Mathias Bröckers
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Home > Writersblogs > Writersblog von Mathias Bröckers.
Writersblog von Mathias Bröckers.
8. Juni 2010
Hofmann's Elixir
17. Dezember 2009
Abenteuer Indien: Shantaram!
Wo wir hier im Rahmen der Operation Weihnachtsmann gerade bei Empfehlungen sind: eine Freundin, der ich diesen Roman Anfang des Jahres schenkte hat ihn mittlerweile mindestens zehn Mal gekauft und weiterverschenkt, alle anderen, denen ich von dem Buch erzählte und die es lasen, waren ebenfalls hin und weg. Es sind über 1000 Seiten und genau so, wie ein richtig guter Schmöker sein soll: wenn man einmal drin ist kommt man nicht mehr weg. Es ist die fiktionalisierte autobiographische Geschichte eines Junkies, der aus dem australischen Knast abhaut, mit falschem Paß in Bombay landet, einen Guide findet der sein Freund wird und ihn bei sich im Slum wohnen läßt. Dort wird er zu "Shantaram" – dem Mann des Friedens – der den Armen hilft, auch als er in die Unterwelt der Metropole in Drogenhandel, Geldwäsche und Paßfälschung einsteigt, sich in eine geheimnisvolle Frau verliebt und am Ende in den Krieg in Afghanistan gerät. Das Ganze großartig erzählt, lehrreich und spannend, äußerst exotisch und allzu menschlich, action-geladen und geistreich - ein Abenteuerroman vom Allerfeinsten! Nicht zufällig hat sich einer der Besten in Hollywood, Johnny Depp, bereits die Filmrechte gesichert. Und der Autor schreibt bereits an der Fortsetzung, seine Flucht endete 1997 in Deutschland von wo er in sein Heimatland ausgeliefert wurde, seine Reststrafe absitzen mußte und im Gefängnis seine Erinnerungen aufschrieb: Shantaram
16. Dezember 2009
Jetzt erst recht: Pynchon!
Sein letzter Roman "Gegen den Tag" war einmal mehr überbordend und von einer solchen Fülle von Personal und Mini-Plots, das man leicht den Überblick verlor, aber für das neueste im Sommer erschienene Werk von Thomas Pynchon "Inherent Vice" gilt das Gegenteil. Man könnte sagen, so stringent und kohärent hat Pynchon noch nie erzählt, "Inherent Vice" - was soviel heißt wie "versteckter Mangel" - folgt dem klassischen Muster eines Krimis der schwarzen Serie und spielt im Los Angeles der frühen 70er Jahre. Mit dem kleinen Unterschied, dass der Detektiv, der am Anfang in seinem Büro auf Kundschaft wartet, keine Lucky Strike sondern Joints raucht. Auch seine Methode Fälle zu lösen ist etwas untypisch, er versetzt sich mit Hilfe von LSD in einen Zustand kritischer Paranoia. Das Buch ist noch nicht auf deutsch erschienen, aber dank der wunderbaren Webseite Pynchon-Wiki kann man auch den Slang, die Namen, die Abkürzungen und viele der dann doch wieder sehr pynchon-typischen Verweise und Anspielungen prima verstehen. Es ist ohne Frage der lockerste, leichteste und witzigste Roman des Meisters und - wie mir ein Freund, der in derselben Zeit am Manhattan Beach in L.A. lebte, versichert - bis ins kleinste Detail absolut realistisch. Was ja - spätestens seit der grandiosen "Glühbirnenverschwörung" aus "Gravitys Rainbow" - bei Pynchon schon immer der Fall war: die scheinbar größten Verrücktheiten in seinen Romanen sind akribisch recherchierte Fakten.
15. Dezember 2009
And now: Robert Crumb!
... und wo wir gerade bei den Deleuzianischen "Wunschmaschinen" waren - und manche Weihnachtswünsche vielleicht noch offen sind - hier noch der Hinweis, dass es auch von meinem Liebling unter den postmodernen Comiczeichnern - Robert Crumb - etwas Neues gibt: das uralte Buch Genesis der Bibel neu und wortwörtlich illustriert vom Meister persönlich. Auch das hier abgebildete erste Drogenverbot und der anschließende Rausschmiß aus dem Paradies fehlen natürlich nicht. Zwei Ausgaben - mit dem Text der alten King James-Bibel, sowie der Luther-Übersetzung liegen vor, auf englisch und auf deutsch. Mein Gott: die Bibel als wilder Comic ? Aber sicher! Denn es geht wüst und wild zu im Alten Testament - und man könnte sagen, dass erst der geniale Strich eines Robert Crumb das Buch der Bücher auf den Punkt bringt. Ein Meisterwerk!
14. Dezember 2009
Voilá: Deleuze!
Dass Gilles Deleuze mein Liebling unter den postmodernen Philosophen wurde, lag vielleicht nur am richtigen Zeitpunkt, an dem mich 1978 seine (mit Felix Guattari verfaßte) Studie "Anti-Ödipus - Kapitalismus und Schizophrenie" traf. Ein wildes, kryptisches Buch, aber genau der richtige Werkzeugkasten, um meinen damaligen intelektuellen "Übervater" Freud und auch seine "Söhne" Reich und Jung vom Sockel zu stossen. Zumindest für eine Weile. Mittlerweile zählen alle drei - vor allem C.G.Jung, den man in den 70ern als angeblich "rechts" nur mit der Kneifzange anfaßte - wieder zu meinen Hausheiligen. Als Klassiker, als Pioniere und Kartographen des Unbewußten und als großartige Schriftsteller. Aber auch Gilles Deleuze, der wilde Denker, hat auf dem Hausalter seinen ewigen Platz, den er schon allein für das Intro des "Anti-Ödipus" verdient: "Es atmet, wärmt, ißt. Es scheißt, es fickt...das Es." Als dann 1992 sein Hauptwerk "Mille Plateaus - Tausend Plateaus" auf deutsch erschien - das dickste (726 S.) und teuerste (98 DM) Buch des kleinen Merve-Verlags, mit dessen Übersetzung die Verlegerfreunde Heidi Paris und Peter Gente ein hohes Risiko eingegangen waren - konnte ich nicht anders, als eine sehr ausführliche und jubelnde Rezension dieser äußerst komplexen, vielschichtigen "Theorie der Mannigfaltigkeiten" zu schreiben. Hätte meine damalige Redakteurin beim Deutschlandfunk die Besprechung zuvor gelesen, wäre sie wohl nicht durchgegangen - doch sie war im Urlaub und so wurde mein Text ungekürzt ausgestrahlt. Wegen einiger Beschwerden von Hörern, die sich überfordert fühlten, war ich als Rezensent wissenschaftlicher Werke dort dann zwar verbrannt, doch in der "taz" erschien der Text dann noch gedruckt und machte "Tausend Plateaus" tatsächlich zu einem Bestseller, da das Werk in anderen Medien nicht oder erst sehr viel später und nur sehr viel knapper besprochen worden war. Wer sich jetzt für das Buch interessiert sei gewarnt: es ist heavy stuff, denn statt eines roten Fadens gibt es hunderte - und alle sind gerissen! Aber Rettung ist in Sicht bzw. nur einen Klick entfernt, nämlich der kompatibelste, komensurabelste, konsumierbarste Gilles Deleuze den es je gab: das einzige existierende Filminterview mit dem wilden Denker, 7,5 Stunden auf drei DVDs: ABÉCÉDAIRE .
13. März 2009
Willkommen im Narratorium.
