auf den Bau berichtet und auch sonst noch Einiges, gut zu wissen. Abends nach getaner Arbeit dann abermals Früh mit Flöns (au souper). In Köln ist mir stets wohl! Anderntags mit Laudator und Schofför Lawo anstrengende, langgezogene Autofahrt (ob- und gleichwohl durch schöne Landschaft von Köln nach Leipzig nördlich des Vogelsberges durch Hessen (Hessenwurstkauf in „Wagners Wurstkammer" (- gesunder Genitiv!) in Herleshausen), dann an der offenen thüringischen Perlenkette: an Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar und Jena vorbei, einmal um Leipzig noch herum, wiedebum! im Auto Heinz-Werner Lawos; der knallgelbe Kleinwagen brüllte ab 120 km/h vor Schmerz und Überanstrengung und war doch am Ende nicht halb so erschöpft wie ich; er schlief in einer „Parkbox" des feinen Hotels Seaside Park (mit ohne See) zu Leipzig, wo ich mir zu allererst ein frisches Seaside-schickliches Hemdchen bei Charme & Anmuth gönnte (mir zu gönnen mich genötigt sah).
18. Juni 2010
LTH 5 - Salzburg
Salzburg. Riesiger Bahnhofsumbau, den man – obgleich man wenig weiß – aufs erste für Unfug hält; ich kenne den alten, er war unberühmt doch zureichend – eben ein Bahnhof. Wird später bestätigt. An der Bauwunde entlang und rechts runter Zum Hirschen. Rosa Pock, die Freundin und avisierte Laudatorin, auch schon da, Freude! (Man sieht sich so selten; also war meine Idee, als Laudatoren auch die zu selten Gesehenen zu erkiesen.) Gleich runter in die Gaststube: Beuschel fassen und Gulasch zum Bier, hervorragend! Tomas Friedmann, Literaturhausleiter zu Salzburg, kommt hinzu und erzählt beschwingt seine familiäre Glücksgeschichte; ich bringe raunend meine familiäre Unglücksgeschichte bei. Anderntags Magengrimm zweier törichter, unnötiger nächtlicher Tatarhälften wegen. Früh lieber gleich los. Elfjährige Fußballspieler, ganze Mannschaft mit Trainer, neben mir im Zug nach Rosenheim; ruhiger, wohltemperierter als unsere Kinder in den Bezirken, aber auch: Nintendo, x-box, der ganze Abfall. München, du nun wieder! Marienplatz, Donisl, Filze Johanna Daimer, Weißwurst geht nicht (Ingrimm des Pansens). Ewig am Flughafen. Ach, was heißt schon ewig? Ewig, eben das Ewig, nur das ist so lang, nur das.
10. Juni 2010
LTH 4 - Graz
Graz. Flughafen. Taxi, sofort erst zum Mohrenwirt; Hirn mit Ei („Immer noch nicht verboten?" – „Wos Brüssel mocht unt Wiean, scherts uns in da Schdaiamoak an Dreck!"), 2 Bier, 1 Kronen-Zeitung. An der blauen Kunstgänsekeule vorbei, über die nachdrückliche Mur, geradezu hochlaufen; in den Dom. (Ad Dub.) Weiter zum Parkhotel. Hier war ich doch schon mal! Da stand ich damals mit dem Gusenbauer im Fahrstuhl vor Jahren beim Steirischen Herbst; wir schwiegen uns staatsmännisch an. Die Schuhe schmerzen heuer den Autoren – zum Ausgleich für die allzu gütlich überlebte Münchener Senkelkrise? Und auch wieder Regen (running rain gag). Vorlesen. Paul Jandl Laudatio. Essen mit den angenehmen Damen Altziebler (schöner Name) und Winter und Jandl. Von einer Dame umschwirrt, die die unfängliche Speisekarte auswendig hersagt, und wir verstehen nur Martin Opitz. Erquickliche Runde somit. Hotelillustrierte: falsch Nasenflöten aus Ahorn, Eibe und Obst von Handler aus der Steiermark; zu holzig, zu ökoauthetisch, kommen nicht in Frage! Das fassungslose Morgengrauen nach gutem Traume (schlechte Träume wandeln eine reale Unerträglichkeit zur erträglichen; gute Träume potenzieren das wache Entsetzen), wachliegen, alles grau, unverschämte, „ausgeschamte" Steyerer Vogelschar (vulgo: Fögl) am frühbrüllen vor dem Fenster. Frühstück mit Jandl, angenehm. Dann die schön dahingleitende Fahrt durch die Alpen, glitzernde Schneegipfel. Die Eisenbahn erinnert an die alte, Fernster lassen sich öffnen, viel Zeit geht dahin, eine Verspätung wird die Berge wie den Reisenden nicht bekümmern, Schiene und Zug schmiegen sich in die Landschaft, zwei Loks ziehen uns duldsam hinauf und hindurch und dann gleiten wir hinunter in einen zerschredderten, vor Schmerz wackelnden Bahnhof Salzburg.
