Mathias Bröckers
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Writersblog von Mathias Bröckers.
15. April 2007
Homo stultus.
Hier zum Wochenende noch ein kleiner Auszug Cogito Ergo Bum. - über den homo stultus,das Mängelwesen Mensch und seine göttlichen Eingebungen:
»Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen«, notierte Georg Christoph Lichtenberg vor über 200 Jahren zu der Schwierigkeit des Projekts »Aufklärung«. Was dieses Projekt sei, hatte sein Zeitgenosse Immanuel Kant in seiner berühmten Definition festgehalten: »Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.« Doch scheint bei diesem »Ausgang« seitdem einiges schiefgegangen zu sein. Dass sich die »Vernunft« in historischen Fortschritten weiterentwickelt, die »Sinnesart« des Volkes und langfristig auch der Regierungen verändert, was dazu führt, den Menschen, »der nun mehr als Maschine ist, seiner Würde gemäß zu behandeln« (Kant) – diese Sichtweise der Aufklärung als Garant der Humanität hat sich als zu optimistisch erwiesen. Um in Lichtenbergs Bild zu bleiben, war die Fackel entweder zu heiß oder das Gedränge zu groß oder die Männer mit Bart waren in der Überzahl und wollten sich die Zwangsrasur durch aufklärerische Fackelträger einfach nicht bieten lassen. Jedenfalls setzten sich die Bartträger durch und eliminierten die Idee, das Menschengeschlecht durch Wissen und Wahrheit zur Vernunft zu führen. Der Rückfall in die Barbarei des Faschismus und der Weltkriege zeigte denn auch spätestens im 20. Jahrhundert das faktische Scheitern dieser Zivilisationsbemühungen an. Von diesem Versagen, das Adorno und Horkheimer in ihrer Dialektik der Aufklärung konstatierten, hat sich das Projekt bis heute nicht erholt – wobei es zu dieser pessimistischen Einschätzung des Horrors von Auschwitz eigentlich gar nicht bedurft hätte. Schon 1919 hatte der Psychologe und Nobelpreisträger Charles Richet angesichts von »Verstümmelung, Beschneidung, Kastration, Zölibat, Königskult, Knechtseligkeit, Unterwerfung, Klassengesellschaft, Drogen, Alkoholismus, Tabak, Moden, Juwelen, Krieg und Rüstung, Aberglaube, Stierkampf, Ausrottung von Tierarten, Zerstörung der Wälder, Schutzzölle, Krankheiten aus Leichtsinn etc.« den Vorschlag gemacht, aufgrund der sich häufenden menschlichen Dummheit den Homo sapiens in »Homo stultus« umzubenennen. Dass sein Werk L’homme stupide heute nahezu unbekannt ist, wundert nicht, denn wer hört schon gern, dass er, wie man in Berlin sagt, »dumm wie Stulle« ist. Auch was der Arzt und Poet Gottfried Benn diagnostizierte – »Es ist ein Irrtum, anzunehmen, der Mensch habe noch einen Inhalt oder müsse einen haben. Der Mensch hat Nahrungssorgen, Familiensorgen, Ehrgeiz, Neurosen, aber das ist kein Inhalt im metaphysischen Sinne mehr ... Es ist überhaupt kein Mensch mehr da, nur noch seine Symptome« –, auch diese Darstellung der Krone der Schöpfung als hohle Nuss stieß nicht auf große Gegenliebe. Doch mögen diese beiden Diagnosen reichen, um zu zeigen, dass der Mensch durch die Anhäufung von Wissen nicht mündiger und autonomer wurde, sondern sich immer mehr zum Mängelwesen entwickelte. Ein letztes, erschreckendes Beispiel lieferte der derzeit mächtigste Mann der Welt, George W. Bush, der die Frage des Reporters Bob Woodward, ob er vor der Invasion des Irak seinen Vater konsultiert habe, verneinte. Dafür hätte er einen anderen Vater, den er täglich um Rat frage, und von ihm, dem lieben Gott, sei auch der Rat gekommen, den Irak zu »befreien«. Soweit ist es mit dem Projekt Aufklärung also gekommen – nicht Vernunft, Verstand oder erfahrene Berater entscheiden über einen Krieg, der Hundertausende das Leben kostet, sondern himmlische Eingebungen: »Gott befahl mir, Al Qaida anzugreifen, und ich griff sie an, dann trug er mir auf, Saddam anzugreifen, was ich tat, und jetzt bin ich entschlossen, die Probleme im Mittleren Osten zu lösen.« So gesendet von BBC am 6. Oktober 2005. Bei Adolf, dem großen Führer der Deutschen, war es die göttliche »Vorsehung«, die ihn (und 50 Millionen Menschen) in den Untergang führte, bei Dabbelju ist es die persönliche Ansprache Gottes: »Wenn ich nicht darauf vertrauen würde, dass Gott durch mich spricht, könnte ich meinen Job nicht machen.« Nachdem er im Mittleren Osten ein Debakel angerichtet hat, pfeift ihn jetzt folgerichtig auch nicht der liebe Gott, sondern der Papa persönlich zurück – und schickt den Top-Krisenklempner der Bush-Familie, James Baker, zum Aufräumen. Ginge es weiter nach Dabbeljus Eingebungen und den Einflüsterungen seiner Neocon-Berater würde er seine göttliche Mission im Iran, Syrien und anderswo fortsetzen und »Demokratie« und »Freiheit« unvermindert mit Bomben verbreiten. Ein Glück also, dass es diesmal einen Papa Hitler gibt, der seinen durchgeknallten Adolf energisch zurückpfeift. Aber auch so bleibt festzuhalten, dass das Scheitern des Homo stultus George W. Bush den bis dato blutigsten Massenmord des 21. Jahrhunderts markiert.
