Writersblog von Thomas Kapielski.
20. April 2010
Wie maliziös so einige Dumpfleute derzeit wieder ihre gleichschwingenden Ressentiments und vorgestrigen Vorvorurteile in Anschlag auf den Maler Neo Rauch bringen, dieses Mal zum Gedenken seines fünfzigsten Geburtstages, ist so verdrießlich wie aberwitzig. Zornige, in der Sache Ahnungslose hauen ihren karrierefesten Blödsinn in die Schlepptops und pumpen den Seim hinauf in den Redaktionsmuff der gleichstimmigen Denkungsart und belieben also akut an Rauchs Bildern rumzumäkeln; dabei vermögen sie selbst nicht mal gegenständlich zu schreiben und sind natürlich eingeschnappt, wenn sie das hier lesen.
Was entfacht solche Bosheit, solch geflissentliche Tücke? (Zunächst auch: daß diese Leute aus bislang sicheren Bollwerken feuern.)
Eine seltsame Sache: Dem Beuys, der soviel Pappe daherplauderte und Blech bastelte, beliebten sie einst den Genius geradenach anzuschwatzen. Daß er Sonne statt Reagan herbeizurappen sich mühte, ließ ihn sogar die Sesammühlen, Windwirte und KP/ML/AOs für sich einnehmen. Oder etwa auch am Meese deuten die Quoten einvernehmlich Hohes, ja Hehres, wohl weil unter seinem verwirrten Zetteltremor hin und wieder Worte aufhuschen wie: „Mao", „Nietzsche", „de Sade" oder „Gelee" . Das geht durch, da muß was dran sein, das ist Kunst. Der ist GUT, selbst wenn er böse Sachen (und Heilhitler) tut! – Warum? – Weil er GUT ist. Darum.
Bei Rauch freilich wird gekratzt, bis brauner Verdacht anzukeimen verspricht. Er liest Jünger, wie schrecklich! Wer heute etwas niederhalten oder beseitigen möchte, brennt seinem verhaßten Gegenstande billig und ohne viel Geistesmühe den Anwurf des Reaktionären oder Rechten auf. (Wie lange wird das eigentlich noch glattgehen?)
Ich schrieb es schon einige Male: Mich berücken die Bilder Rauchs. Anfangs schaute ich sie noch mit Bedenken; nun freilich hat sich das Feld, auf dem sich diese Malerei verorten läßt, geläutert und die Unterschiede im Können liegen klar vor Augen - und ihn befinde ich für gut. (Warum? – Woher soll ich das wissen? Ich weiß es eben.)
Die Verächter Rauchs kommen mir unlauter vor. Zunächst kamen sie aus den Reihen der künstlerischen Konkurrenz, der ungegenständlichen, ‚abstrakten', noch herrschenden Gesellschaft, welche, ob des Frischen aus dem Osten, rasch etwas Reaktionäres zu wittern vorgab und hierbei ihren Mangel an Distinktion bezeugte, denn es ging im Grunde doch um Richtung, um Neid, Geld, um Verteidigung der Posten – und eben wenig um legitime Fragen des Geschmacks und der Wertschätzung.
(Schauerlich, wie sich jede Zeit der dienlichsten Munition, des tödlichsten Anwurfs wider den Gegner zu bedienen weiß.)
Sobald nun aber ganz sacht noch von fern der Verdacht aufkommt, werden die winsteren Sittenwächter hellhörig, und schriftbissig - sofern der Gegner unverfänglich; denn der achtsame und bange Mut dieser Leute erkühnt sich nur aufzutreiben, wenn er nichts riskiert.
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