Heute war ich auf der Leipziger Buchmesse und folgte meinem Lieblingsprogramm auf Buchmessen, nämlich planlos durch die Hallen zu schlendern und zu schauen, wenn man so trifft und welches Buch einem ins Auge springt. Seit ich viele Jahre lang als Literatur-Redakteur und Sachbuch-Juror von den Verlagen mit Besprechungsexemplaren nur so zugeschüttet wurde ist eine Regel dieses Programms, pro Messetag nur ein Buch mitzunehmen. Und heute hätte ich eigentlich gar keins gebraucht, denn ich hatte für die Zugfahrt schon einen dicken Wälzer im Rucksack, der mich noch einige Zeit beschäftigen wird und gegen dessen Qualität auf dieser ganzen Messe ohnehin kaum etwas anstinken kann. Die Rede ist von Egon Friedells Kulturgeschichte der Neuzeit, das ich neulich im Zweitausendeins-Laden eher en passant mitnahm, weil mich vor Jahren einmal ein Band mit Essays von Egon Friedell ("Ist die Erde bewohnt ?") begeistert hatte und das Preis/Seitenverhältnis der "Kulturgeschichte" (1335 S. für 7,99 EU) einfach unwiderstehlich schien. Aber dann fing ich an zu lesen und kann nach numehr 600 Seiten klein gedruckten Seiten nur sagen: wow! Solche Universalgelehrten, derart umfassend gebildete und kenntnisreiche Autoren, die gleichzeitg so fesselnd und unterhaltsam schreiben, dass sich ihr Werk auch noch nach 80 Jahren so frisch wie eine Neuerscheinung liest, gibt es heute einfach nicht mehr.
Darüber war ich mir dann auch mit meiner ersten Zufallsbegegnung auf der Messe, Ulrich Holbein, einig, der zufällig der einzige mir bekannte zeitgenössische Autor ist, auf den eine solche Charaktersierung ansatzweise zutreffen könnte. Denn auch Holbein ist Bücherwurm, Leseratte, Vielwisser, Allesbeschreiber und Wortartist - wenn auch thematisch weniger dem allgemeinen Mainstream der Kultur, als vielmehr ihren Rändern, Abwegen, Umwegen, Irrungen und Wirrungen verbunden. Dem hat er jetzt in zwei nicht nur seitstarken Werken Rechnung getragen. In der gleich hier bei Haffmans erschienen Weltverschönerung, deren typische Holbein-Mischung die FAZ ganz gut charakterisierte: "Als Schüler Arno Schmidts neigt er zu einem pedantischen Festhalten und Besserwissen, als Yogi zu einem entspannten Loslassen im Nirwana." - sowie in meinem Messebuch des Tages, dem Narratorium - ein Lexikon der heiligen und unheiligen Narren. Auf der Rückfahrt habe ich schon mal reingeblättert: Abenteurer, Gottessöhne, Psychonauten, Querulanten, Kohlrabiapostel, Waldmenschen, Scharlatane, Mystiker, Ekstatiker, Naturpropheten - insgesamt 255 berühmte und weniger berühmte Narren jeder Coleur und jedes Kalibers. Soviel ich bei Friedell über das Mittelalter oder die Barockzeit auch schon gelernt habe - für die nächsten Tage muß seine "Kulturgeschichte" jetzt warten, denn die Lach,- und Sachgeschichten Ulrich Holbeins sind einfach zu gut...
31. Oktober 2008
Die Seyfried-Werke - alle!
Freunde öffentlich zu loben steht immer im Verdacht der Kumpanei, und wenn sie dann auch noch im selben Verlag erscheinen, ist die Vetternwirtschaft ja nahezu bewiesen - aber heute morgen kam ein schweres Buchpaket und nachdem ich es ausgepackt und zwei Stunden staunend durchblättert habe kann ich einfach nicht anders, als donnernden Applaus, emphatische Lobpreisungen, dringendste Lesempfehlungen und energische Kaufbefehle vom Stapel zu lassen. Und zwar nicht, weil Gerhard Seyfried einer meiner ältesten und besten Freunde ist, sondern weil dieses bibelschwere, mammutartige Großformat das Gesamtwerk eines Großmeisters der Zeichenkunst, des Humors und der politischen Satire enthält - von den ersten Kinderzeichnungen ("Was man im Krieg alles haben muß!") bis zum letzten Ströbele-Plakat - ohne die die letzten Jahrzehnte in Deutschland überhaupt nicht auszudenken, ja auszuhalten wären. Und weil Seyfrieds langjährige Freundin und Kollegin Ziska in einem langen biographischen Interview soviel aus diesem schweigsamen Herrn herausgeholt hat - und auch viele unpublizierte Zeichnungen erstmals erscheinen - ist dieses Buch auch für alte Freunde und KennerInnen des Seyfriedschen Ouevres eine Offenbarung. Aber jetzt genug gelobt, mir glaubt in diesem Fall ja eh niemand... Trotzdem bestellen können Sie hier.
P.S.: Am kommenden Mittwoch, 5.11., 19.30 Uhr stellt Seyfried sein Buch im taz-Café vor. Der Eintritt ist frei.
21. Oktober 2008
Rausch und Terror.
Zurück von der Buchmesse - mit einer langen Liste der demnächst zu lesenden Bücher. Eines davon ist der autobiographische Bericht von Bommi Baumann "Rausch und Terror", in dem das ehemalige Mitglied der "Bewegung 2. Juni" aus seinem bewegten Leben als Terrorist und Junkie erzählt. Dass Rausch und Terror nicht nur im Leben Bommi Baumanns irgendwie zusammengehörten, sondern auch auf ganz anderer Ebene zusammenhängen - der "Krieg gegen Drogen" ist die Haupteinahmequelle des Terrorismus, weshalb der "Krieg gegen den Terror" nie erfolgreich kann wird solange der "Krieg gegen Drogen" weiter geführt wird - darüber sprach Bommi Baumann in einem Interview mit Telepolis: hier.
16. August 2008
Zwei Wälzer.
In seinen gerade auf deutsch erschienen Vorlesungen des Literaturwissenschaftlers und Philosophen Roland Barthes vergleicht dieser die östliche und die westliche Denkungsart am Beispiel des auschweifenden Proust-Romans "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" und dreizeiliger japanischer Haikus. Also Äpfel mit Birnen bzw. Johannisbeeren mit Melonen.
Bei mir waren in den letzten Wochen letzere angesagt. Thomas Pynchons Monumentalroman “Gegen den Tag”, ein auschweifendes Panopitkum der Zeit um 1900 – mehr dazu hier - und “Die Wohlgesinnten” von Jonathan Littell, der die Zeit von 1933 –1945 aus der Sicht eines hohen SS-Offizieres erzählt. Die Lektüre des 1400 Seiten starken Wälzer mußte ich zwar immer mal wieder unterbrechen, weil das in allen Details beschriebene Morden und Schlachten nicht mehr auszuhalten war, aber dann las ich mich schnell wieder fest und konnte das Buch nicht mehr weglegen. Pynchon ist – wie immer – etwas für Surrealisten, Wissenschaftshistoriker und Germanisten, Die Wohlgesinnten hingegen sollten Antifaschisten, Zeitgeschichtlicher und alle Deutschen lesen, die die (Un-)Taten ihrer Großväter und Väter besser verstehen wollen. Als ein Freund es mir dringend empfahl, lehnte ich zuerst ab: “Ich weiß doch alles über die Nazis und dieses Grauen, das muß ich nicht nochmal lesen, schon gar nicht als Roman.” Doch dann schenkte er es mir, ich “mußte” es lesen – und war und bin von diesem ungeheuerlichen Buch beeindruckt und erschüttert wie von keinem anderen in den letzten Jahrzehnten. Deshalb scheint mir auch die Debatte in den Feuilletons, und vor allem die Kritik, dass man nicht aus der Täterperspektive schreiben dürfe, ziemlich idiotisch. Als ob es für eine objektive Betrachtung der Geschichte jemals ausgereicht hätte sie nur aus der Sicht der Opfer zu sehen.Deshalb war ein meisterhaft recherchierter und spannend geschriebener Tatsachenroman wie dieser lange überfällig – und mir bleibt nichts als allen Wohlgesinnten und Blog-LeserInnen dem Genre angemessen zuzurufen: “Lesebefehl !!!”