3. Juni 2010
LTH 3 - Stuttgart
Stuttgart. Kleine Großstadtmetamorphose: U-Bahn wird zur Straßenbahn sobald sie dem Hauptbahnhof entkommt. Ich stehe hilflos im Regen und sehe mich um; wat nu? Seltsam: Was steht da drüben? -: „Literaturhaus". (Darf man bingo! sagen? – Nein! Also: bongo!) Hotel Maritim. Erst runter, dann geradeaus, dann wieder hoch. Labyrinth. Mein Zimmer: Zimmer? - was heißt Zimmer? Es ist eine Wohnung, größer als die meinen je waren! – sieht aus wie der Zweitnobelsitz einer älteren, sehr reichen Dame in Miami, die hauptamtlich am Tegernsee und sommers in Davos haust bzw. villat oder domizilt. Wenigstens 100 Quadrat. Cremefarbene Couch, Sessel, Glastische, Eßtisch, Tanzfläche, Fechtboden. 2 TVs. Klimaanlage. Schrankwände. Ich öffne eine neuerliche Schrankwand und wundere mich: das Bad sah eben noch anders aus!? Blick auf Stuttgart – was heißt Stuttgart? Es ist ein Center worin das Hotel einige Gebäude füllt, so eine Art Shop-Nobeldisco-Arkaden-Katarakt, ein ehemaliges Betriebsgelände, nun heißt es Bosch-Areal. (Die Bosch-Verwaltung und ihre Direktoren residierten hier einst im Literaturhaustrakt. Erinnere mich gern an Marcus Bierich, war oberster Direktor bei Bosch, feiner, kunstsinniger Mann, promovierte zu Russells Grundlagen der Mathematik; ich plauderte mit ihm einst über Frege und Hilbert, Landauer und Benn. Von allen besaß er Briefe, Autographen.) Stuttgarter Regen, dazu Schwäbischer Regen. Laufe da in der Suite herum und mache Türen auf. Das Bad sah doch eben noch wieder anders aus? Nein, zwei Bäder gibt es hier, und Bidets. 1 Wohnzimmer, 1 Schlafzimmer, 2 Betten, 9 Wandschränke. 2 Regenschirme, unter einem ab nach draußen. Literaturhaus. Höllerer zeigt mir den alten Bosch-Wandsafe. Kein Schnaps, nur Akten. Schöne Bücherverkäuferin steht vor meinem Werk und ziert es als auch einen Haufen Zweitausendeinstüten aus denen ich scharmant herausgucke und rückwärts einen flotten Spruch präge. Frieder Butzmann; Hymnen (uff mir!), Fisch-, Wurm-Lied, Drachenhymne. (Abakadabra: schon im Netz, Stichworte: Kapielski, Literaturhaus Stuttgart, Butzmann. Bongo!) Jochen Schlöder - erwartet, freue mich. Britta! - Stuttgartstammtisch zu Berlin mit der Stolterfoht-Verwandtschaft und -Bekanntschaft. In der S-Bahn S2 zum Flughafen ein manischer Irrer mit Polnischsimulationen: „Dring, dring, dring! Rodzaj m?ski ?ywotny nieosobowy!" Dann betritt ein blutiger Verband überm Nasenbruch den Zug – wer hat den so verhauen? Ein „Südländer"? Ein Mann aus Graz also, oder Salzburg? Und Stuttgart auch schon wirr und irr?
27. Mai 2010
LTH 2 - Frankfurt am Main
Frankfurt am Main. Steigenberger. Vis-à-vis ein Krankenhaus; Blick von Krankenhaus zu Krankenhaus: Dritte Etage, Fenster nach Osten, hüben das Sanatorium Steigenberger (für Heimatvertriebene), drüben das Krankenhaus Zum Heiligen Geist für Mütter und Säuglinge (– eher also ein Gesundhaus. Die Entbindungsklinik in der ich die Welt einst erst schaute ist heute eine noble Seniorenresidenz, die ich mir für den letzten Blick nicht werde leisten können...) und rechterhand liegt noch das Städtische Literaturhaus und ums Eck, Schöne Aussicht 16, lag das nun abgebrochene Schopenhauerhaus, wo ein neuerliches Krankenhaus entstehen wird, auf daß ganz Frankfurt noch zum Siechenhaus werde. Dom; Kerzen und Fürbitten für Dub. (Ich werde alles tun, was ihr helfen könnte.) Rindswurst im Dauth-Schneider. (Hilft das? - Wohl eher mir.) Leichter Regen. Dienst. Dann im Raucherkabinett des Hauses; Rochus Kowallek rempelt Lorenz Jäger und Jürgen Kaube - zärtlich. Orban loht auf nach einigem Bier; ich habe ihn gern so. Jürgen Roth, der Freund und heute auch Laudator - cum laude. Feiner Abend. Polnischer Abgang. Starker Regen. Nanu!?: anderntags eine Eintrittskarte auf der „Eintrittskarte" steht mit perforiertem Abreißeckchen im Notizheft: woher, wofür nur? Wieder der Dom; einst hier Gekrönte längst zu Staub. Kerzen für Dub. Denke an den IC, die genante Blumenkohlesserin. Voller Zug. Weinheim, Heidelberg. Stuttgart, eine Schale zwischen den Hügeln worüber starker Regen wohnt.
25. Mai 2010
LHT 1 - München
München. Flughafen Tegel (- der überlegt entworfene, schnellste, übersichtlichste, fast bescheidene – da muß er nach grünem Wesen genesen, also in Gestalt eines Megaair ganz weit draußen und teuer neu gebaut werden und nachts ins Bett. Fiat utopia et pereat mundus. Am lieblichsten wollte mir das Flugfeld Tempelhof gefallen; konnte ich gleich gegenüber ums Eck beim Fleischer noch einen Leberkäse unter den Hierbleibenden speisen, und niemals werde ich den lebensklugen Penner vergessen, der sich in den weitläufigen Toiletten des Flughafens verschämt die Füße mit dem dort verfügbaren warmen Wasser wusch und auch einiges noch einweichte; ich nickte ihm solidarisch zu: Bloß nicht weitersagen am Bahnhof Zoo! – Auf keinen Fall!). Schürsenkel nachzurren; er reißt, was sonst? – Doch auch ein Fluchhafen?! München, leichter Regen. Die ruhlosen Geister des Halbergmoos sind vom weit draußen zwischen den Feldern protzenden Flughafen vertrieben in den S-Bahntunnel verzogen, wo sie ächzen und jaulen und den Niesel einsaugen. Auf dem Weg die Thierschstraße entlang zum Hotel: ein Schuhmacher mit feinstfesten Senkeln. Alles wird gut! (Die Waagschalen stehen wieder eben ein.) Hotel Dollmann, kleines Zimmer. Vornehmer Gilb. Unten