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Kommentare
Beitrag von Daniel Kulla / Veröffentlicht um 13:23 - 16.04.07
Der blutigste Massenmord des 21. Jahrhunderts? Und in Darfur wird Federball gespielt?
http://www.classless.org/2007/04/11/darfur-bei-google-earth/
Beitrag von Rockon / Veröffentlicht um 13:07 - 17.04.07
.....Dabbeljus göttliche Mission im Iran, Syrien......... Viel Arbeit ! ( Puh....), deshalb erst mal zu Hause ( God’s own Country ) klar Schiff machen !
Der 10 Punkte-Plan von Gott
So geht er :
1.Schritt : Ein „ Lone Nut “-Killer ( Gottloser )richtet ein wahlloses Massaker an. Das Massaker dient auch als Cover für einen gezielten Auftragsmord an nur z.B. 1-2 Personen . Der Attentäter ist psychisch präpariert,oder auch nicht... normaler Frusti geht aber auch erstmal.( Mal googlen: MK-Ultra-Project, oder Programmed to kill ) 2.Schritt : Der Ruf nach verschärften Waffengesetzen wird laut. 3.Schritt : Im Gegensatz dazu, setzt sich die Waffenlobby ( God has a Gun ) durch „ Hätte jeder Student eine Waffe gehabt, hätte der Amoklauf verhindert werden können" (Ergebnis : Super Umsatzboom mit Privat-Personen ) 4.Schritt : Die private Zusatzvolksbewaffnung führt dazu, dass immer mehr triviale Streitigkeiten tödlich enden,( möchte Gott nicht ) 5.Schritt : Die Polizei ist machtlos, ( „ Sie können uns nicht mehr schützen“ )Mit Medienunterstützung wird der Bürger total verängstigt, rechtsfreie Räume entstehen , aber die private Sicherheits-und Gefängnisindustrie blüht auf ( Die einzigen, die in den USA überhaupt noch Arbeitsplätze mit Einkommen schaffen, deshalb opponiert der Normal-Bürger auch nicht )und..... Gott blüht auf ! Seine Häuser sind wieder voll wie nie ! 6.Schritt :Verängstigte Bürger stimmen mehrheitlich überein, dass nur noch „ Special Teams“ Waffen haben dürfen. Die klassische öffentliche Polizei und Strafverfolger üben durch geringe Bezahlung, schlechte Ausbildung, und durch miserablen Ruf in der Öffentlichkeit und bei Gott , nur noch „ HIWI-Dienste“ aus. 7.Schritt: Super-Umsatzboom für Waffenfirmen, denen die "Special Teams “ gehören. Sie generieren durch Regierungsaufträge, die auf Kosten des Steuerzahlers preislich total überrissen werden, Super Extra-Profite. (Gotteslohn ) 8.Schritt: Drakonische Strafen für Bürger die privat noch Waffen besitzen ( Als Kathrina New Orleans verwüstet hat ,haben die „ Helfer“ ( Men in Black ), als ersten und auch einzigen Akt, erstmal die Waffen einkassiert, die Neger ins Superdrom eingepfercht, obwohl alle Fluchtwege auch zu Fuß offen standen und die Überlebenden dann nach Tagen der Nichtversorgung alle in entlegenen Zeltlagern abgeliefert , wo sie heute noch ausharren oder sich resigniert verpisst haben . Weder Regierung noch Versicherungen zahlen Ihnen irgendwas für Ihre zerstörten Häuser oder Ihre gekündigten Jobs (......die hat der liebe Gott halt nicht so besonders lieb gehabt,... Kismet!)
9.Schritt: „Null-Toleranz“ mit Profiling und Monitoring gegenüber allen Bürgern ( Schafft auch neue Jobs ):
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,477610,00.html
"Justiz (…besser gesagt Gott (d.A.) )langt kräftig hin: Einem Zwölfjährigen aus Massachusetts brachte ein gemaltes Bild, auf dem er seine Lehrerin erschießt, eine Anklage ein. Ein Siebtklässler aus Texas bekam Jugendarrest für seinen Halloween-Aufsatz über ein Schulmassaker. Selbst vor Kinderspielen macht eine solche Politik nicht Halt: Ein Schüler aus Oklahoma wurde in ein Erziehungsprogramm überstellt, weil er seinen Finger als imaginären Pistolenlauf nutzte und abdrückte. Mitschüler sind mittlerweile verpflichtet, verdächtige Klassenkameraden zu melden."
Folge : Totale Verängstigung und Entmündigung, sprich: Gottergebenheit in „God’s own Country"
10. Schritt : Gott wird auch andere Dinge, die er möchte, nicht vergessen ! Auf seinem Merkzettel steht: Kampf der Kulturen, Vogelgrippe, Klimakatastrophe, RFID-Chips, Terrorgefahr, IWF WTO etc... wo nur noch Gott helfen kann ( Schließlich geht es um die "Full Scale Dominance " von Gott ! )
„Wo war eigentlich Gott ? “, haben sich die Auschwitz-Überlebenden einst gefragt ......................... Wenn alles glatt läuft, können sich die Neu-Bürger der Dabbelju-New World Order ( wir alle ) die Frage bald beantworten : „ He is right here “
Beitrag von enri / Veröffentlicht um 15:06 - 17.04.07
Das ist Gut:
"das faktische Scheitern dieser Zivilisationsbemühungen an"
Mein Frage ist jedoch. Ist das Zivilisieren gescheitert oder nur die Bemühungen dazu.