13. Juni 2008
Alphamädchen.
Am Wochenende traf ich Jutta Winkelmann und Gisela Getty, die Zwillinge, die gerade ein Buch (“Die Zwillinge oder Vom Versuch, Geist und Geld zu küssen”, weissbooks) über ihr wildes Leben geschrieben haben. Ich bin noch mitten drin und kenne, weil ich die beiden lange kenne, auch viele der Geschichten aus ihrem Leben, aber so in geballter Ladung kommen die doch noch einmal ganz anders. Wie ein Märchen, von zwei Mädchen, die sich Ende der 60er aus der hessischen Provinz aufmachen, die Welt der Kunst und des Geists – und die entsprechenden Männer – zu erobern; und wie eine Dokumentation, die zeigt, dass die derzeit als neo-feministisch geltenden “Alphamädchen” durchaus ihre Vorgängerinnen hatten. Nicht in Form des herrischen, genußfeindlichen Feminismus einer Alice Schwarzer – als ich diese Mitte der 80er in der taz einmal als “Mösen-Ayatholla” beschrieb, wurde ich fast gesteinigt, mittlerweile indessen darf diese Beschimpfung durchaus als weitsichtig gelten – sondern in Form von Blumenkindern wie diesen beiden Hippiemädchen. Ihr Motto - "Wir wollten berühmt, reich und erleuchtet werden, ohne schwer - das hieß für uns immer noch ‚männlich‘ - arbeiten zu müssen." - ist jedenfalls weitaus provokanter ist als das Outing von Hämorrhoiden in der allseits als “Skandal” bezeichneten Hygieneprosa “Feuchtgebiete”. Und ihr Feminismus – von der lila Latzhosen-Fraktion seinerzeit gern als prominentengeiles Groupietum denunziert - war schon der von “Alphamädchen” als es den Begriff noch gar nicht gab…
5. Juni 2008
Lenin 2.0
"As the Liberty lads oer the sea / Bought their freedom, and cheaply, with blood / So we, boys, we will die fighting, or live free / And down with all kings but King Ludd!" Mit diesen Versen von Lord Byron schließt Thomas Pynchon seinen Essay "Is it o.k. to be a Luddite ?", der die Geschichte von Ned Lud erzählt, der 1779 in ein Haus in Leicestershire einbrach und "in einem Anfall wahnsinniger Wut" zwei Maschinen zum Stricken von Strümpfen zerstörte. Als "King Ludd" wurde er im folgenden Jahrhundert zu einem mythischen Helden und Bösewicht, zum Urvater aller Maschinenstürmer, die seitdem Ludditen genannt werden.
Als 1812 das englische Oberhaus die Todesstrafe für die "frame breaker" einführen wollte, stellte sich Byron in einer flammenden Rede dagegen, die "Reformer", diese "Lutheraner der Politik", derart zu verfolgen. Pynchon meinte dann 1984, das sei nicht mehr nötig, weil die Ludditen von heute dem Charme und der Nutzerfreundlichkeit der Computer erliegen und auf den Vorschlaghammer verzichten. Zudem seien sie nicht mehr mit Fabrikbesitzern und empfindlichen Maschinen konfrontiert, sondern mit jenem "permanenten Machtestablishment von Admirälen, Generälen und Konzernchefs", dem militärisch-industriellen Komplex, dessen Gefahren Präsident Eisenhower in seiner Abschiedsrede beschwor und "gegen den durchschnittliche arme Bastarde wie wir absolut nichts zu melden haben."
Hätten wir schon, würde Dietmar Darth antworten, wenn wir uns auf die Konzepte von Marx und Lenin rückbesinnen: den Sozialismus. Denn der, so der Romanautor und frühere Spex- und FAZ-Redakteur unlängst in einem Interview, "liefert einen soliden Begriffsrahmen, der durch die Geschichte der Sowjetunion und ihr unschönes Ende so wenig außer Kraft gesetzt ist wie die Aeronautik durch die Abstürze der ersten Flugmaschinen. Es gibt zehntausend Jahre Menschheitsgeschichte; erst seit hundertfünfzig Jahren wird versucht, sie bewusst zu steuern. Dass da einiges schief geht, ist unvermeidlich."
Und somit kein Grund, es nicht erneut zu versuchen. Dies zu befördern hat Dietmar Darth eine kleine "Streitschrift" vorgelegt: "Maschinenwinter - Wissen, Technik, Sozialismus."
Weiter auf taz.de
2. Dezember 2007
Have- und Biermänner.
Florian Havemanns 1000-seitiger Familienroman “Havemann” (Suhrkamp-Verlag) erregt derzeit die Feuilletons – wer bei Google News den Namen eingibt erhält eine reiche Blütenlese und stößt immer wieder auf dieselben Abwertungen: größenwahnsinnig, egozentrisch, monomanisch, üble Nachrede, Rufmord usw. usf… Dass Florian bei seiner Abrechnung mit dem berühmten Vater Robert und der Vaterfigur Wolf Biermann über den Pudding haut, ist ihm ohne weiteres zuzutrauen. Söhne “großer” Väter haben es nie leicht und wenn ihr Schrei nach Liebe ungehört bleibt schlägt er um in unbändige Wut. Ich besuchte Florian Havemann Anfang der 80er Jahre des öfteren in seiner Wohnung am Kottbusser Damm, er schrieb damals einige Artikel für die “taz” und hatte kurz zuvor mit “Tafeln des Schicksals” einen voluminösen Bildband produziert. Das Werk ging wahrscheinlich als das unverkäuflichste Buch überhaupt in die Geschichte von “Zweitausendeins” ein – und als dem Autor vor der Makulatur die Bücher gegen Übernahme der Versandkosten angeboten wurden, baute Florian Havenmann aus den schweren Bänden in seiner Wohnung Sessel und Tische. Auch so kann man Mißerfolge aussitzen.
Als er 1971 in einem leeren Tankwagen aus der DDR abhaute sang ihm Parteigenosse Wolf Biermann noch hämisch hinterher: "Wer abhaut aus dem Osten, der ist auf unsere Kosten von sich selber abgehauen" – jetzt wird Havemann vorgeworfen, dass er Biermann übel nachredet, weil er lange bekannte Wahrheiten über den Honnecker-Protegé Biermann “einfach so erzählt.” Dabei hätte die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung”, die in der heutigen Ausgabe derlei mangelnde Recherche moniert, den Fakten dieses “einfach so” mit ein Paar Klicks durchaus auf die Spur kommen können. Zum Beispiel bei Florian Havemanns ehemaligem Verleger Jörg Schröder oder bei dem Mann, dem der Ost-Barde Biermann, neben Wolfgang Neuss, seine ersten Einladungen in den Westen verdankte, und bei dem er nach seiner Ausbürgerung wohnte, Jakob Moneta.
