Mathias Bröckers
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Writersblog von Mathias Bröckers.
8. September 2010
Neun Jahre 9/11
Der Jahrestag nähert sich und wie das im leidigen, aber kaum zu ändernden Kalenderjournalismus so ist, gibt es ein bißchen Aufmerksamkeit für ein Thema, das eigentlich nie aus den Schlagzeilen hätte verschwinden dürfen, denn der Massenmord des 11.9.2001 ist bis heute nicht aufgeklärt. Für einen Artikel und ein Interview habe ich jetzt noch einmal die Texte gelesen, die ich in den Tagen danach geschrieben habe. Dass daraus die Serie "The WTC Conspiracy" werden und später ein Buch werden sollte, war weder geplant noch beabsichtigt. Ich hatte im Sommer 2001 begonnen, ein Buch über Verschwörungen und Verschwörungstheorien zu schreiben, die ich strukturell und anhand historischer Beispiele untersuchen wollte. Die Anschläge am 11.9., eine aktuelle Verschwörung, und die sofort aus dem Hut gezogene Theorie (Osama war's!), lieferten dann sozusagen live und auf freier Wildbahn ein Anschauungsbeispiel dafür, wie Verschwörungstheorien propagandistisch genutzt werden. Es war also ein Zufall, dass ich die Ereignisse von der ersten Minute an aus einem anderen Blickwinkel betrachtete - und von diesem verschwörungstheoretischen Aussichtspunkt den Braten gleich riechen konnte. Und es war ein historisches Novum, dank des Internets dieser Witterung auch gleich nachgehen zu können und die Fundstücke sofort zu publizieren. Beim Wiederlesen des WTC-Tagebuchs stellte sich diese erste Spurensuche jetzt als erstaunlich treffsicher heraus; vieles was damals mit Fragezeichen und im Konjunktiv formuliert war ist mittlerweile Gewissheit - und ebenso viele der schon in den ersten Tagen aufgezeigten Ungereimtheiten und Fragen sind nach wie vor ungeklärt. Abgesehen von dem bisweilen polemischen Ton, den ich heute vielleicht vermeiden würde - aber hey, wer sich verarscht vorkommt reagiert eben auch emotional - abgesehen davon gibt es in der Sache kein Wort zurückzunehmen. Es braucht kein Intelligenz-Gen, sondern nur einen IQ über Zimmertemperatur um das Höhlenmärchen von Osama und den 19 Teppichmessern als Räuberpistole zu erkennen. Viel schwieriger ist es, sich mit dieser Erkenntnis bewußt zu konfrontieren, den was bedeutet es, wenn 9/11 ein inside-job war ? Unsere demokratischen Repräsentanten begehen Massenmorde um ihre politischen Ziele zu realisieren ?? Die "vierte Säule der Demokratie" – die freie Presse – verbreitet tatsächlich über Jahre hinweg eine Verschwörungstheorie als historische Wahrheit ??? Das ist zu ungeheuerlich, das kann nicht sein, das darf nicht sein. "Wir haben von nichts gewußt!" - werden die Historiker der Zukunft von irgendwelchen Greisen, den letzten Überlebenden der 9/11-Generation, dereinst zu hören bekommen, wenn nach Sichtung der für Jahrzehnte geheimgehaltenen Dokumente und Akten der inside-job irgendwann defintiv aufgeklärt wird. Hier sei, for the record, nur festgehalten: Man konnte es schon damals wissen, man wollte nur nicht hinschauen.
24. August 2010
9/11 - Die wahre Geschichte.
Das ZDF zeigt heute abend um 20.15 "Der 11. September - Die wahre Geschichte" - eine Dokusoap mit tollen Spielszenen, echten "Terrorismusexperten" und dazwischen gestreuten Realitätspartikeln. Das Märchen von Osama und den 19 Teppichmessern, inszeniert anhand der Geschichte des FBI-Terrorchefs John O'Neill, der von der Fahndung nach Bin Laden abgezogen wurde und als Sicherheitschef des WTC nach einer Woche im neuen Job um's Leben kam. Am 24.11.2001 hatte ich auf das Schicksal O'Neills in einem Nachruf aufmerksam gemacht - und mir damals Oliver Stone als Regisseur für "WTC-Conpsiracy" gewünscht, mit dem kaltgestellten Bin-Laden-Jäger O'Neill als Protagonisten."Das größte Hindernis bei den Ermittlungen gegen islamistische Terroristen" , so hatte O'Neill gesagt, "waren die Interessen der US-Ölkonzerne und die Rolle Saudi-Arabiens." Der Wunsch ging nicht in Erfüllung, in dem belanglosen 9/11-Film, den Stone machte, kam nichts davon vor. Dafür hat nun die ZDF-Redaktion des Historykers Guido Knopp ihre "wahre Geschichte" an O'Neill aufgezogen - und wer genügend Speikübel bereit hat, möge sie sich antun. Ich konnte das nur mit einigen Unterbrechungen. Man ist ja vom Medienbordell einiges gewöhnt - aber so dumpf und blöde, das tut schon weh. Viel spannender als die sich als Doku ausgebende Märchenstunde im ZDF ist dann doch der Thriller von Dirk Gerhardt, der sich ebenfalls des Schicksals O'Neills annimmt - als Fiktion, aber mit Sicherheit näher an der "wahren Geschichte": "Nanospuren"
P.S.: Dirk Gerhardt hat in einer detaillierten Analyse den Human-Touch-Schwurbel von ZDF & Spiegel TV dann auch gleich zerpflückt: http://www.habiru.de/Dirk_Gerhardt/ZDF-ONeill-Version1.pdf
20. August 2010
Karl Wegmann R.I.P.