Ich schätze du meinst mit diesem Satz, dass die Menschheit völlig mühelos Zivilisiert worden ist. Zivilisationsbemühungen waren nicht nötig, da die Ziele mühelos erreicht wurde.
Aber das ist eigentlich nicht dein Sylte. Du stehst eher auf populistisches. Und was ist wohl populärer als Weltunterganstheorien in die Bush und die Amis mitverwurstet sind. Das hat den Deutschen schon immer gut gefallen. Und kann unveränder in ganz Europa nachgeplapper werden.
oh, gott. Ich kriege leichte Kopfschmerzen.
so ein neumalkluges gesülze. Mit Latein, damit man etwas intelektueller rüber kommt. Peinlich.
Und kluge Metapher mit Bartverbrennungen und dem Feuer der Weißwurst. Meine Güte. Da hat du aber ganz krass auf die Drüse gedrückt.
mit so heftig schlauen Zitaten wie:
"aufgrund der sich häufenden menschlichen Dummheit den Homo sapiens in »Homo stultus« umzubenennen. "
Wir könnten uns sonst alle persönlich umbennenen und nicht die ganze Spezies. Wie wär es mit Müllhias Brainkotz. Nur so als Vorschlag.
so könnte jeder einzelne seine Umwelt über seine eigene Dummheit aufklären. Dass jeder merkt, dass man "Dumm wie Brot" (so heißt das bei uns im Norden) ist. Wir sagen aber auch sehr gerne: "Zu dumm um aus den Buss zu gucken" oder "zu dumm zum Scheißen". Ich persönlich bin zu dumm um in den Bus zu steigen. Rausgucken würde aber gehen.
Das Problem ist natürlich. Es sind alle viel zu dumm. Alle zu dumm, um zu merken, dass alle anderen richtig dumm sind. Teufelskreis der Dummheit. Schade eingetlich.
Eins verstehe ich aber nicht. Warum ist es Aufgeklärter seinem Vater nach Rat zu fragen als den lieben Gott. Was ja nur ein anderes Wort für "das eingene Gewissen" ist, was du als Ossi natürlich nicht wissen kannst. Mit Gott ist jemand/etwas gefragt, der/das in uns allen drinsteckt. In der Seelen. Aber das nur nebenbei. Damit du auch was lernst.
Wenn du "Gott" einfach durch "Mein Gewissen" oder "Die Vernunft" austauscht, kannst du das Zitat wahrschelich auch verstehen. Es ist gar nicht so schwer:
"»Gott befahl mir, Al Qaida anzugreifen, und ich griff sie an, dann trug er mir auf, Saddam anzugreifen, was ich tat, und jetzt bin ich entschlossen, die Probleme im Mittleren Osten zu lösen.«"
Gott--> Die Vernunft. Dann sollte auch ein Ossiheide damit zurecht kommen. Wir benutzen Gott nur als Platzhalter. Da kann dann jeder das reinstecken, was er für sinnvoll hält.
aber gut, dass du nicht nur Gott und Bush dabei hast, sondern auch den aller wichtigsten: Adolf.
Aber zu deiner Info. Adolf war ein Heide. Also kein Christ oder Moslem. Natürlich auch kein Jude oder Buddist. Er war nur Nazi. Das reichte damals aus. Aber das wissen nur Leute, die auch mal etwas nachlesen. Mach dir also keine Sorge. Ist schon OK.
Hitler war also auch so ein gläubiger Typ wie Bush. Auch du hast die Gabe so einiges zu sagen, worauf sonst keiner durch vernünftiges Nachdenken gekommen wäre. Es muss sich also bei dir auch um eine Art göttlicher Eingebung handeln. Oh, nein. Jetzt bin ich zu weit gegenagen. Mein Posting ist dahin. Hab dich doch tatsächlich ausversehen mit Bush und Hitler verglichen.
Aber nur zur Aufklärung. Würde Bush den Iran angreifen wollen, hätten sie es getan bevor sie Afganistan und IRak angegriffen haben. Oder grlaubst du die Amis hätten auch erstmal England und Russland vernichtet, bevor sie Hitler angreifen. Na ja. Das sind warscheinlich zu komplizierte schlussfolgerungen für dich. Mach lieber mit deinen Hitlervergleichen weiter. Und jammare Saddam hinterher. Das mcht großen eindruck.
Aber sei dir bewußt, dass alles was im Internert seht noch in 200 Jahren abrufbar sein wird. Dein Buch natürlich nicht. Das ist in ein paar Monaten vergessen.
Beitrag von gf / Veröffentlicht um 21:59 - 17.04.07
Merkwürdige Beobachtung meinerseits. Seit Achmadinetschad die Soldaten-"Geiseln" im Iran "begnadigt" hat, ist die Spannung plötzlich "raus". Nicht, daß ich auf einen Knall hingefiebert hätte - es ist nur eine Beobachtung.