So falsch, wie in den Feuilletons beklagt, scheint Florian Havemanns üble Nachrede also keineswegs. Was mich abhält vom Lesen dieses überbordenden Werks ist aber nicht nur kostbare Zeit, sondern der Gestus, die Attitüde, das Künstlergehabe, das alle Rezensenten nervte und mir besonders bei “rübergemachten” Literaten aus dem Osten schon immer unangenehm auffiel. Ob sie nun Have- oder Biermann heißen…
24. November 2007
Wertvolle Erfahrung.
Mein Buch über die Unausweichlichkeit des Scheiterns - "Cogito Ergo Bum", Westend-Verlag - wurde noch von keinem größeren Medium erwähnt oder besprochen, ist also aufmerksamkeitsökonomisch bisher gescheitert. In der Zeitschrift lesart (3/07) ist jetzt aber eine schöne Rezension erschienen, die mich gestern erreichte ( "Wertvolle Erfahrung" - pdf). Und heute abend bekam ich ein Feedback, das die fehlende Medienaufmerksamkeit allemal ersetzt und mir für die persönliche Motivation wichtiger ist als jedes Lob oder jeder Verriß der Presse. Albert Hofmann, dem ich das Buch geschickt hatte, rief an und sagte: "Das ist das interesanteste und gescheiteste Buch, das ich seit langem gelesen habe." Da blieb mir für einen Moment die Spucke weg und im Nacken kam Gänsehautfeeling auf. Wir sprachen dann noch über seinen 1.Platz bei der Wahl der größten lebenden Genies. Dazu meinte er: "Gewählt worden bin ja gar nicht ich, sondern das LSD und seine Rolle in der Bewußtseinsforschung."
6. November 2007
Elitäre Quatschköpfe.
"Manch einer ist so überzeugt, daß er gar nicht weiß, wovon. Den Eindruck erhält, wer das Buch »Agenten des Bösen. Verschwörungstheorien von Luther bis heute« des Historikers und Professors an der Freien Universität Berlin Wolfgang Wippermann liest. Der Band soll eine Art Generalabrechnung mit verschwörungstheoretischen Denkansätzen sein. Prinzipiell erhebt Wippermann den Anspruch, eine allgemeingültige Erklärung für das Phänomen der Verschwörungstheorien zu liefern. Dabei zeigt seine Arbeit dem Leser in erster Linie, wie er, Wippermann, gedanklich das Problem erfaßt: nämlich ungeschickterweise genau in der Art, die er Verschwörungstheoretikern vorwirft – komplexitätsreduzierend."
Während sich Markus Klöckner in der "Jungen Welt" das dämlichste Verschwörungsbuch der Saison vorgenommen hat, präsentiert Helmut Höge den Autor in seiner Blogserie "Elitäre Quatschköpfe". Schön, wenn einem die Kollegen die Arbeit abnehmen, denn ich konnte den Dünnpfiff dieses Buchs nicht länger als eine halbe Stunde ertragen - geschweige denn, mir einen schriftlichen Verriss abringen.
28. Oktober 2007
Der geheime Krieg.
Seit nach 9/11 der Terminus “Verschwörungstheorie” zu einem institutionellen Abwehrzauber geworden ist, mit dem Meinungsführerschaft und Deutungshoheit über die Realgeschichte verteidigt werden, ist eine rationale Debatte über den Begriff kaum noch möglich. Das Stigma “Verschwörungstheoretiker” – je nach Konnotation identisch mit “Total-Verrückter”, “Holocaustleugner”, “Menschenfeind” – führt zur schleunigen Exkommunikation aus dem Mainstream-Diskurs. Von einer “Konspirologie”, einer konspirationsbewußten Erkenntnistheorie, die das Wissen um die Allgegenwart von Verschwörungen in die Analyse des Politischen einfließen läßt – von einer solchen verschwörungstheoretisch fundierten “Wahrnehmungswissenschaft”, über die ich in “Verschwörungen, Verschwörungstheorien…” geschrieben habe, scheinen wir weit entfernt. Vielleicht, weil eine derart “kalte” Herangehensweise in der aufgeladenen Schock-Atmosphäre des Ereignisses nicht möglich war und der Ausnahmezustand eine klare Freund-Feind-Unterscheidung verlangte: Differenzierungen, alternative Deutungen, abweichende Meinungen, all das was eine skeptische “konspirologische” Wahrnehmung der Ereignisse zu Tage förderte, mußte zugunsten von Eindeutigkeit aus dem Diskurs verbannt werden. Das Stellen von Fragen wurde als Insinuieren von Antworten tabuisiert, Verweise auf widersprüchliche Fakten als böswillige Fiktionen denunziert und die Forderung nach Aufklärung als pathologische Vernebelung – bei gleichzeitiger massenhafter Verbreitung des Räubermärchens von Osama und den 19 Teppichmessern als einziger Ursache und alleinseligmachender Wahrheit der 9/11-Verschwörung. Derlei simplizistische Schwarz/Weiß,- Gut/Böse,- Raster beherrschen den Diskurs bis heute und führten dazu, dass zum Thema Verschwörungen und Verschwörungstheorien fast auschließlich Flachsinn publiziert wird – wie zuletzt von dem Eva-Herman-Experten und Burschenschafts-Historiker W. Wippermann (“Agenten des Bösen”).
Dass ausgeschlafenere Akademiker aber mittlerweile aus ihrer 9/11-Schiockstarre aufgewacht sind und in Sachen Verschwörung wieder klar denken und schreiben können, zeigt das soeben erschienene Buch von Eva Horn (“Der geheime Krieg – Verrat Spionage und moderne Fiktion”, Fischer Verlag, 14,95 EU). Die Autorin – Kulturwissenschaftlerin an der Uni Basel - untersucht das Thema nicht anhand der Aufdeckung von Staatsgeheimnissen und Verschwörungen, sondern anhand von Literatur und Filmen, die die Logik des Geheimen analysieren. Dieser Ansatz, nicht in der Realgeschichte der Geheimdienste zu stochern, sondern in den Fiktionen, die sie zum Thema haben, scheint auch die notwendige Distanz zu verschaffen, meine Arbeiten zum Thema seit dem 13.9.2001, richtig zu verstehen:
"Verschwörungstheorie - trotz ihrer oft analyiserten epistemologischen Kurzschüsses- wird bei Bröckers zu einer heuristischen Methode: eine Form, Fragen zu stellen (statt Antworten zu geben), Verbindungen herzustellen (statt sich an etablierte Freund-Feind-Schemata zu halten), Kausalitäten zu sehen (statt Koinzidenzen). Es geht ihm dabei um einen kritischen Blick auf die Interpretationshoheit über das Ereignis - und zugleich um eine Medienkritik an den "gleichgeschalteten" etablierten Verbreitungsmedien. Worauf Bröckers damit zielt, ist eine Restrukturierung politischen Wissens durch den Gebrauch eines neuen "Übermediums" Internet, das alle bisherigen Medien in sich vereint: die etablierten großen Sender und Zeitungen ebenso wie die randständige kleinen Alternativmedien und Fachpublikationen." (…) Bröckers ist einer der ersten, die die neue Form der Wissenszirkulation im Internet und den neuen Typus des politischen Ereignisses miteinander verknüpfen - und zugleich auf diese Verknüpfung reflektieren. Die unlauteren, peinlichen oder korrupten Verbindungen, auf die er in seinem blog hinweist - etwa die zwischen den Familien Bush und Bin Laden - zielen auf den Nachweis einer globalen und korrupten Machtelite, die die eigentlich treibende Kraft hinter einem Ereignis wie 9/11 gewesen sei. Anders als die offizielle Berichterstattung, anders auch als der traditionelle investigative Journalismus, die beide explizit einen Wahrheitsanspruch erheben, entzieht sich Bröckers diesem aber mit dem Hinweis auf den grundsätzlich fiktiven Charakter aller politischen Information:
"Es sind alles nur 'Erfindungen’. Glauben Sie mir also nichts, auch wenn ich natürlich behaupte, alles nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert zu haben. Und wenn es Ihnen an bestimm-, ten Stellen und Zusammenhänge aufgeht: 'Jawohl, so ist es das stimmt!`, dann schalten Sie sofort den inneren Beobachter ein und stellen die konspirologische Frage Nr. 1: "Und was steckt da hinter?"