im Salon lesen ältere Herren großformatig Zeitung. Fleischkäse und Brezel im Donisl. Doppelespresso in doppeldoofem Kaffeegetueladen an fünf Sorten Biokaffee. Drei lahmarschige Kräfte bedienen umständlich einen komplizierten Gast; wahrscheinlich alle Vegetarier: träge, reflexarm, mangelnde Übersicht, schlaff, anämisch. Viertel Stunde später Kaffeetremor, furchtbar. Vertrage den Mist nicht mehr, schmeckt aber und immerhin ein Bio-Tremor! (Der Bio-Gott ist ein zorniger und gebieterischer!) Wittmann, Leiter des Literaturhauses, muß mir während des Studiums in Berlin mal über den Weg gelaufen sein; aber ich hielt mich damals schon strickt abseits und einsam. (Aversion gegen gelebten Sozialismus und „Teams".) Isfort Laudator. Gut; auch wieder interessant, was er so anmerkt, was ich gar nicht mehr merke. (In einem Monat wird man fortan 12 mal ganz unterschiedlich belobigt und residiert in feinen Hotels – wie wird mich das colorieren?!) Berichte dem Isfort von meinem Annäherungsversuch an die AZ in den Jugendjahren, als es mich mal eine kurze Strecke lang nach Unterhaching gepustet hatte; er ist ja derzeit Kulturredakteur dort bei der AZ. (Würde er mich heute anstellen? – Na, ich würde es nun gar nicht mehr erstreben.) Gut besuchte Lesung, holla. Von Kobelinsky taucht auf mit Fotoalbum; ich fünfzehn, er zehn, zwölf. Wir haben uns 45 Jahre nicht gesehen und kennen uns schon 50! Den Dabeisitzenden verdeutlichte ich: „Wir, der Jörg und ich, haben uns 60 Jahre nicht gesehen! Wir kennen uns aber schon seit über 50 Jahren! Unglaublich!" Nachtmahl töricht verweigert, nur etwas Bier. Gleichwohl oder darum schlecht geschlafen. Mit mir wäre ich früher nicht gereist: abends kaum Bier (in München!) und früh Früchte mit Haferflocken und Joghurt. Na ja, nicht ganz schlimm: Die Mirweißwurstverkäuferin am Viktualienmarkt stammte aus Sachsen und erzählte ungefragt, sie habe jetzt 8 Dioptrien und jedes Jahr käme noch eine hinzu. Aha. (Sieht die mich?) Deshalb Weckwerf-Kontaktlinsen. Ah ja. Danach wolle sie „läsern" lassen. So!? (So, so! Sieht man ihr plötzlich ganz anders in die Augen. Komisch auch, daß der Laserstrahl im Gegensatz zu den anderen so ganz unbehelligt bleibt von Damnationen und Ängsten und dräuenden Verschwörungssehnsüchten.) Unterdes rühre ich die Wurst im süßen Senf und wende mich etwas ab und freue mich, daß ein Wurstkäufer eintritt und sie umständlich und aufs Gramm genau beschäftigt. 1 Bier im Donisl an AZ und FAZ. Eine Frau vor mir im Zug nach Frankfurt ißt ein Stück rohen Blumenkohl, und ich bekomme Hunger genau auf so etwas und beschließe: Mehr Gemüse! Mehr Obst! Esse aber Weißwurst und dann später Rindswurst im Frankfurt.
14. Mai 2010
Spekulatius
Es ist doch im Grunde so: Am Abstieg Herthas sind Spekulanten schuld!
Die haben vorm halben Jahr, immerhin damals noch riskant (deshalb auch noch feige rückversichert) gewettet, daß Hertha absteigt, weil alle Experten sahen und analysierten, daß Hertha ungenügend geführt wird und mangelhaft spielt. Aber nicht deshalb, sondern der Spekulanten und Wettteufel wegen stieg nun Hertha wirklich ab - sagen die Verantwortlichen und, weil es so schön unterkomplex ist und auch als gute Ausrede taugt, ebenso nicht wenige enttäuschte, nach Erklärung darbende Fans. Das Bundesligapräsidium aber sollte nun endlich beschließen: Verbot oder wenigstens Kontrolle und Besteuerung der Wetten und kaltherzigen Experten, außerdem sofort zehn Punkte von Bayern an Hertha, und um die Umverteilung nachhaltig zu gestalten: Verbot des Abstiegs aus der Ersten Liga, außerdem Gleichbehandlung: Es kann doch nicht sein, daß die Guten immer gewinnen; alle haben Talente, alle sollen gleich sein, Chancen haben! Alle sollen in die Erste. (Und Abitur, Reichtum für alle.) Ich erinnere noch Schröder, Fischer und Eichel im Bundestag auf alle hinterletzten Trottel einquallen: Europa! Griechenland, die Wiege der Demokratie, blumm, bumm. Wer das nicht befürworte, sei ein kleinlicher, rückschrittlicher Sackpinscher oder sowas. Die damalige Opposition raunte zwar, etwas verzagt und ganz unpopulär, einiges von griechischem Wirtschaftsunvermögen und Bilanzunstimmigkeiten, wurde jedoch überstimmt. Nun ja. Wenn ich jetzt Politiker wäre, würde ich auf jeden Fall auch was von „Spekulanten" in die Trompete blasen. Was die machen, versteht sowieso keiner.
8. Mai 2010
Pörformänz
Etliche Jahre her, hat Richtung Friedenau, bei der oberen Mittelschicht daheim in den schmucken Häuschen, wo der elaborierte Code herkommt, sonntags immer einer Performance gehabt. Zog dann so ein im Bestand ziemlich gleicher Haufen des Sonntags umher, und irgendeiner aus diesem Pulk hatte dann Performance. Das war nämlich jetzt was Neues. Sich in Silberfolie einwickeln oder so was Schreckliches in der Art, symbolisch aufgepumpt, aber doch wieder mit Absicht oder aus Doofheit undeutlich gemacht, weil der Trick ist ja, daß mit der Zunahme an Undeutlichkeit der Erklärungswahn, der Sinngebersadismus triebhaft und schaffensfroh mit anwächst. Vielleicht verhältnismäßig exponentiell sogar. Das könnte man, wenns nicht gar so blöd oft wäre, durchaus als Kunst der Künstler verbuchen. Auch der kühle Kant oder der barhäuptige Foucault forcieren ja die Hitze der Leser besonders an den Stellen, wo sie ziemlich dunkel, wenn nicht Quatsch schreiben. Is hier vielleicht auch so.