Das EhNaMag schreibt also wie gehabt über totale Belanglosigkeiten (heute zum Beispiel: Tödliche "Buback-Salve" an der Ampel, Merkel kuschelt, Wie Knut sind sie, Schimpanse schlägt Menschen, mysteriöser Physiker-Schabernack, Drängeln im Stadtverkehr), und die GPS-Schmierereien bzgl. Grenzverletzung in Photoshop haben Pause. (Hergestellt übrigens in diesem häßlichen Logen-Gebäude in London Docklands ;-)). Auch sonst ist eine merkwürdige Lethargie in Sachen 9-11 Aufklärung zu beobachten. In meinem Umfeld heisst es unisono, das Thema wäre sowieso gegessen und läge sechs Jahre zurück. Da sei es doch mittlerweile erst recht und sowieso total egal, wer und was ggf. dahinterstecke... na toll.
Auch ansonsten ist ein seltsamer allgemeiner Stimmungsumschwung festzustellen. Die Leute scheinen sich noch einen Tick mehr um sich selbst zu drehen. Selbst Bröcki hat früher mehr gepostet (soll keine Wertung sein, sondern eine bloße Tatsachenfeststellung).
Jedoch: die allgemeine Realitätsverweigerung und -müdigkeit steigert sich doch damit nur noch mehr, meine Meinung. Oder? Wohin soll das führen? Ich habe keinen blassen Schimmer, nur ein sehr ungutes Gefühl.
gf
Beitrag von f / Veröffentlicht um 22:11 - 17.04.07
@Daniel Kulla: Du infragestelltest: daß "das blutigste Massenvernichten heute von den neocons ausgeht" + verlinktest die antidt. (neufaschistische!) classless Kullas Seite.
Antwort:
Die »Antideutschen« sind ein Produkt der postmodernen Zerstörung der Vernunft und ein Instrument der Gegenaufklärung. Sie sind Feinde der Arbeiterbewegung und des Sozialismus, der Aufklärung und des Humanismus. Sie sind keine verirrten Linken, sondern neue Rechte, durch und durch rassistisch, eine reaktionäre Strömung. Wer Aufklärung und Emanzipation verteidigen, wer der Zerstörung der Vernunft und des Antifaschismus entgegentreten will, muß die »antideutsche« Ideologie entschieden bekämpfen.
Koordinierte Entsorgung des Antifaschismus
60 Jahre nach der Befreiung Europas vom braunen Terror greift der Geschichtsrevisionismus auf allen Ebenen um sich. Neben entsprechenden Interventionen von Staats wegen sorgen mit den »Antideutschen« auch vermeintlich linke Gruppen für die Umdeutung der Vergangenheit – mit dem Ziel einer Mobilisierung zu neuen imperialistischen Kriegen
Nachdem 1990 die Idee des Sozialismus durch das Scheitern seiner Realisierungsversuche hinlänglich diskreditiert schien, freute sich Francis Fukujama über das »Ende der Geschichte«. Ein anderer Bestsellerautor namens Samuel Huntington lieferte die Vorlage, nach der die künftigen Kriege aufzuzäumen seien: den »Zusammenprall der Zivilisationen« resp. Kulturen. Dem entsprach das folgende Ersatzfeindbild Islam mitsamt »Schurkenstaaten«, »Achse des Bösen« und dem permanenten »Krieg gegen den Terror«.
Unabhängig von Bestsellerlisten waren die berufenen Meinungsbildner bemüht, ein möglichst dauerhaftes geistiges Klima zu schaffen, in dem kein Gedanke an Sozialismus, ja nicht einmal an progressive Gesellschaftsveränderung mehr denkbar sein sollte.
Dazu sollte in Deutschland die juristische »Aufarbeitung« der sogenannten SED-Diktatur als eines unhinterfragbar als Unrechtsstaat zu klassifizierenden Gebildes beitragen. Entsprechend den Worten des Dienstherrn Klaus Kinkel anläßlich eines Deutschen Richtertages machte sich die vorgeblich unabhängige Justiz an die Umsetzung seines Auftrages, die »Delegitimierung der DDR mit juristischen Mitteln«. In der Folge entstand das geflügelte Wort, daß die bundesdeutsche Justiz als Wiedergutmachung des eigenen Versäumnisses, nicht einen einzigen Nazijuristen jemals belangt zu haben, nun aber wenigstens keinen Kommunisten ungeschoren davonkommen lassen wollte.
Friedensgebot abgewickelt
Zum Programm der Delegitimierung gehörte es, die politische und militärische Führung des untergegangenen Staates anzuklagen, dem damit posthum die Eigenschaft als Völkerrechtssubjekt abgesprochen wurde. (Wo doch die BRD keine Sekunde früher Mitglied der UNO werden durfte als die DDR.) Oder aus anderer Perspektive betrachtet: Das nach dem Sieg der Antihitlerkoalition neu begründete Völkerrecht wurde vom wiedervereinigten Rechtsstaat umgehend mit Füßen getreten. Zu den besonders zynischen Leistungen zählt hierbei, die DDR einerseits als Staat des »verordneten Antifaschismus« zu beschuldigen, andererseits DDR-Urteile gegen Naziverbrecher aufzuheben, um schließlich der DDR wegen der nach ihrem Ende in Erscheinung getretenen Neonazis mangelnde antifaschistische Effektivität vorzuwerfen.
Ein zentrales Anliegen ist, zu verdrängen, daß sich die Deutsche Demokratische Republik ab 1949 als Bollwerk im Kampf gegen die alt- und neonazistischen Kräfte in der BRD erwiesen hatte. Angesichts der bundesdeutschen Realität soll vergessen gemacht werden, daß zu den Verpflichtungen Deutschlands nach der Befreiung vom Faschismus die Enteignung der Kriegsverbrecher und die Überführung der Schlüsselindustrien in Gemeineigentum gehörte. Darüber fanden auch in Hessen und Nordrhein-Westfalen Volksabstimmungen statt – um deren Ergebnis sich freilich niemand scherte. Kraft alliierter Bestimmungen gehörten dazu weiter die Verpflichtung zur Demilitarisierung ebenso wie das Verbot faschistischer Organisationen. Die Nichterfüllung all dieser Prinzipien wurde geradezu als Ausweis eigener »Freiheit« ausgegeben und ist heute zugleich Veranlassung, die geschichtliche Rolle des antifaschistischen deutschen Staates zu negieren.