Erst mit einiger Zeitverzögerung und weitgehend ohne diese selbst- ironische Volte hat sich die Infragestellung der offiziellen Version auch in Amerika durchgesetzt, zunächst auf Websites, in verschiedenen Publikationen und neuerdings verschiedenen Dokumentarfilmen.(...) Allerdings gibt es auch hier feine Unterschiede in der Gemeinde der netzgestützten Verschwörungstheoretiker, die sich besonders prägnant an der Differenz zwischen Bröckers und dem Film Loose Change beobachten lassen. Wo Bröckers sich geradezu lustvoll in Widersprüchen ergeht, wo er teilweise kolportagehaften Anti-Amerikanismus, teilweise präzise Hintergrundinformation lie- fert und jeden eigenen Wahrheitsanspruch ironisch immer schon dem Argwohn seines Lesers anheimstellt, meinen es die Macher von Loose Change auch dann noch ernst, wenn ihre Thesen -wie etwa die von 167 Milliarden Dollar in Gold, die angeblich im WTC Gebäude Nr. 7 gelagert hätten - langst als absurd widerlegt sind. Wo Bröckers einen Gestus reflexiver Kritik und die Timeline (von Paul Thompson, M.B.) das Ideal maximaler Datensammlung haben, ist Loose Change pädagogisch Der Film will belehren und sei es durch seine Fehler. In diesem Gestus zeigt sich eine weniger spielerisch-analytische als eine in letzter Konsequenz autoritätshörig man kann auch sagen: ödipale Haltung gegenüber jener politischen Autorität die der Film als unlauter diskreditiert. Im Grunde rebelliert man, um zurechtgewiesen, und zweifelt, um eines Besseren belehrt zu werden." (S. 467 ff.)
Eva Horn: “Der geheime Krieg – Verrat Spionage und moderne Fiktion”, Fischer Verlag, 541 Seiten, 14,95 EU
23. September 2007
Lektüre.
“Welche Bücher hast du dieses Jahr gelesen, bring mich mal auf den Stand”, bat ein Freund, der längere Zeit unterwegs war. Gar nicht so leicht, wenn man keine Leselisten oder Tagebuch führt. Aber vor ein paar Wochen habe ich aus Platzgründen etwa 500 Bücher zum Antiquar gebracht und vor ein paar Tagen die Neuanschaffungen, die sich auf dem Boden stapelten einsortiert und deshalb gerade einen halbwegs guten Überlick. In die Abteilung ‘leichte Muse’wanderte der neueste Harry Potter, den ich als Fan natürlich vorbestellt und nach drei Tagen verschlungen hatte, außerdem 4 oder 5 Thriller von Lee Child, die sehr spannend waren, anders als John Le Carrés “A Perfect Spy”, den ich noch nicht kannte, aber eigentlich nur aus Respekt vor dem Meister zu Ende las. Ähnlich ging es mir mit Neal Stephensons “Quicksilver”. Von Tom Wolfe lese ich seit “Electric Cool Aid Acid Test” alles, das Thema seines letzen Romans “Ich bin Charlotte Simmons”, die Geschichte eines naiven College-Girls und der Dumpfbackigkeit sogenannter Elite-Colleges, interessierte mich eigentlich überhaupt nicht, aber Wolfe schreibt einfach klasse und so schaufelt man die 950 Seiten ratz fatz runter…
Sachbücher: Webster Tarpleys “9/11 Synthetic Terror – Made in USA”, das Buch ist unbedingt lesenswert, auch wenn mir Webster’s emails öfter mal ein bißchen zu alarmistisch sind. William Blums “Rogue State” legt den Standard, den die USA an Schurkenstaaten anlegen, an das US-Imperium selbst an – und kommt zu vernichtenden Ergebnis. Das neueste Werk von Greg Palast – “Armed Madhouse” – dröselt die Fraktionen der aktuellen US- Machtelite auf: die Neocons, die die OPEC zerschlagen wollen, Big Oil, das dieses Monopol um Himmels Willen erhalten will – und Dick Cheney, der auf beiden Seiten spielt. Das alles prima geschrieben und dokumentiert, von dem groben Faux Pas in Sachen 9/11 – Palast hält Osama und die 19 Höhlenmenschen nach wie vor für die alleinigen Täter - einmal abgesehen. “Die taz – eine Zeitung als Lebensform” von Jörg Magenau war für mich als taz-Veteran natürlich besonders spannend – und ich finde, der Autor hat die Konfliktlinien, die dieses Projekt von Anfang an begleiteten, sehr gut nachgezeichnet. Einige Kollegen von einst finden das überhaupt nicht und das Buch “unmöglich”, doch wenn es nach ihnen gegangen wäre – die meisten Redakteure plädierten in der großen taz-Krise 1990/91 gegen die Gründung der Genossenschaft und für den Verkauf an einen Großverlag – gäbe es die taz heute mit ziemlicher Sicherheit gar nicht mehr. So aber ist sie immer noch eine unverzichtbare Bereicherung der Zeitungslandschaft, und der älteste und stabilste Alternativbetrieb in Deutschland.
Um ein weiteres meiner Lieblings-Medienprojekte – das Whole Earth Netzwerk in San Francsico – geht es in dem Buch von Fred Turner “From Counterculture to Cyberculture – Stewart Brand, The Whole Earth Network and the Rise of Digital Utopianism.” Das lese ich im Moment, quasi als Fortsetzung von John Markoff: “What the Dormouse Said: How the Sixties Counterculture Shaped the Personal Computerindustry”, der 2005 erschienen sehr empfehlenswerte Geschichte der Hippies, die den PC “erfanden”.
Außerdem auf dem Nachttisch: Max Otte: “Der Crash kommt” (Ja, ja, dass er kommen muß weiß jede(r), aber wann, wo und wie weiß auch Otte nicht .) Plotin: “Ausgewählte Schriften” (Schöne Reclam-Ausgabe, überhaupt: Platon und die Neuplatoniker sind philosophisch das einzig Spannende, wenn irgendwo Aristoteles draufsteht, oder jemand sich auf ihn beruft: forget it!) Und dann noch die wunderbare Zweitausendeins-Neuausgabe von Douglas Adams “Anhalter…” mit Zeichnungen von Freund Seyfried, da les ich mich zum dritten oder vierten Mal irgendwo rein…und gleich wieder fest.
16. Juni 2007
Fragen an den Autor...