Na jedenfalls sonntags ab nach Friedenau zur Performance an die Oberschicht. Es wurden die Flügeltüren von den Weinkellern aufgesperrt, es wurden die Oliven, wo ja früher genau an der Stelle vom Steinchen noch so ein rotes Stückel Paprika oder ne Mandel dringesteckt hat, also es wurden diese Oliven ausgeteilt, Stangenweißbrot von hier bis da und dergleichen mehr mit Schweizer Käse. Zur rauhen Schale von so einer wöchentlichen Kunstversammlung gehört natürlich der gute alte Saufparasit wie du und ich, und da gehörte nun auch der Norbert dazu, der ebenfalls zum Trunke neigte und sich für Künstlerinnen jenseits des Keilrahmens interessiert hat. Und für Oliven! Was nun die Kunststückchen betraf, war Norbert Zuschauer, also möglichst etwas weiter hinten stehen, rechts das Bier, links das Olivenschüsselchen. Er rollte an den richtigen Stellen mit den Augen, und sein markantester Charakterzug war die Bosheit im Dienste der Menschheit. Hier ein Aperçu und dort eine kompakt formulierte Beleidigung. Das war Norbert, und das war nun natürlich schlimm, denn Künstler sind ganz schnell beleidigt. Sie hecheln zwar kreuz und quer ihren Haß gegen den und den durch, und das weiß auch jeder, aber das darfst du nun doch nicht direkt aussprechen, das muß hintenrum geflüstert werden. Macht ja auch Spaß. Nun hatte sich manch einer von den Kunstkönnern schon angepißt gefühlt vom Norbert, und da mußten sie sich auf ihre verquaste Art so hintenrum, was ausdenken gegen unsern Norbert. „Mach doch auch mal ne Aktion, Norbert!" Das wars. Sollte er sich auch mal lächerlich machen. „Nö." Sagte er nun aber. Und sie lassen nicht locker, und er sagt immer „Nö". Bis ich eines Tages doch höre, wie sie ihn wieder nörgeln, und der sagt plötzlich: „Gut! Nächsten Sonntag! Ich mache ein großes Essen und halt ne Rede!" Ach Gottchen!, dachten nun alle, Essen! Aber gönnerhaft, soll er mal machen, der Norbert. Es ist ja auch so, daß Menschen, die den Hunger nun garnicht zu fürchten brauchen, ganz besonders auf ein Freisüppchen jiepern. Die kalte Platte eben, Essen auf Nullevert wird im Kunstmilieu sehr positiv aufgenommen. Und da kamen sie anmarschiert, die hungrigen Kolonnen zu Norberts Sonntag. Und nu: Wat kocht er denn? Wat kocht er denn? Und die Fleppen gleich runter: Spaghetti. Na trotzdem, es wird aufgeladen, erst die Nudelknoten al dente, es wird sozusagen gordisch ausgeteilt, und schließlich wackelt unser Noppe noch höchstpersönlich mit der Tomatenplempe die Reihen entlang und gibt uns das Rote. Und nervös vor Gier noch dicke Schichten Käse rüberrubbeln. Und los. Wir drehen da so lustig die Gabeln an den Löffeln rum, und Noppe legt los mit seiner Rede. Kunst heißt, etwas von sich geben. Etwas Bataille, etwas Diätessay, er entwickelt Furor und bekommt schon Feuer ins Auge, wir sind halb fertig, und er echauffiert sich so langsam und brüllt schließlich „Kuuunst!" brüllt er, „Kuunst! Heißt etwas von sich geben. Und deshalb habe ich in die Tomatensoße gewixt!" Rumms! Alle schauen entgeistert den Norbert an. Die Spaghettis baumeln wie tote weiße Beinchen von den Oberkanten der Unterlippen runter. Kotzen oder Jubeln? Diese sonderbare Performance hatte nun tatsächlich Verwirrung gestiftet und den ganzen Haufen in zwei Fraktionen gesondert: Die Genies, die Säufer und Schmarotzer grölten. Dem Rest war schlecht. Nun muß Performance nicht grundsätzlich so gemein sein, um Klasse zu haben.
3. Mai 2010
Erstes Drehbuch, Krimi
Großer Lagerraum einer Firma für 'Weisse Ware'. Buchhalter Kuhfarz steht im Grauen Kittel mit einer Liste und zählt stirnrunzelnd Waschmaschinenkartons durch. Im Hintergrund schleppen die zwei Lagerarbeiter Gottschalk und Meiser müd und zu zweit dergleichen Kartons durchs Bild.
Kuhfarz: "Halt mal! Gottschalk, haben Sie die Truhe >L drei zwo zwo< irgendwo rumstehen sehen?" Gottschalk: "Nee, Herr Kuhfarz." Kuhfarz: "Die stand doch hier! – Meiser!: Sie auch nicht?" Meiser: "Ick mach nur, wat man mir saren tut. Sons janüscht. Aber dit mach ich denn och, Herr Kuhfarz." Kuhfarz: "Ja, ja, is gut. Machen Se weiter." Ab. Kuhfarz kopfschüttelnd. Turnt waghalsig über Kisten, lukend. # Ehepaar sieht sich unsicher vorn im riesigen Verkaufsraum um. Kein Verkäufer weit und breit. Ein kleines Hinterzimmer, unter den Mitarbeitern 'Das Kabuff' genannt. Die Verkäufer Müller, Kant und Zeisig in weißen Kitteln mit großen Namensschildern heiter beim Trudeln. Kaffeepötte stehen rum. Volle Aschenbecher. Müller schaut beiläufig durch einen Vorhang in den Verkaufsraum, trudelt weiter und sagt dann: "Scheiße! -: Kunden." Kant: "Wer geht?" Zeisig: "Kant is dran!" Kant: " Ja, Zeisig du Zausel. Kant, also icke, war heute bekanntlich schon dran." Müller: "Dann trudeln wir das kurz mal aus." Kant wirft: "Jawollo! -: Pasch mit Soße! Ha!" Zeisig, der älteste, verliert: "Jut, ick marschier ja schon. Gebt ma erstmal noch paar Mundtropfen." Kant holt eine Flasche mit Schnapstülle aus einem Umkleidespind und gießt dem sitzenden Zeisig direkt ins hochstehende Vogelmaul. Zeisig spült, schluckt, schüttelt sich: "Ahhh! Mundfrisch!" und geht in den Verkaufsraum. # Sekretärin Frau Bölzke pustet Luftballons auf. Telefon klingelt. Schwierig abzunehmen. Sie hebt den Hörer ab, dabei pfeift ihr der Ballon aus der Hand am Telefon vorbei. Der Chef, Herr Dudenhofen, starrt im Chefzeimmer in den Telefonhörer. Daraus hört man einen schnarrenden Pfiff. "Sagen Sie mal, Frau Bölzke, was machen Sie denn da?" Bölzke: "Ich blase Luftballons für heut nachmittag auf, Herr Dudenhofen." Dudenhofen: "MachenSe keinen Quatsch, Frau Bölzke, schickenSe mir mal den Kuhfarz rein." Bölzke: "Kuhfarz ist noch unten im Lager." Dudenhofen: "Ja Frau Bölzke, denn holen Sien rauf und Schicken Sen rein. Machen Se doch nich soviel Quatsch da wieder, Frau Bölzke!!" Telefongebrülle; jetzt schaut Frau Bölzke ganz entgeistert in den Hörer. Wer ist der Mörder?
