Writersblog von Thomas Kapielski.
18. März 2010
M u s i k s c h u l e in Berlin. Vorspiel einer Klasse: Klavier, Blockflöte, Klarinette. (Alle Musiker tüchtig, zwei brillieren!) Im Publikum die Eltern, Großeltern, Mittel-, Oberschicht, preußischer und hugenottischer Adel. Auf dem Programmzettel die Namen der kindlichen und jungendlichen Musiker. Ein blasses Mädchen trägt den Zweitnamen Dao. (Nichts gegen den Daoismus, die entspannteste, frischatmendste aller Konfessionen! Muß ich nun aber darum Erwin Dao Mentz heißen? Eben gerade nicht, sagt das Dao.)
Und überhaupt, diese Eltern: Gereizte Ehefrequenzen, brutblinde Ultramütter, Tofublässe an i-phone, der Mittelbau wie Berfexe in „Wolfskin" gekleidet, seimige Dauerfreundlichkeit untereinander - mit gebleckten Zähnen, und beim Vorspiel im Grunde nur die eigene Brut im Blick. Wenig sympathische Leute darunter; eher die Alten, die Großeltern.
Und wie sie beinahe allesamt ihren Kindern gehorchen, sich von den Kleintyrannen, die machen und zu machen erzwingen was sie wollen, in dämliche Diskussionen verstricken lassen („Schau, Undine, wir haben doch besprochen, daß du heute vorspielst." – „Ich mag aber nicht!"); alles gestandene und studierte Eltern, Erwachsene, Anwälte, Mediziner, Wirtschaftsleute, die nicht Basta! rufen und Basta! meinen können.
Ein beinahe nihilistischer Hedonismus, ein crowleysches „Do what thou wilt!" zermürbt die Familien, die Gesittung, die Richtigkeiten, das wirklich Notwenige. Zeitigen wir so eine kommende Generation, deren Bodensatz und Oberschicht macht und zu machen beansprucht, was sie wollen? ein permissives Irrenhaus?
Und was dazwischen wohnt, geht – noch! - treulich zum Schichtdienst, zahlt pünktlich, pflegt Alte, fährt Busse – und bestrebt alsbald dann auch das wilde, naturwüchsige, launische Leben.
- Den Behemoth!
O p e l - P e t e r erklärt der verblüfften Hausmeister-Moni am Montagsstammtisch die Einzelvorzüge und Nachteile des „Swinger-Clubs"; ihr Mann Erwin begreift noch nicht recht. Opel-Peter wird genauer:
„Wenn de wegen de Operation oder wat keen mehr hoch kriegst, Erwin, - kann ja sein, wa!? - denn jehste mit deine Frau dahin, daß se noch wat hat vom Leben."
„Und wat machst du denn dabei?" möchte Erwin wissen.
„Ick kieke denn zu."
Da sagt Moni zu ihrem Ehemann Erwin in redundanter Absicht:
„Haste jehört wie det jeht? Da jehste mit deine Frau hin und die macht det mit een andern."
Erwin empört: „Wat?! – Soll ick zukieken, wie der dir vögelt?"
„Na dafür kannst du doch mit den seine Frau!"
„Na Mensch, eben nich!"
„Wieso denn nich?"
„Na wegen den Operation!"
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