Die taz war 1979 die erste Zeitung in Deutschland, die auf Computern gesäzzt wurde. Hard,- und Software steckten noch in den Babyschuhen und oft genug blieben die Rechner einfach hängen. Fehlermeldungen, wie heute üblich, gab es noch nicht, stattdessen blinkten auf den kleinen Bildschirmen in grüner Schrift zwei Worte "Karl fragen!" Karl Wegmann war Säzzer und weil er sich in "Alfa"-Computer am Besten eingefrickelt hatte, der erste "Production-Controller" (PC) der taz, er war fast immer da und wenn man ihn fragte brachte er die Mühlen wieder zum Laufen.Wenn man als Redakteur den Sazzschluß überschritten hatte, weil das Manuskript zu spät gekommen war, mußte man den Text oft selbst abtippen, was als erzieherische Maßnahme der SäzzerInnen gedacht war. Und spätestens dann, wenn es eh schon brannte, stürtzte natürlich auch noch der Rechner ab. Oft habe ich nach Karl dann nicht nur gefragt, sondern geschrieen und gefleht - und Karl war die Rettung. Als zehn Jahre später die Idee aufkam eine satirische letzte Seite der taz ins Leben zu rufen, war Karl mein erster Mitstreiter. Die Politköpfe des taz-Kollektivs davon zu überzeugen, war nicht leicht, und ohne Karl wäre es nicht durchsetzbar gewesen. So aber bekamen wir eine knappe Mehrheit und konzipierten 1990/91 "Die Wahrheit" - bis heute die nach der Titelseite meistgelesene Seite der taz und bis heute in nahezu unverändertem Layout. Nicht nur in dem Cartoon von Tom Körner, den Karl erstmals ins Blatt hievte, sind diese Spuren nachhaltig sichtbar.Ohne multitaskfähige Menschen wie ihn wäre die taz nie aus den Puschen und die "Wahrheit" nie ans Licht gekommen. Farewell Karl!
17. August 2010
Hanfmedizin endlich rehabiliert...
... aber noch immer bleibt der Anbau des natürlichen Krauts verboten.Auch für Patienten. Am Dienstag hat die Regierungskoalotion beschlossen, Medikamente, die Cannabis enthalten, in Deutschland als Schmerzmittel zuzulassen. Die bekamen bisher in Deutschland gerade mal 38 Patienten nur mit einer Sondergenehmigung. Das Bundesgesundheitsministerium begründete die Änderung des Betäubungsmittelgesetzes mit einem "gewandelten wissenschaftlichen Erkenntnisstand" – zumindest die Wirkung von Cannabis bei multipler Sklerose wird hier mittlerweile anerkannt. Außerdem darf man künftig Cannabismedizin in Deutschland herstellen – allerdings selbst zu medizinischen Zwecken nicht anbauen. Dazu können lediglich Pflanzen importiert werden. Praktisch dürfen auch Hospize und ambulante Notdienste für Schwerkranke die Medikamente vorrätig halten. Mehr dazu morgen in der taz PS: Von Oliver Tolmein - einem ehemaligen taz-Kollegen der heute als Rechtsanwalt arbeitet (www.menschenundrechte.de) erreichte uns am 18.8. noch folgende Pressemitteilung zum Thema:
Bundesgesundheitsministerium hindert Schmerzpatienten an Zugang zu Cannabis
Entgegen den vollmundigen Erklärungen der Bundesregierung, ist diese nicht wirklich bemüht, für Schmerzpatienten eine bessere Versorgung mit Cannabis zu ermöglichen. Die geplante Änderung des Betäubungsmittelrechts verbessert nach Auffassung von Rechtsanwalt Dr. Oliver Tolmein von der Kanzlei Menschen und Rechte die Lage nur für eine Gruppe von Schmerzpatienten. Gerade für Patienten, die einen besonders hohen Bedarf an Cannabis haben oder die Cannabis aus anderen Gründen selbst anbauen wollen oder müssen, werden die geplanten Änderungen keine Verbesserung bringen. Hier blockiert das Bundesgesundheitsministerium weiterhin eine gute Lösung. In einem derzeit vor dem Verwaltungsgericht Köln laufenden Verfahren hat das Bundesinstitut für Arzneimittel, das der Fach- und Rechtsaufsicht des Bundesgesundheitsministeriums untersteht, einem schwerkranken Schmerz-Patienten untersagt, Cannabis selbst anzubauen (VG Köln, 7 K 3889/09; Widerspruchsbescheid vom 10. August 2010 auf den Widerspruch vom 8. Januar 2008 ). Der Selbstanbau des Antragstellers ist erforderlich, weil bei ihm eine erheblich schmerzlindernde Wirkung nur bei Gebrauch von Cannabis eintritt, Extraktmedikamente