21. April 2010
Alle herzten sich.
Auf mich aber dachte beinahe niemand.
Doch! Einer doch. Darf ich den jetzt so schüchtern wie eitel vorstellen: http://www.blackmagazin.com/?p=2901
20. April 2010
Seit 50 Jahren: Winster wider Zese
Wie maliziös so einige Dumpfleute derzeit wieder ihre gleichschwingenden Ressentiments und vorgestrigen Vorvorurteile in Anschlag auf den Maler Neo Rauch bringen, dieses Mal zum Gedenken seines fünfzigsten Geburtstages, ist so verdrießlich wie aberwitzig. Zornige, in der Sache Ahnungslose hauen ihren karrierefesten Blödsinn in die Schlepptops und pumpen den Seim hinauf in den Redaktionsmuff der gleichstimmigen Denkungsart und belieben also akut an Rauchs Bildern rumzumäkeln; dabei vermögen sie selbst nicht mal gegenständlich zu schreiben und sind natürlich eingeschnappt, wenn sie das hier lesen.
Was entfacht solche Bosheit, solch geflissentliche Tücke? (Zunächst auch: daß diese Leute aus bislang sicheren Bollwerken feuern.) Eine seltsame Sache: Dem Beuys, der soviel Pappe daherplauderte und Blech bastelte, beliebten sie einst den Genius geradenach anzuschwatzen. Daß er Sonne statt Reagan herbeizurappen sich mühte, ließ ihn sogar die Sesammühlen, Windwirte und KP/ML/AOs für sich einnehmen. Oder etwa auch am Meese deuten die Quoten einvernehmlich Hohes, ja Hehres, wohl weil unter seinem verwirrten Zetteltremor hin und wieder Worte aufhuschen wie: „Mao", „Nietzsche", „de Sade" oder „Gelee" . Das geht durch, da muß was dran sein, das ist Kunst. Der ist GUT, selbst wenn er böse Sachen (und Heilhitler) tut! – Warum? – Weil er GUT ist. Darum. Bei Rauch freilich wird gekratzt, bis brauner Verdacht anzukeimen verspricht. Er liest Jünger, wie schrecklich! Wer heute etwas niederhalten oder beseitigen möchte, brennt seinem verhaßten Gegenstande billig und ohne viel Geistesmühe den Anwurf des Reaktionären oder Rechten auf. (Wie lange wird das eigentlich noch glattgehen?) Ich schrieb es schon einige Male: Mich berücken die Bilder Rauchs. Anfangs schaute ich sie noch mit Bedenken; nun freilich hat sich das Feld, auf dem sich diese Malerei verorten läßt, geläutert und die Unterschiede im Können liegen klar vor Augen - und ihn befinde ich für gut. (Warum? – Woher soll ich das wissen? Ich weiß es eben.) Die Verächter Rauchs kommen mir unlauter vor. Zunächst kamen sie aus den Reihen der künstlerischen Konkurrenz, der ungegenständlichen, ‚abstrakten', noch herrschenden Gesellschaft, welche, ob des Frischen aus dem Osten, rasch etwas Reaktionäres zu wittern vorgab und hierbei ihren Mangel an Distinktion bezeugte, denn es ging im Grunde doch um Richtung, um Neid, Geld, um Verteidigung der Posten – und eben wenig um legitime Fragen des Geschmacks und der Wertschätzung. (Schauerlich, wie sich jede Zeit der dienlichsten Munition, des tödlichsten Anwurfs wider den Gegner zu bedienen weiß.) Sobald nun aber ganz sacht noch von fern der Verdacht aufkommt, werden die winsteren Sittenwächter hellhörig, und schriftbissig - sofern der Gegner unverfänglich; denn der achtsame und bange Mut dieser Leute erkühnt sich nur aufzutreiben, wenn er nichts riskiert.
5. April 2010
Eier
Das weltgrößte Osterei, 9,27 Meter hoch, Durchmesser 5,71 Meter, steht in Betzdorf neben dem Rathaus. (Ich hab es gesehen!)
