Thomas Kapielski
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Writersblog von Thomas Kapielski.
10. Juni 2010
LTH 4 - Graz
Graz. Flughafen. Taxi, sofort erst zum Mohrenwirt; Hirn mit Ei („Immer noch nicht verboten?" – „Wos Brüssel mocht unt Wiean, scherts uns in da Schdaiamoak an Dreck!"), 2 Bier, 1 Kronen-Zeitung. An der blauen Kunstgänsekeule vorbei, über die nachdrückliche Mur, geradezu hochlaufen; in den Dom. (Ad Dub.) Weiter zum Parkhotel. Hier war ich doch schon mal! Da stand ich damals mit dem Gusenbauer im Fahrstuhl vor Jahren beim Steirischen Herbst; wir schwiegen uns staatsmännisch an. Die Schuhe schmerzen heuer den Autoren – zum Ausgleich für die allzu gütlich überlebte Münchener Senkelkrise? Und auch wieder Regen (running rain gag). Vorlesen. Paul Jandl Laudatio. Essen mit den angenehmen Damen Altziebler (schöner Name) und Winter und Jandl. Von einer Dame umschwirrt, die die unfängliche Speisekarte auswendig hersagt, und wir verstehen nur Martin Opitz. Erquickliche Runde somit. Hotelillustrierte: falsch Nasenflöten aus Ahorn, Eibe und Obst von Handler aus der Steiermark; zu holzig, zu ökoauthetisch, kommen nicht in Frage! Das fassungslose Morgengrauen nach gutem Traume (schlechte Träume wandeln eine reale Unerträglichkeit zur erträglichen; gute Träume potenzieren das wache Entsetzen), wachliegen, alles grau, unverschämte, „ausgeschamte" Steyerer Vogelschar (vulgo: Fögl) am frühbrüllen vor dem Fenster. Frühstück mit Jandl, angenehm. Dann die schön dahingleitende Fahrt durch die Alpen, glitzernde Schneegipfel. Die Eisenbahn erinnert an die alte, Fernster lassen sich öffnen, viel Zeit geht dahin, eine Verspätung wird die Berge wie den Reisenden nicht bekümmern, Schiene und Zug schmiegen sich in die Landschaft, zwei Loks ziehen uns duldsam hinauf und hindurch und dann gleiten wir hinunter in einen zerschredderten, vor Schmerz wackelnden Bahnhof Salzburg.
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