...werden morgen ab 11 Uhr wieder im Saarländischen Rundfunk gestellt. Der Autor bin diesesmal ich und es geht um das Buch "Cogito Ergo Bum" und die Unausweichlichkeit des Scheiterns. Die Live-Sendung läuft auf SR2 und kann ab Montagnachmittag auch als Podcast heruntergeladen werden.
13. Mai 2007
Die Comic Bibel.
Wenn eine politische Karrikatur auch nach 30 Jahren topaktuell ist, ist dann, da die Zeit ja nicht stehen bleibt, ein Rollback zu verzeichnen, oder wiederholen sich die Dramen der Vergangenheit als Farce, oder handelt es sich bei dem Künstler einfach um einen Menschen mit prophetischer Weitsicht ? In diesem Fall wohl von allem ein bißchen. Die hier abgebildete Zeichnung zierte 1978 den Umschlag von Gerhard Seyfrieds erstem Comicband "Wo soll das alles enden" - und sie paßt damals wie heute ins politische Bild. Wie so vieles, was Seyfried gezeichnet hat. Deshalb birgt der gigantische Band mit allen Comics von Seyfried (die er seit Anfang der 90er Jahre mit seiner Partnerin Ziska macht) noch viele andere hochaktuelle Zeitreisen. Und das Schönste ist: sie müssen den drei Kilo schweren, 700 Seiten dicken Wälzer noch nicht mal nach Hause schleppen, sondern können ihn gleich hier online bestellen.
29. Dezember 2006
Die Wiederkehr der Grünen Fee.
 Gerade noch rechtzeitig zur Linderung von Weihnachts-Depression und Jahresend-Blues kam ein Päckli aus der Schweiz – mit einem neuen Büchlein und einem zugehörigen Fläschchen: „Absinthe – die Wiederkehr der Grünen Fee“ (ISBN 978-3-03788 151-4). Mit Chris Heidrich und Roger Liggenstorfer habe ich auf 94 Seiten das Wichtigste aus der bewegten Geschichte dieses „magischen“ Kräuterlikörs zusammengestellt: von seiner Entdeckung als Gesundheitselixier Mitte des 18. Jahrhunderts im Val-de-Travers im Schweizer Jura , über die Rolle als „Treibstoff“ für Künstler und Kreative des „Fin de Siécle“ bis zum Verbot Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Mythen und Legenden, die bis heute darüber erzählt werden, haben dafür gesorgt, dass Absinthe – erst seit kurzem wieder legalisiert – einmal mehr zu einem Getränk mit Kultstatus avancierte. Wobei vieles, was in den Bars als „Absinth“ angeboten wird, außer hohem Alkoholgehalt mit dem Originalgetränk wenig zu tun hat . Wie bei gutem Wein oder Cognac ist die Herkunft auch beim Absinthe entscheidend – und der beste kommt aus jenem kleinen Tal der Grüne Fee in der Schweiz, wo die Kräuter und Rezepte ein Jahrhundert Prohibtion im Untergrund überlebten.Im folgenden ein kleiner Auszug aus dem Kapitel „Absinthe - Treibstoff der Moderne“:
(…)Wie auf die Maler übte die Inspiration der Grünen Fee auch auf ihre schreibenden und dichtenden Kollegen eine starke Anziehungskraft aus – zumal auf jenen ungehobelten Freak vom Lande, dessen Lyrik die Pariser Literatenszene 1871 aufmischt: Arthur Rimbaud. Zusammen mit seinem Mentor, dem Dichter Paul Verlaine, bildet er ein Duo, das fortan neben der Poesie, vor allem auf der Suche nach Exzess ist – Sex und Drogen, Haschisch und Absinthe. Über die Tatsache, dass der bewunderte Charles Baudeleaire den „Künstlichen Paradiesen“ mittlerweile abgeschworen hatte – seine Abhängigkeit von Laudanum (Opiumtinktur) hatte die Freude an Stimulantionen durch Haschisch und Absinthe überlagert und dauerhaft getrübt – ging der ‚Junge Wilde’ Rimbaud hinweg, für ihn war die „gezielte Verwirrung aller Sinne“ eine Grundkonstitution jedes wirklichen Dichters. Nachdem Verlaine im trunkenen Zustand auf ihn geschossen hatte und für zwei Jahre ins Gefängnis kam, gab Rimbaud die Literatur auf und führte ein Leben als Abenteuerer und Waffenhändler in der Südsee. In seinem letzten Brief noch befürchtet der Freak unter den Bohemiens, der Punk unter den Decadents, der Höllen- und Trunkenheits-Poet unter den Literaten auf fromm zurecht gedoped zu werden: „Hinter meinem Rücken, d.h. wenn ich tot bin, wollen sie mich auf christlich schminken. Auf dem Krankenlager fängt bereits alles an…Sie fahren einen ganzen Stoßtrupp an Sedativa auf, um das aus mir herauszubekommen: sie lassen mich winseln nach der Letzten Ölung…Dann werden sie noch dreister: ‚Msr. Rimbaud, bremsen Sie Ihre Glossolalien. Diagnose: überhöhter Genuß von Absinthe und Haschisch. Wir wissen, wo und wie sie verkehren!’ “ Verlaine seinerseits ließ sich auch von seinem „Engel“ Rimbaud nicht dazu hinreißen, etwas anderes als Absinthe zu konsumieren – Haschisch und Opium waren für ihn „Gift“; gegen Ende seines Lebens vertrat er einen mystischen Katholizismus und schwor, mit allen Symptomen des schweren Alkoholikers auf dem Totenbett, auch noch der Grünen Fee ab: Absinthe müsse „hoch besteuert werden oder sogar verboten.“
Die Bestrebungen dazu liefen 1896 schon auf vollen Touren, als eine neue Generation von Künstlern die Bühne betrat, für die freilich der Treibstoff der alten noch immer erste Wahl war: Picassos „blaue Periode“ beginnt 1901 mit einer melancholischen „Absinthtrinkerin“ und 1914, sechs Monate nach seiner Bronzeskulptur „The Glass of Absinthe“, setzt in Frankreich die Prohibition ein. Picasso, der mit Alkohol, Haschisch und anderen Drogen stets Maß zu halten wußte, wurde in seinen ersten Jahren in Paris stark von Alfred Jarry beeinflußt, dessen Bühnenstück „Pere Ubu“ gerade das Theater revolutioniert hatte, in dem es das bloße Schauspiel in Konfrontation mit dem Publikum verwandelte. Für den Exzentriker Jarry, einen passionierten Radfahrer und Pistolenschützen, war Absinthe das „heilige Wasser“ schlechthin, die „Essenz des Lebens“, der er in gewaltigen Mengen zusprach: „Antialkoholiker sind Unglückliche in den Klauen des Wassers, dieses schrecklichen aggressiven Giftes, das von allen Substanzen zum Waschen und Putzen auserwählt wurde.“ Von solchem schwarzen Humor geprägt ist auch die absurdistische „Wissenschaft des Partikulären“, die er in seinem letzten Buch als „Pataphysik“ beschreibt. Als Pionier des Surrealismus und Situationismus, der Traum und Wirklichkeit, Realität und Unbewußtes – sowie Leben und Kunst - zusammenfließen läßt, sah Jarry in der einzigartigen Wirkung des Absinthes ein methodisches Werkzeug, die notwendige Dekomposition der Wahrnehmung zu erreichen – und eröffnet der Kunst und dem Denken eine Linie, die von Picasso, über Marcel Duchamp und John Cage bis zu Philosophen des heutigen Paris wie Jean Baudrillard reicht : „Der pataphysische Geist ist der Nagel im Reifen - die Welt ein stinkiger Riesenbovist.“ (…)
28. Juni 2006
Die arabische Ausgabe.