Bei den Aramäern färbte man dem Bräutigam vor der Hochzeitsnacht die Hoden mit Henna zur Steigerung der Zeugungskraft rot. Kaiser Maximilian I. von Habsburg („Ritter Thewerdank" = K.M.E.Z.O.V.B. = Kaiser Maximilian Erzherzog zu Österreich und Burgund) schenkte seiner Gemahlin Maria von Burgund („Fräulein Erenreich" = H. M. V. B. = Herzogin Maria von Burgund), die ihn nicht wollte, 1477 ein fünfzig Pfund schweres Osterei. Da endlich durfte er sie bespringen. Am 27. März 1482, drei Wochen nach einem Sturz vom Pferd bei der Falkenjagd starb Maria, das hübsche Fräulein Erenreich [mit der Stupsnase – schauet: Michael Pachers Portrait von 1479], bei einer Fehlgeburt. Bella gerant alii, tu felix Austria nube: Nam quae Mars aliis, dat tibi regna Venus. – Kriege mögen andere führen! - du, glückliches Österreich, heirate: denn die Königreiche, die andern Mars gibt, schenkt dir Venus. Ludwig IV. schenkte seiner Maitresse Françoise-Athénaïs de Rochechouart de Mortemart, Marquise de Montespan, ein Schokoladenei, so groß, daß es vier Pferde ziehen mußten. Auch dieses Vorspiel zeitigte Erfolg! Beide zeugten oder „dutschten" sieben Sprosse. [Gucki, gucki: Martin Kippenberger, Der Eiermann und seine Ausleger, Mönchengladbach 1997: „Eiermann aus Köln"] Das Antlaßei, oder Ablaßei, so man es Gründonnerstag ißt, schützt vor dem Verirren und Verlaufen, erleichtert das Finden, stärkt die Intuition bei der Orientierung in der Fremde. Das Antlaßei diente ehedem, vielfach bezeugt, wie ein verläßliches modernes Positionierungssystem (allerdings nicht global); seit es Funktelefone und dergleichen mit eingenähter Satellitenortung gibt, ist die Macht, die potestas, der Eier außer Kraft gesetzt. Allein das Wilde Heer arbeitet bis dato an Karfreitag noch mit Antlaßeiern, um seine Jagdschneisen, Hausschluchten und Durchlässe nicht zu verfehlen. (Kar-Freitag, kara, ahd. ? Klage, Kummer, Trauer) [Audi: Heinrich Ignaz Franz Biber (*1644 – †1704), Die fünf schmerzhaften Mysterien, aus: Fünfzehn Sonaten über die Mysterien des Rosenkranzes für Violine und Basso Continuo, 1670]
24. März 2010
Preis verabreicht
War jetzt zu Leipzig auf der Buchmesse, wo mir der Preis der Literaturhäuser überreicht wurde. Ich stellte meine neuen 8,3 Regalzentimeter aus dem Jahre 9 vor: Neuauflage der GOTTESBEWEISE hier bei Zweitausendeins; MISCHWALD bei Suhrkamp; ORTKUNDE bei Urs Engeler; ZEITBEHÄLTER bei Merve. (Letztlich zu viel für ein Jahr!)
In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist das alles sachlich und straff bekannt gegeben worden. Darum kaufe ich sie auch täglich. Die Süddeutsche Zeitung (vulgo „SZ") aber, die mir ohnehin anschwellend Kummer bereitet, taxiert mich auf „bald siebzigjährig", schmälert die 8,3 cm auf schnöde 8, mißversteht die Anspielung auf Bräkers armen Mann aus Tockenburg und verzapft noch einigen Unfug. Darum lese ich sie kaum noch. Und eben mehr im Netz, wo die Parrhesia Atem holt; dort steht zwar auch viel Blech, aber nebenan glänzt es dann wieder gülden und wiegt auf. Abends ein sehr angenehmes Preisessen in einem Restaurant Heine. Alle Literaturhausleute ausnahmslos nette Menschen! (Meine Frau, die beruflich einem großen „Kollegium" angehört, konnte es gar nicht fassen.) Neben Herrn Kölmel und Gattin sitzend aßen wir kleine Sepiageleewürfel und amüsierten uns prächtig. Unterdes hielt uns mein Burschi eine Kröte draußen ans Fenster. Im Mai geht es dann auf die Tour durch 11 Literaturhäuser; da sind sie aufgelistet: http://www.kapielski.de/preis-verabreicht.html
Monschau
Eine Kostprobe aus der ORTSKUNDE, Edition Urs Engeler, 2009:
Monschau. Was ist los da? Jede Menge Spastiker, Rachitis ohne Ende! Buckel (Malum potti), Malum pedis perforati, Herpesencephalitis, Dystrophie. - Das ist der Wahnsinn! Blinde, Blasenbilharziose, disjugierte Blicklähmungen, Blow-out-Frakturen vermittelst regressiver Assimilation. - Warum? Was hat man sich in Monschau zu Schulden kommen lassen? Massenhaft Scheuermänner. Warzen. Spulwürmer, Band- und Hakenwurm, Blasenpärchenegel. Krampfadern, meterweise. Podagra. Huster, allerorten. - Warum straft der Herrgott Monschau, den zauberhaften Eifelschatz? - - Haha! Aus und vorbei! in 2003, nach Einführung der „Grauen Reststofftonne", waren sie - ratzefatz! - alle auf einen Schlag geheilt und gesundet in Monschau; alles wie frisch ausgeräuchert, entkeimt und sterilisiert dort; der ganze grauenerregende Krankheitszustand Monschaus über Nacht beendet, ein für alle Mal! Jetzt springen und quieken sie nur noch herum da!
18. März 2010
Zwei Vorspiele
M u s i k s c h u l e in Berlin. Vorspiel einer Klasse: Klavier, Blockflöte, Klarinette. (Alle Musiker tüchtig, zwei brillieren!) Im Publikum die Eltern, Großeltern, Mittel-, Oberschicht, preußischer und hugenottischer Adel. Auf dem Programmzettel die Namen der kindlichen und jungendlichen Musiker. Ein blasses Mädchen trägt den Zweitnamen Dao. (Nichts gegen den Daoismus, die entspannteste, frischatmendste aller Konfessionen! Muß ich nun aber darum Erwin Dao Mentz heißen? Eben gerade nicht, sagt das Dao.)