Aus volkspädagogischer Fürsorge wurden die bisherigen Mahn- und Gedenkstätten der DDR zu Gedenkstätten reduziert, der Aufgabe des Mahnens enthoben, das Gedenken hingegen auf die in der sowjetischen Besatzungszone umgekommenen Nazis ausgedehnt, die auf Beschluß aller vier Alliierten nach 1945 interniert worden waren. Zugleich wurde entdeckt, daß etwa der jüdischen und homosexuellen Opfer des Faschismus in der DDR nicht hinreichend gedacht worden sei, weswegen nun ausgleichend die Erinnerung an den politischen Widerstand zurückgedrängt werden soll. Ja, dem Widerstand der Kommunisten wurden gar »niedrige Beweggründe« untergeschoben, da diese ja nur eine »Diktatur unter anderen Vorzeichen« zu errichten trachteten. Im Ergebnis war der Widerstand organisierende Kommunist im KZ kaum besser als sein SS-Bewacher, und eine militärische Selbstbefreiung der Häftlinge im KZ Buchenwald durfte es auch deshalb nicht gegeben haben, damit die befreiende Tat der US-Army vorbehalten bliebe.
Inzwischen ist um den 8. Mai 1945 und die Deutungshoheit über diesen Tag die »Erinnerungsschlacht« (Norbert Frei, Die Zeit, 21.10.2004) entbrannt. »Untergang« scheint 2005 die bevorzugte Formel für das zu sein, was man nicht als Befreiung begreifen kann. Schon im Vorfeld wurden die Jahrestagsfeierlichkeiten zum »D-Day« mit großem Getöse inszeniert, auf daß der Hauptanteil der Roten Armee an der Befreiung möglichst in Vergessenheit gerate; wie schon in gewohnter Weise der Widerstand auf die Militärs um Stauffenberg reduziert wurde. Und aus tagespolitischen Gründen müssen offenbar die Bürger aus Neufünfland daran erinnert werden, daß sie ja erst 1989 »richtig befreit« wurden.
Selbst 60 Jahre danach fällt es den ultrareaktionären Kräften immer noch schwer, die »Niederlage« 1945, die sie völlig authentisch als solche und als die ihre empfinden, zu akzeptieren. Das schlägt sich in Sätzen nieder wie dem (inzwischen revidierten) aus der Berliner Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf: »Der 8. Mai 1945 steht neben der Befreiung vom totalitaristischen Naziregime auch für den Schrecken und das Leid der Bevölkerung, den die Rote Armee von Ostpreußen bis nach Berlin zu verantworten hat.«
Aber wer nahm Anstoß an der Erklärung der deutschen Bischöfe, welche diese zum 60. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 2005 unters Volk brachten: »Es war die Rote Armee, die die noch lebenden Opfer der Lager in Auschwitz befreite. Wir verkennen nicht die furchtbaren Folgen, die die Eroberung weiter Teile Deutschlands durch die Rote Armee für die dortige Bevölkerung mit sich brachte. Von ihrer Führung ermutigt, für die ungeheueren Verbrechen der Deutschen an der russischen Bevölkerung Rache zu nehmen, standen sowjetische Soldaten nicht nur im gerechten Kampf gegen Hitler, sondern auch im Dienst der Verbrechen Stalins.« Diese skandalöse Offenbarung wurde bis dato noch nicht zurückgenommen. Es hat nicht einmal jemand eine Entschuldigung gefordert.
Wieder im Vollbesitz seiner Kräfte, schickte sich Deutschland 1990 umgehend an, mittels Zerschlagung Jugoslawiens seinen traditionellen Hinterhof zu besetzen und außenpolitische Souveränität zu erlangen. Beim blutigen Finale im Verein mit den USA bei der NATO-Aggression 1999 wurde die antifaschistische Verpflichtung »Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!« entsorgt und durch Joseph Fischers »Nie wieder Auschwitz« ersetzt, was für die rosa-olivgrüne Bundesregierung bedeutet: Überall, wo nach ihrer bescheidenen Auffassung ein »neues Auschwitz« droht, wird dies durch »präventive Angriffskriege« verhindert. Auschwitz wird überall dort mal eben neu erfunden, wo man die Bundeswehr aufmarschieren lassen will. Eine solch infame Relativierung des faschistischen Judenmordprogramms, und zwar regierungsamtlich, war bislang präzedenzlos. Diese neue Auschwitz-Lüge, wie Überlebende des Vernichtungslagers die neue Unverschämtheit nannten, stellt einen Meilenstein bei der staatsoffiziellen Liquidierung des Antifaschismus dar.
Sie wird ergänzt durch ungezählte Maßnahmen zum Abbau demokratischer Rechte, den Trend zur Totalüberwachung und Erfassung von immer mehr personenbezogenen Daten, die Aufweichung der Trennung von Polizei und Geheimdiensten sowie durch die Weigerung, dem verfassungsmäßigen Verbot aller faschistischen Organisationen Geltung zu verschaffen. Um diese Untätigkeit zu kaschieren, werden Katastrophen wie das gescheiterte NPD-Verbot inszeniert.