Heute erhielt ich mit der Post die arabische Ausgabe von "Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11. 9.". Sie ist im Al-Kamel Verlag in Köln erschienen (Postfach 210149, 50527 Köln, Fax 0221/7326763), der seit 20 Jahren Bücher deutscher Autoren auf arabisch veröffentlicht. Mehr über den Verlag, der keine Website unterhält, hier. Sobald ich eine Online-Bezugsmöglichkeit für das Buch kenne, werde ich sie hier nachreichen.
PS.: Hier ist sie, mit Dank an Tim Mücke: "Die Titel des Al Kamel Verlags werden in Deutschland und Europa exklusiv durch den Verlag Hans Schiler (www.schiler.de)ausgeliefert. Die derzeit lieferbaren Titel findet man auf der Webseite des Verlag Hans Schiler, mit Bestellfunktion. Die "Verschwörungen" erwarten wir mit der nächsten Lieferung aus Beirut in Kürze. (Vor)Bestellungen an info@schiler.de
10. Mai 2006
Unbedingte Empfehlung.
Gestern kam ein Prachtband bei mir an, für den ich unbedingt sofort Reklame machen müßte, auch wenn er nicht bei Rogner & Bernhard und unter dem Dach unserers Blog-Gastgebers Zweitausendeins erschienen wäre. Denn erstens ist es die einzige fünfbändige Trilogie die ich kenne, zweitens ist sie jetzt erstmals in einem Band erschienen, drittens ist sie erstmals illustriert, viertens nicht einfach irgendwie illustriert, sondern von Gerhard Seyfried und Ziska, und fünftens sind diese hervorragenden Gründe alle auch hinfällig, denn sechstens handelt es sich bei diesem 936 Seiten dicken Band um den komischen Klassiker Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams, was schon allein allemal für eine unbedingte Empfehlung ausreicht.
Mehr dazu hier.
26. Januar 2006
Rauschimperien.
Dass die Frage des Rauschs nicht nur eine individuelle und eine gesellschaftliche, sondern auch eine geo-politische Dimension hat – auf diesen Umstand hat der Essayist Sandor Marai schon 1947 in seiner „Schule der Armen“ hingewiesen. Das Buch ist im Piper-Verlag unlängst wieder aufgelegt worden - und enthält neben ironischen Handreichungen "für Menschen mit geringem Einkommen" auch einige Anmerkungen zum Zusammenhang von Rausch und Imperialismus:
„Es ist eine feststehende Tatsache, dass Völker, deren Arme in großer Zahl bedeutende Werke in der Geschichte vollbracht haben, dauernd und viel tranken. Die Engländer, Italiener und auch die Franzosen waren sowohl in kriegerischen als auch in friedlichen Zeiten starke Trinker, während Völker, denen blödsinnige Gesetze auf eine gewisse Zeit die alkoholischen Getränke entzogen... nur zu bald die Beute mutwilliger, trinkender Erober wurden, man denke nur an die Türken und später die Inder.“
Dem Wein verdanken wir Menschenrechte und Zivilisation, denn es sei, so notiert Marai weiter, „völlig unddenkbar, dass ein Volk, welches seit Jahrhunderten saure Milch und Orangensaft trinkt, zu so großen Leistungen wie der Französischen Revolution fähig wäre.“
Verhalf also letztlich Whisky einst den Briten zu ihrem Weltimperium? Sicher nicht allein, aber neben Kanonenbooten, Fahnen und Gebetbüchern, so Marai, „brachten die Engländer auch Branttweinfässer mit in die Kolonien, wo sie dieses ausgezeichnete Betäubungsmittel mit dem allergößten Erfolg anwandten… Wir kennen keinen Engländer, der das Leben in den Tropen ohne Whisky ertragen hätte.“
Soweit Sandor Marai, der noch hinzufügt, dass die Deutschen im Rennen um die Weltherrschaft wohl deshalb so schlecht abgeschnitten hätten, weil sie von einem „übermäßigen Bierkonsum“ gelähmt waren. Gottseidank kann man da nur sagen – und da nur die Top-Nazis „on speed“ waren, wie wir aus der gleichnamigen Dokumentation wissen, und Hitler von seinem Dr.Morell nicht nur mit Kokain sondern auch mit anderen Stimulantien gepeppt wurde – kann man nur froh sein, dass der große Rest der Bevölkerung weiter beim Bier blieb…
18. Januar 2006
Gaias Rache.
Treffen sich zwei Planeten:
"Na Du schaust aber gar nicht gut aus, was fehlt Dir denn?"
"Tja, ich habe Homo Sapiens…" " Oh, wie unangenehm! Aber denk Dir nichts, das geht vorbei."
James Lovelock, dessen "Gaia"-Hypothese von der Erde als lebendigem Organismus in den 70er Jahren ein neues Paradigma des ökologischen Denkens schuf, hat ein neues Buch vorgelegt: "The Revenge of Gaia - How the earth is fighting back and how we can still save humanity"..
Eine Besprechung des Buchs heute auf Telepolis.
PS: Noch ein Hinweis in eigener Sache: Mein Buch "Das sogenannte Übernatürliche - Aufbruch zu einem neuen Naturverständnis." (1998), in dem die Gaia-Hypothese ausführlich diskutiert wird, ist seit langem vergiffen, Reste der verramschten Taschenbuchausgabe, unter dem Titel "Können Tomaten träumen ?" (2001), gibts noch im Antiquariat, aber: eine erweiterte Neuausgabe ist in Arbeit und wird noch in diesem Jahr erscheinen, bei unserem geschätzten Blog-Gastgeber Zweitausendeins.
21. November 2005
CCTS 9/11.
Die amerikanische Ausgabe von "Verschwörungen. Verschwörungs - Theorien und die Geheimnisse des 11.9." wird in den nächsten Tagen ausgeliefert - drei Jahre und 35 Auflagen nach dem ersten Erscheinen in Deutschland und über vier Jahre nach dem Start der Kolumne auf telepolis. "Ich würde das Buch gerne drucken, aber die stecken mir zu Hause die Hütte an" hieß es auf der Buchmesse 2002 von Seiten eines interessierten US-Verlegers - mittlerweile ist das vom Patriotismus-Wahn zersetzte intelektuelle Klima etwas ent-hysterisiert, sodass John Leonard, der das Buch in seinem kleinen Verlag (The Progressive Press)herausbringt, so etwas wohl nicht mehr zu befürchten hat.
Amazon.com hat den Titel in den USA schon gelistet, allerdings noch ohne eine Abbildung des Covers, das hier und hier(Rückseite) zu sehen ist. Das Buch hat 280 Seiten und kostet 14,95 US-$ und hat die ISBN 0-930852-23-0.
4. März 2005
Confessions of an economic hitman.
Wie Weltbank und Internationaler Währungsfonds benutzt werden, um Länder auszurauben hatte ich in einem Artikel im März 2002 kurz beschrieben:
"Schritt 1: Knüpfe die Kreditvergabe durch IWF/Weltbank an maximale "Privatisierung" öffentlichen Besitzes, besteche die Verantwortlichen und bringe die Schlüsselindustrie unter Kontrolle.