Und überhaupt, diese Eltern: Gereizte Ehefrequenzen, brutblinde Ultramütter, Tofublässe an i-phone, der Mittelbau wie Berfexe in „Wolfskin" gekleidet, seimige Dauerfreundlichkeit untereinander - mit gebleckten Zähnen, und beim Vorspiel im Grunde nur die eigene Brut im Blick. Wenig sympathische Leute darunter; eher die Alten, die Großeltern. Und wie sie beinahe allesamt ihren Kindern gehorchen, sich von den Kleintyrannen, die machen und zu machen erzwingen was sie wollen, in dämliche Diskussionen verstricken lassen („Schau, Undine, wir haben doch besprochen, daß du heute vorspielst." – „Ich mag aber nicht!"); alles gestandene und studierte Eltern, Erwachsene, Anwälte, Mediziner, Wirtschaftsleute, die nicht Basta! rufen und Basta! meinen können. Ein beinahe nihilistischer Hedonismus, ein crowleysches „Do what thou wilt!" zermürbt die Familien, die Gesittung, die Richtigkeiten, das wirklich Notwenige. Zeitigen wir so eine kommende Generation, deren Bodensatz und Oberschicht macht und zu machen beansprucht, was sie wollen? ein permissives Irrenhaus? Und was dazwischen wohnt, geht – noch! - treulich zum Schichtdienst, zahlt pünktlich, pflegt Alte, fährt Busse – und bestrebt alsbald dann auch das wilde, naturwüchsige, launische Leben. - Den Behemoth! O p e l - P e t e r erklärt der verblüfften Hausmeister-Moni am Montagsstammtisch die Einzelvorzüge und Nachteile des „Swinger-Clubs"; ihr Mann Erwin begreift noch nicht recht. Opel-Peter wird genauer: „Wenn de wegen de Operation oder wat keen mehr hoch kriegst, Erwin, - kann ja sein, wa!? - denn jehste mit deine Frau dahin, daß se noch wat hat vom Leben." „Und wat machst du denn dabei?" möchte Erwin wissen. „Ick kieke denn zu." Da sagt Moni zu ihrem Ehemann Erwin in redundanter Absicht: „Haste jehört wie det jeht? Da jehste mit deine Frau hin und die macht det mit een andern." Erwin empört: „Wat?! – Soll ick zukieken, wie der dir vögelt?" „Na dafür kannst du doch mit den seine Frau!" „Na Mensch, eben nich!" „Wieso denn nich?" „Na wegen den Operation!"
4. März 2010
Latte macabrio?
Hm. Man wäge selbst: Jüngst, im schneeumtosten, frostigen Februar des Jahres 10, unterbrach die Polizei die Eilfahrt eines Lastwagens mit Anhänger, da der pressante Chauffeur Gas- und Bremspedal des Kraftzuges vermittelst Holzlatten, eines Ziegels und eines Fixierkeils bediente. Der 27 Jahre alte Ukrainer Fuhrwerk erklärte, eines Fußgebrechens wegen nicht anders kutschieren zu können. Doch aber könne er es ja! Er sei ja schließlich auch unbeschadet und ganz einwandfrei aus dem Gebiet (Oblast) Charkiw, ganz weit im Osten, bis hier auf die A2 nahe Bönen (Kreis Arnsberg) vorgedrungen und Rotterdam käme sowieso gleich bald, und das zöge er am liebsten jetzt auch gleich noch durch. Dann könne man ja weitersehen.
Die Beamten beharrten nach StVG auf Paragraph soundso (da wo es steht) und zogen den genialen Maschinisten nebst Hebelwerk und Hänger aus dem Verkehr. Ist das richtig so? Darf uns ein russischer Lattenbau die heimische Seelenruhe unseres Schnellfernverkehrs stören? Oder: Steht und geht ein Dreiachser nicht auch geradewegs auf zweien? Also was soll's? Kurzum, man wende und wäge es, wie man wolle, mit der hiesigen polizeilichen Einstellung wird unsere Ordnung in Zeiten der Wirre und des Mangels nicht halb so weit kommen wie jener Charkower Droschkenkerl! Denn: „Ein gelassener Mensch, so sich der in Inburgheit setzet (sich in der inneren Burg seiner Seele sammelt) mit eingeführten Sinnen" (so Heinrich Seuse, Deutsche Schriften, 169,30), der kommt einfach besser und geschwinder durch. Egal wo und wann. Wie und warum. Ich aber starre ja eben doch wie entgeistert als habitueller Beifahrer beim Überholen rechts aus dem Fenster unseres Kleinwagens auf die mich ganz dicht und hoch überragenden Reifen eines elend erschöpften und kranken Fernlastverkehrs und bete um Jacobus Beistand: „Heiliger Jakobus, Erzapostel auf dem Berg der Verklärung und am Ölberg, ?Führer von Herberge zu Herberge und doch immer zu Hause, Träger des Mantels und der Leuchte, des Ölkrugs und der Muschel. Großer Apostel des Firmaments, mit Deinem Jakobstab im Orion führst Du das Gottesvolk durch alle Weltenräume, Geleite auch mich (uns). Amen.") Oder ich lasse (lassen wir) den ganzen Irrsinn doch lieber ganz und gar bleiben und fahren Bahn? (Auch schon angekränkelt. Schwierige Sache, das.)