Fallweise flankiert durch Empörungsrhetorik und Aufrufe zu »Aufständen von Anständigen« – die hauptsächlich der Absicherung der deutschen Exportquote dienen –, wird beharrlich an einer neuen Sinngebung von »Antifaschismus« gearbeitet. Herauskommen soll ein nicht wiederzuerkennender »Antifaschismus« als Staatsideologie, der von allen ursprünglichen Inhalten, besonders des Antikapitalismus und Antirassismus, »befreit«, auf die Hinnahme von Repression nach innen – Demokratieabbau plus soziale Deklassierung – sowie kriegerischen Abenteuern nach außen gerichtet ist.
Liquidatoren von »links«
Die Abwicklungsversuche des Antifaschismus von rechter und reaktionärer Seite verlangen zwecks umfassender Wirksamkeit der Ergänzung »von links«, von vermeintlich links. Denn von der FAZ bis zu »Verfassungsschutz«-Berichten wird übellaunig vermerkt, daß der Antifaschismus als letzte Domäne der Linken übriggeblieben ist. Also muß ihr zumindest die Deutungshoheit entwunden werden.
»Nie wieder Deutschland!« – »Kein 4. Reich!« 1990 erklangen solche Parolen auf Demonstrationen gegen die sogenannte Wiedervereinigung, und angesichts der neuen nationalen Besoffenheit war mancher Linke geneigt, ihnen mit Sympathie zu begegnen. Das änderte sich, als große Teile dieser Strömung beim Weltordnungskrieg gegen den Irak 1991 Partei für die Aggressoren ergriffen.
Personell und politisch speiste sich die »antideutsche« Bewegung aus Zerfallsprodukten der »Autonomen« und »undogmatischen Linken« im universitären Milieu, die sich anschickten, den letzten verbliebenen Hort der Linken, den Antifaschismus, zu besetzen und ihrem Verständnis gemäß umzuformen. Ihre Leitmedien sind Bahamas (für die Hartgesottenen) sowie, etwas softer, Jungle World und konkret.
Obwohl überzeugt prokapitalistisch, bestenfalls reformistisch, huldigen viele »Antideutsche« einer ausgesprochen linksradikalen Rhetorik, nehmen das Attribut »kommunistisch« für sich in Anspruch und operieren mit marxistischen Versatzstücken. Das ist weniger Selbststilisierung als Mittel zum Zweck: Die Politische Ökonomie wird auf Wertkritik reduziert und geschlußfolgert, daß der Widerspruch zwischen Tauschwert und Gebrauchswert sowie der Fetischcharakter des Geldes die antikapitalistischen Bewegungen dazu verleitete, anstelle des Kapitalverhältnisses die Kapitalisten anzugreifen. Genau dies sei, und das ist der Dreh- und Angelpunkt für diese Experten, »antisemitisch«.
Soziale Proteste werden von den »Antideutschen« denunziert als angeblich vom antisemitischen Bild der »guten ehrlichen Arbeit« geleitet. Die Darstellung des Kapitalismus in der antijüdischen Propaganda als schachernd und wuchernd wird nicht kritisiert, sondern einfach umgedreht und affirmiert. Nach dieser verqueren Logik werden die Terrorakte gegen das World Trade Center am 11.9.2001 in New York als »antisemitische Massaker« (Bahamas, 13.3.05) deklariert. Wer so halluziniert, macht sich selbst das antisemitische Stereotyp von der angeblich die Welt beherrschenden reichen jüdischen Mafia zu eigen. Damit wird der eigene unaufgearbeitete Antisemitismus in alle Welt hineinprojiziert.
Schließlich stimmen die bisher bekannten Geschichtsrevisionisten und die »Antideutschen« darin überein, die großkapitalistischen Eliten von der Schuld freizusprechen, den Faschismus an die Macht geschoben zu haben. Täter waren »die Deutschen«, ein biologisches Kollektiv, ohne Unterschied zwischen Krupp und Krause; der Klassencharakter des Faschismus wird entsorgt. Aus diesem Grund ist es bei traditionellen wie neuen Geschichtsrevisionisten verpönt, die Barbarei beim Namen Faschismus zu nennen: Sie bevorzugen »Nationalsozialismus«, die Eigenwerbung der NSDAP-Marketing-Experten. Und die deutschen Opfer des Faschismus – Juden ausgenommen – werden unterschiedslos zu Nazis umgelogen.
Krieg – ja bitte!