Schritt 2: Verordne zum Zwecke der Konsolidierung Haushaltskürzungen, Sparmaßnahmen, Abbau des Sozialsystems etc., um die Bedienung der Kredite aufrechtzuerhalten. Nimm dabei den starken Niedergang der Inlandsproduktion, Bevölkerungsaufstände und Kapitalflucht in Kauf.
Schritt 3: Ist die Wirtschaft weitgehend zerstört und das Land zu einer Eigenversorgung nicht mehr in der Lage, öffne die Zollgrenzen für fremde Produkte und nimm für Lebensnotwendiges (wie Medikamente) horrende Preise und Zinsen.
Schritt 4: Installiere eine militarisierte Firmen-Regierung, die fortan die Geschäfte der "Kolonie" wieder gewinnbringend betreibt und mögliche Sklavenaufstände im Keim erstickt."
Vor kurzem ist in den USA nun ein Buch erschienen, in dem ein Beteiligter an diesem großen Spiel auspackt - und konkret beschreibt, wie diese Ausplünderungen vor sich gehen.
Es heißt "Confessions of a economic hitman" und der Autor John Perkins beschreibt, wie er als ökonomischer "Killer" eingesetzt wurde, um widerspenstigen Regierungen und Politikern Druck zu machen, den IWF/Weltbank-Deals zuzustimmen.
Eine Rezension des Buchs hier, es erscheint demnächst auch auf deutsch (Riemann Verlag)
28. Februar 2005
Barry und die Boys.
Letzte Woche kam die deutsche Ausgabe von Daniel Hopiscker's "Barry & the Boys" - einer Biographie des Piloten, Agenten und Drogenschmugglers Barry Seal. Wie in kaum einer anderen Figur kulminiert in seiner Person und seinem abenteuerlichen Leben die unerzählte, geheime Geschichte Amerikas - von der gescheiterten Kuba-Inavsion in der Schweinbeucht, über den Kennedy-Mord und Watergate bis zum Iran-Contra-Skandal und der Bush-Dynastie.
Was sich spannend wie ein Krimi liest, ist gleichwohl eine Dokumentation die auf jahrelangen Recherchen und bisher unzugänglichen Dokumenten beruht.
Im folgenden der Klappentetxt, bestellen können Sie das unbedingt lesenswerte Buch gleich hier.
"Dies ist die Lebensgeschichte von Barry Seal. Er war der wohl größte Drogenschmuggler der US-Geschichte. Er hatte Freunde ganz oben in Washington. Ende der 70ger Jahre flog er wöchentlich bis zu 1,5 Tonnen Kokain in die USA - über Mena, Arkansas. Als Seal dabei "versehentlich" verhaftet wurde, kam er dank eines Freibriefs des jungen Oberstaatsanwalts von Arkansas und späteren US-Präsidenten, Bill Clinton, prompt aus der Untersuchungshaft wieder frei.
Schon als 16jähriger lernt Barry Seal 1955 in einem Sommerlager der "Civil Air-Patrol" unter Leitung von CIA-Rekruteur David Ferrie das Fliegen - zusammen mit Lee Harvey Oswald (dem späteren angeblichen Einzelschützen bei der Kennedy-Ermordung).
Die ersten Waffen, die Seal kurze Zeit darauf illegal nach Kuba fliegt, gehen an Fidel Castro, den die CIA zu diesem Zeitpunkt noch unterstützt - um kurz darauf zu versuchen, ihn mit der Schweinebucht-Invasion zu beseitigen. Auch hier ist Barry Seal wieder aktiv - zusammen mit weiteren Kollegen des Geheimkommandos "Operation 40", das für die schmutzigen Jobs der CIA zuständig ist.
Barry Seal war später der Chefpilot des illegalen, milliardenschweren Drogenimports und Waffenhandels, der unter Reagan/Bush aus dem Weißen Haus gesteuert wurde und als "Iran-Contra-Skandal" in die Geschichte eingegangen ist. Als Seal sich entschließt auszupacken, wird er wenig später von einem Killerkommando auf der Straße ermordet.
Das sagt vor Gericht aus, es sei "von einem amerikanischen Offizier" zum Tatort gelotst worden. daniel Hopsickers Buch dokumentiert nicht nur das abenteuerliche Leben eines Agenten, der im Auftrag des Staats jahrzehntelang illegale Operationen ausführte, das Buch führt auch in die Abgründe der geheimen Geschichte Amerikas - die tiefe Verbindung von Politik und Geheimdiensten mit dem organisierten Verbrechen."
17. Februar 2005
War on the War on Terror.
"Die Sache ist, dass, wenn die Leute nicht sagen wohin sie nach der Gesangsstunde gehen, dieses Land in Gefahr ist. Deshalb habe ich begonnen, auf meinen Sohn einen gewissen Druck auszuüben, damit er mir sagt wohin er geht. Als erstes bekommt er eine Tüte über den Kopf, dann fessele ich ihn an den Heizkörper..."
Terry Jones, Mitglied von "Monthy Python's Flying Circus", hat ein Buch mit seinen Kolumnen veröffentlicht, die im "Guardian" und anderen britischen Zeitungen erschienen: "Terry Jones’s War on the War on Terror". Das Magazin "Mother Jones" hat ihn dazu ausführlich interviewt.
21. November 2004
Der Da Vinci Code.
Belletristik lese ich seit Jahren kaum noch, aber wenn mich mal ein Roman gepackt hat, dann in einem Rutsch. So an diesem Wochenende "The Da Vinci Code" von Dan Brown - deutsch unter dem Titel "Sakrileg" erschienen. Dan Brown hat einen Verschwörungsklassiker - die Recherchen der BBC-Autoren Lincoln/Baigent/Leigh "Holy Blood, Holy Grail", deutsch: "Der Heilige Gral und seine Erben" - zu einem Thriller verarbeitet, den ich nicht weglegen konnte, obwohl ich die Geschichte ja eigentlich schon kannte. "Umberto Eco auf Stereoiden" wird der "San Francisco Chronicle" auf der Rückseite zitiert - ich würde zwar eher sagen "auf Kokain", weil Brown schneller und nicht so bildungshuberisch erzählt, aber ansonsten stimmt der Vergleich. Wem "Der Name der Rose" und das "Foucaltsche Pendel" gefallen hat, wird von der wendungsreichen Geschichte begeistert sein...
15. September 2004
Strength of the Wolf
"Die Stärke des Packs ist der Wolf, die Stärke des Wolfs ist das Pack" R.Kipling
Gestern abend ausgelesen: "The Strength of the Wolf - The Secret History of America's War on Drugs" von Douglas Valentine. Basierend auf zahlreichen Interviews mit ehemaligen Agenten schildert er die Geschichte des "Federal Bureau of Narcotics", dem 1930 gegründeten Vorgänger der heutigen "Drug Enforcement Agency". Wer die Beauptung, dass westliche Dienste tief in den Drogenhandel verstrickt sind, auch nach den Büchern von Alfred McCoy und Peter Dale Scott immer noch für eine "Veschwörungstheorie" hält, lese dieses hervorragend recherchierte Buch über die Geburtsstunde des modernen Drogenkriegs:
"The moral to their story is simple: in the process of penetrating the Mafia and the French Connection, the case-making agents uncovered the Establishment's ties to organized crime..."
Update: Wie der Faust auf's Gretchen paßt dazu eine aktuelle Geschichte aus dem heutigen Online Journal: ein Whistleblower der DEA beschwert sich vor Gericht, dass die CIA eine effektive Drogenfahndung behindert und unmöglich macht - im Namen der "nationalen Sichehrheit".
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