28. Februar 2010
Satt und schlaffmatt
„Dance and sport the hours away." (Händel, Acis and Galatea)
Das englische Verb: to sport -: sich tummeln, vergnügen, zerstreuen und scherzen (Wurzeln: altfr. se desporter, lat. deportare). Als Substantiv, dt.: „Eine stinkende, obszöne Angelegenheit!" (Brigitta Restorff) Und Sport ist ja nicht nur der Bruder der Arbeit (und Kunst die Cousine der Arbeitslosigkeit), er, der Sport, ist ja auch der Bastard des Krieges: in Gestalt der Sportskanone. Dazu eine verkappte Hundezüchtermentalität. Wo früher so eine Zuchtfummelei am soldatisch sportlichen Mann und seiner Mutterkuh inmitten manierlich folgsamer Kinderschar stattfand, da ist das eugenisch-chemische Programm jetzt in die hormonelle Werbefotografie und ihre realen Ausleger gerutscht. Genfummelei, Mast, kein Wachstum mehr unter zwei Meter, Korbballmaß. Die Wirklichkeit aber: Man geht vergnügt, lustwandelt ( to sport) und dann kommen einem derart Gequälte (Jogger, "noddän" walker, nordische Kombinierer) entgegen und schleppen ihre geplagten Körper einer vorgeblichen Gesundheit entgegen, und es ist doch nur die banal, mit Efeu bewachsene Urnenstelle ('Urnenhain'), weil sich die Lüge konzentrisch um den Tod wickelt. Der Tod besitzt von allen Lebendigkeiten die allergrößte Kondition; sein Werk allein ist unsterblich, unerschöpflich, unendlich! (Allerdings: "Selbst dem affirmativen Gebrauch von „unendlich" bleibt im negativen Präfix „un-" der Index negativer Vermittlung erhalten." (Hochstaffl, Negative Theologie)) Des Dauerlaufens Beweggrund ist die Todesangst. Auch diese idiotenhaft ewigen Aktivitäten: Surfbrett rein, Surfbrett raus, Segel hoch, Segel runter, mit dem Rad zum Schwimmen, zu Fuß zurück (Poloisches Triathlon). Manchmal kommen sie ja beim vergnügten Waldspaziergang, die Todesflüchtlinge, von hinten - und überholen gar! Sind aber kaum schneller als der Müßiggänger. Dieser schaut entgeistert den überanstrengt Schlaffen nach, wie sie sich ewig mühen, um außer Sicht zu gelangen. Dabei ist es doch so: "Ein Gems auf dem Stein, / Ein Vogel im Flug, / Ein Mädel, das klug. / Kein Bursch holt die ein!" (Eichendorff, Übermut) Es umgibt uns der lichte Wald, worin die scheuen Tierchen sich tummeln. Von Wipfeln hoch scherzet und jauchzet die Schar der zierlichen Vögel. Und vor dir schnauft ein Schlaffarsch nach Nirgendwo, zumeist befremdlich grell gekleidet und als brutal optische Anknallerei durch's schlichte Gehölz gellend, der eigenen Gattung peinvoll verwandt. Alles was einmal zu recht als sublim, vornehm, maßvoll galt, verwirft der Mensch im Wahne seiner olympischen Räude. „>Vorwärts und folget mir mit diesem Toten.< Trompeten. Vorhang." (Hofmannsthal, Der Turm)
11. Februar 2010
REVBAU
Das Jahr 1967 lud uns neben vielen unnötigen Neuerungen auch die radikalen Vereinfachungen und Verweigerungen der Künstlergruppe BMPT (was nichts mit dem russischen Schützenpanzer, sondern mit den Anfangsbuchstaben der Nachnamen der radikal vereinfachenden Künstler zu tun hat) auf die Waagschalen des Gemüts und den Kleiderständer des Geschmacksapparats. Selbstverständlich trat man als Gleiche auf und wollte NICHTS. Aber wie es so ist, ist es NICHT so gekommen, sondern so:
Olivier „M" Mosset versuchte es erfolglos mit Kreisen; jetzt versucht er es mit Klaviertasten im kleinen Querformat. (Die finde ich recht ansehnlich, habe ja auch schon drei (3) Klaviertasten für den „Dreitastenschmalflügel" mit Klavierlack gemalt, was richtig Spaß machte! Also sollte ich mal wieder? Ach was, das tut doch jetzt Mosset - und zwar reichlich!) Man hegt aber den Verdacht, er würde aus Verdruß es dem erfolgreichen "B" mit Streifen nachtun. Niele „T" Toroni setzte ohne Erfolg auf kleine Quadrate, aber er bleibt wenigstens dabei und malt ausschließlich Karrees, die er empreintes (frz.: Abdrücke) nennt, mit dem immergleichen Pinselmodell Nr. 50 in ewiggleichen Abständen (30 cm) auf weiße Leinwand oder Ewiggleichschlichtes. Michel „P" Parmentier heischte mit waagerechten Streifen und angelegentlich wildem (verzeifeltem?) Gezacke wiederum recht wirklos um Gunst, Geld und Ruhm. Der von allen Minimalisten und Bildstürmern einst verdammte Hauptgewinn fiel allein an Daniel „B" Buren, der auf senkrechte, 8,7 cm breite Streifen tippte, schieren Markisenstoff also auf Rahmen kloppte, und allso den Pott knackte. Warum er, Buren? Auf jeder Documenta, überall, sogar am Bahnhof Wolfsburg die Streifen. Wenn man es wüßte? Vielleicht war der Burensche Markisenstoff dem Publikum, das damals einiges zu verkraften hatte, als längst Vertrautes das Vertrauenswürdigste. Und auf jeder Documenta ist es auch das Vertrauteste und Altbekannte. Eben: res, ens, verum, bonum, aeternam, unum – gegenständlich, seiend, wahr, gut, ewig und einzig.
29. Januar 2010
Fremdländisch Waidlöffel
Übersetzungen lese ich kaum; entweder ich mühe mich, den Lecker, Graser oder Waidlöffel des fremdländischen Autors zu kapieren, oder ich lutsche mich doch wieder fügsam durch den Nachsommer und dergleichen Hauskost. Das schmeckt ja auch vertraut befremdlich.
Mein Lieblingssatz in Stifters geht so: „Ich antwortete auf diese Rede nicht, um ihm seine Zeitrechnung in Hinsicht der Cactuspflege in Europa nicht zu stören."
21. Januar 2010
1 : 100
1931 gaben Israel, Ruckhaber und Weinmann im R. Voigtländers Verlag Leipzig die Schrift „Hundert Autoren gegen Einstein" heraus, die die Relativitätstheorie von Einstein, Minkowski und von Laue anfocht. Darüber wuchs sich eine quasireligiöse Position aus, die, ähnlich wie die vom Klimawandel, wenig mit Wissenschaft zu tun hatte, welche stets gehalten ist, sich unbefangen jeder Kritik, jedem Zweifel zu stellen und Thesen, Theorien niemals sakrosankt zu halten. Und gäbe auch nur der leiseste Einwand eines einzigen Menschen Grund zu zweifeln, es gälte ihn ernst zu nehmen, ihn zu widerlegen, zu falsifizieren!
Einstein kommentierte seinerzeit in diesem Sinne die Schrift „Hundert Autoren gegen Einstein" mit den treffenden Worten: „Warum denn hundert? Wenn ich unrecht hätte, würde einer genügen!"
9. Januar 2010
Lauschi's Langholz
Kommt ein ganz langes Vehikel, ein ewig langer Lastwagen vorbeigerauscht, und es steht die ganze Flanke hin:
„Lauschi's Agrarproduktefachspezialitäten" Es könnte aber sein, daß es sogar noch länger: „Lauschi's Agrarproduktefischspezialitäten" hieß, so schnell war der Truck und so lang mußte er sein!
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