Aber auch der Protest, der sich gegen Krieg wendet, wird als deutsch und somit antisemitisch und tendenziell »nationalsozialistisch« verdammt. Nach Auffassung der »Antideutschen« liegt der Friedensbewegung und Globalisierungskritik Antiamerikanismus und damit ein säkularisierter Antisemitismus zugrunde. Sich davon abgrenzend, kommen sie geradewegs zur Propagierung des American way of life, mitsamt allen ideologischen Versatzstücken: die USA als »Leuchtturm der Freiheit«, als Hort des Universalismus und der freien Entfaltung des Individuums. Der so verehrten Führungsmacht der freien Welt werden die Weltordnungskriege nicht nur nachgesehen, vielmehr wird ihnen heftig applaudiert, und es werden neue Kriegszüge angemahnt: »Regimechange statt Dialog!« lautete die Kampfparole gegen die Frankfurter Buchmesse 2004, weil die als Ehrengast die Arabische Liga geladen hatte. In ihrer Kriegsbegeisterung sind die »Antideutschen« so unerschütterlich wie in ihrem Glauben an die Schaffung von Demokratie durch US-Bomben. Die Bombardierung des Irak erscheint ihnen als antifaschistische Tat, die nur von Nazis kritisiert werden könne. Folgerichtig lautet ihr Sprechchor: »USA – Antifa!«
Wer das anders sieht, »denkt deutsch«. Sogar New Yorker Friedensdemonstranten wird deutsches Denken unterstellt. Und gemäß der Order von Bush junior ist gegen uns, wer nicht für uns ist. Wer in die Mobilmachung zum Angriffskrieg nicht einstimmt, outet sich damit als Antisemit, da hilft auch keine »nonkonformistische Tarnung«. Zum Beispiel die Punks: »Vor allem nach 9/11, im Verlauf des Afghanistan- und Irak-Krieges, wurde die Punkszene zum Lautsprecher des deutschen Mehrheitsempfindens: Punkkonzerte verwandelten sich in faschistoide Gemeinschaftserlebnisse, bei denen Fäuste gereckt, ›Amis raus!‹ und ›Fuck Bush!‹ gerufen wurde. Punks uniformierten sich mit T-Shirts, die das Konterfei George W. Bushs und die Aufschrift ›International Terrorist‹ trugen.« Und das Punkmagazin Plastic Bomb habe »sich zum antiamerikanischen Kampfblatt entwickelt, in dem Kolumnisten, Interviewer und Rezensenten im Vierteljahrestakt ihre Aufnahmeanträge in die Volksgemeinschaft formulieren. Deutsche Punkrocker entpuppen sich damit als ordinäre Kämpfer für die Reinhaltung der deutschen Kultur« (Bahamas 46/2005).
Neben jubelnder Zustimmung für US-Kriege haben die »Antideutschen« noch einen programmatischen Schwerpunkt, und der heißt »Solidarität mit Israel«. Die gilt absolut und um jeden Preis und bedeutet Solidarisierung mit jedem Verbrechen, Mord (»gezielte Tötungen« genannt), mit Staatsterror und Apartheidpolitik. Niemand, schon gar kein Angehöriger des biologischen Kollektivs »die Deutschen« hätte ein Recht, die israelische Politik zu kritisieren. Denn damit würde Israel das Selbstverteidigungsrecht abgesprochen, also das Existenzrecht, und darin zeige sich der Vernichtungswillen der Kritiker gegenüber »den Juden«.
Wer die israelische Besatzungspolitik in Palästina rassistisch und völkermörderisch nennt, tut dies nach »antideutscher« Auffassung nicht nur aus einer Haltung des »Vernichtungs-Antisemitismus« heraus, sondern er betreibt eine Gleichsetzung israelischer Politik mit jener Nazideutschlands, um so seinen tiefsitzenden Schuldkomplex durch Projektion abzutragen. Während also Kritik an Israel der Abtragung deutscher Schuld dienen soll und jeder vermeintliche Verstoß gegen das Gebot »Du sollst nicht vergleichen« rigoros denunziert wird, sind die Herrschaften sich selbst gegenüber keineswegs so streng: Begeistert skandierte man die Hitler verharmlosende Parole »Saddam gleich Hitler«, und als israelische Truppeneinheiten Arafats Regierungssitz zusammenschossen und monatelang blockierten, heftete man dem Gebäude die Bezeichnung »Führerbunker zu Ramallah« (Bahamas 38/2002) an!
Rassismus pur
Um die Politik der israelischen Regierung gegenüber Kritik zu immunisieren, wird letztere kurzerhand als antisemitisch in die Nähe einer Straftat gerückt. Das ist eine Verhöhnung all der Menschen, die sich ernsthaft gegen Antisemitismus engagieren. Mit Hilfe des falschen, heuchlerischen Antisemitismusvorwurfs wird eine ernsthafte und tiefgreifende Kritik des Antisemitismus verhindert. Der Vorwurf wird so inflationär gebraucht, daß er sich selbst entwertet und ins Unernsthafte umschlägt. Derart unbrauchbar gemacht, steht er gegen den realen rassistischen Judenhaß nicht mehr zur Verfügung.
Begleitet wird der vorgebliche Kampf gegen Antisemitismus von antiarabischem Rassismus und Islamophobie. Ausgeblendet wird hierbei, daß Antiorientalismus und Antiislamismus seit langem integraler Bestandteil der Ideologie von Reaktionären und Faschisten sind. Auf fruchtbaren Boden fällt der »antideutsche« Rassismus insbesondere wegen der permanenten Panikmache vor den »islamischen Terroristen«, wobei die so erzeugten Ängste letztlich die Kriegsbereitschaft für den weltumspannenden »Antiterrorkampf« befördern sollen.
Für wen Israel den Hort der Zivilgesellschaft symbolisiert, dem erscheinen dessen Nachbarn als primitive Horden barbarischer Moslems. Diese Unzivilisierten sollen mit Bomben und Granaten zivilisiert werden, danach können sie Aufklärung und Demokratie aus der Hand einer gütigen Kolonialdiktatur empfangen.
Nach »dem Franzosen« als typischem Vertreter des »alten Europa« und dem New Yorker Friedensdemonstranten erscheint insbesondere »der Araber« als ein Mensch »deutschen Geistes« und Träger »deutscher Ideologie«. Selbst jüdische Menschen entgehen dieser Zuordnung nicht, wenn sie nicht den »antideutschen« Vorstellungen davon entsprechen, was »richtige Juden« zu denken haben. Davon zeugen die teils jahrelangen Hetzkampagnen gegen jüdische Wissenschaftler, Intellektuelle und Künstler wie Moshe Zuckermann, Moshe Zimmermann, Uri Avneri, Irit Katriel, Felicia Langer, Michael Warschawsky, Gilad Atzmon, Amira Hass, Shraga Elam und viele andere, die es wagen, sich dem zionistischen Mainstream zu widersetzen und dafür wegen »nichtjüdischer« Ansichten angegriffen werden.
Da die »Antideutschen« ihr inquisitorisches Gehabe ausschließlich gegen Linke richten, hat der tatsächlich vorhandene Faschismus Schonzeit. Ihre Aufgabe sehen sie darin, alle Kritiker Israels, alle Gegner von US-Kriegen, alle Kritiker imperialistischer Globalisierung als Antisemiten zu stigmatisieren. Damit sind sie absolut kompatibel zum rechten Mainstream, der seinerseits darauf aus ist, Antiimperialismus als ein Projekt von Neonazis zu denunzieren.
So kommentierte die FAZ vom 12.9.2004 unter der Überschrift »Anschluß gefunden«: »Das möchte nun freilich keiner der Wortführer von links wahrhaben: daß ihr Dauerprotest eine Projektionsfläche geboten hat, auf der die antiimperialistischen, globalisierungskritischen und Sozialneid schürenden Parolen der Rechtsextremen mühelos Anschluß fanden.« Früher galt den reaktionären Medien »Sozialneid« als Spezialität der Gewerkschaften, heute wird Globalisierungskritik und Antiimperialismus den Neofaschisten »übereignet«. Darin sind sich FAZ und »Antideutsche« also einig. Die dahinterstehende Absicht ist unverkennbar: jeden sozialen Widerstand zu ächten und ihn mit dem Nazismus in Verbindung zu bringen. Der wird damit am Ende verharmlost und die rechte Demagogie salonfähig gemacht: Denn wenn zwischen Nazis und den Protestierenden auf den Montagsdemonstrationen kein wesentlicher Unterschied besteht, dann erscheinen die braunen Barbaren am Ende als halbwegs respektable Erscheinungen.
Während Joseph Fischer mit seiner Mutation vom bösen Steinewerfer zum hochgeschätzten Bombenwerfer den offenen Übergang auf die Seite des vorläufig siegreichen Imperialismus verkörpert, kommt den »antideutschen« Nachläufern die Aufgabe zu, die verbliebenen Reste der Linken zu verwirren, zu spalten und sie schließlich auf der »richtigen« Seite der Weltordnungskriege, der Seite der USA, in Stellung zu bringen. Das zu ignorieren wäre ebenso sträflich wie die Hinnahme ihrer permanenten rufmörderischen Denunziationskampagnen.
Die »Antideutschen« sind ein Produkt der postmodernen Zerstörung der Vernunft und ein Instrument der Gegenaufklärung. Sie sind Feinde der Arbeiterbewegung und des Sozialismus, der Aufklärung und des Humanismus. Sie sind keine verirrten Linken, sondern neue Rechte, durch und durch rassistisch, eine reaktionäre Strömung. Wer Aufklärung und Emanzipation verteidigen, wer der Zerstörung der Vernunft und des Antifaschismus entgegentreten will, muß die »antideutsche« Ideologie entschieden bekämpfen.
veröffentlicht in: www.jungewelt.de/2005/04-08/003.php (kostenpflichtig)
Beitrag von Daniel Kulla / Veröffentlicht um 09:29 - 18.04.07
@f Wenn Sie Behauptung nicht zurücknehmen, bei meinem Blog würde es sich, bloß weil Klaus Hartmann und seine durchgeknallten Freidenker es so sehen, um eine "neufaschistische" Seite handeln, halte ich jede weitere Diskussion für zwecklos.
Ich verstehe mich als Antifaschist, aber nicht im SED-Jargon-Sinn wie bei Hartmann und den Altkadern von der jW, sondern im Sinne einer Gegnerschaft gegen jeglichen Faschismus. Mit dieser Position habe ich in Deutschland nur unter einigen Antideutschen, ein paar Liberalen und wenigen anderen Linken Verbündete.
Beitrag von enri / Veröffentlicht um 16:57 - 23.04.07
@Kulla
mach dir mal keine Sorgen. der Typ ist eine Hirni.
wer kann den sonst so viel uninteressantes in einen Kommentar schreiben.
"neufaschistische" ist ja peinlich, das heißt NEO....
aber der Spruch ist ja Herrlichst:
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Du infragestelltest: daß "das blutigste Massenvernichten heute von den neocons ausgeht" + verlinktest die antidt. (neufaschistische!) classless Kullas Seite.
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ne, Großhirn und Meister "F".
Wir infragestellen: Dass du eine Person bist, die man ernstnehmen kann.
und ich würde die Seite von Braunhirn als neuneofaschistisch einstufen. Also eine neuere Version des NEOFashismus. Ganz neu so zu sagen. So neu, dass die selber noch nicht merken, dass sie Rechst sind. Die Nazis dachten ja auch sie wären links und sozialistisch. so Links, dass sie halt recht wieder rausvielen.
Was auf Bröckers und alle pseudo-intellektuel-linken meistens zutrifft. REcht wieder rausfallen.
möchtegern Gute, ohne viel nachdenken zu wollen.
Und nicht wieder meine Kommentare auslassen Bröckers!!!!
Oder schreib eine HowTo, was man wie schreiben darf in deinem Blog.
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