wie „Dronabinol" lindern den Schmerz in deutlich geringerem Ausmaß, andere Schmerzmittel zeitigen zwar erhebliche stärkere Nebenwirkungen, aber sehr viel geringere schmerzlindernde Wirkung. Der in Süddeutschland lebende Antragsteller ist seit vielen Jahren auf Cannabis angewiesen, in einem strafrechtlichen Verfahren wurde er trotz Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz unter dem Gesichtspunkt des rechtfertigenden Notstandes freigesprochen (Amtsgericht Mannheim vom 15. Mai 2003). Angesichts des erheblichen Bedarfes an Cannabis (entsprechend einer Monatsdosis von 5.000 mg THC im Monat) würden entsprechende Tropfen oder Medizinalhanf aus den Niederlanden etwa 1500 EUR/Monat kosten. Diese Kosten übernimmt die Krankenkasse nicht – daran wird sich auch durch die geplante Änderung des Betäubungsmittelrechtsnichts ändern. Auch „Sativex", dessen Zulassung vom britischen Hersteller GW Pharmaceuticals für mehrere europäische Länder, darunter auch Deutschland, beantragt worden ist, soll nur für die Behandlung von Spastiken bei multipler Sklerose zugelassen werden – würde also das Dilemma unseres Mandanten nicht lösen. In einem Aktenvermerk des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte wird angesichts dieser Situation festgestellt: „Im Falle des Patienten ist die Erteilung einer Erlaubnis zum Cannabis-Eigenanbau therapeutische begründet und auf Grund seiner prekären finanziellen Situation ohne Alternative." (Bl. 145 der Verwaltungsakte, Vermerk vom 30.7.2009). Ein weiterer Vermerk besagt: „Die vom Antragsteller vorgeschlagenen Sicherungsmaßnahmen werden als ausreichend eingestuft." Der letzte Vermerk der Akte datiert vom 27. August 2009 und besagt: „In dieser Sache muss dem BMG (Bundesministerium für Gesundheit) berichtet werden, bevor positiver Bescheid gefertigt werden kann." Jetzt wurde, nach einer wegen Untätigkeit eingereichten Klage, beim Verwaltungsgericht Köln, ein Widerspuchsbescheid übersandt, der den Eigenanbau untersagt, weil die Sicherungsmaßnahmen unzureichend seien und auch keine finanziellen Vorteile eines Eigenanbaus erkennbar seien, da die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen so teuer seien, dass mit diesen Geldern auch der Erwerb von Medikamenten finanziert werden könnte. Außerdem sehe sich die Bundesrepublik aufgrund internationaler Übereinkommen daran gehindert, den Eigenanbau für Schmerzpatienten zu genehmigen. Eine Lösung für den Antragsteller wird dagegen nicht eröffnet. Rechtsanwalt Dr. Oliver Tolmein (Fachanwalt für Medizinrecht), der diesen Fall gegenüber der Behörde und vor dem Verwaltungsgericht Köln vertritt, kritisiert das Vorgehen von Behörde und Bundesgesundheitsministerium: „Die Ankündigung, dass das Betäubungsmittelrecht geändert werden soll, damit Schmerzpatienten besseren Zugang zu Cannabis-Medikamenten haben sollen, wirkt vor diesem Hintergrund wie billiger Etikettenschwindel. Die Bundesregierung will offenbar mit symbolischer Politik Sympathien werben, statt die Situation der Schmerzpatienten grundlegend zu verbessern."
15. August 2010
„Freiheit ist: nicht tun zu müssen, was man soll"
„Freiheit ist: nicht tun zu müssen, was man soll" - dieser Satz Rousseaus wird zur neuen Regel. Das eigentlich Revolutionäre besteht im Wandel des gesellschaftliche Klimas: Mit 1000 Euro im Monat ist der Mensch von niemandem mehr abhängig, nicht von Familie, Kunde oder Arbeitgeber. Wer die Arbeit nur macht, weil er das Geld braucht, findet jeden Morgen fünf Gründe, nicht aufzustehen. Die habe ich auch, nur fällt mir noch ein sechstes Argument ein, warum ich trotzdem aufstehe: Das ist notwendig, was ich heute mache, das ist sinnvoll für die Welt, das will ich." Sehr schönes Interview mit dem dm-Gründer und Streiter für ein bedingungsloses Grundeinkommen: Götz Werner
11. August 2010
Wenn nichts mehr geht hilft 9/11.
Ääh...warum führen wir in Afghanistan nochmal diesen Krieg ? William Blum hat ein paar aktuelle Antworten zusammengestellt:
Vice-President Joe Biden: "We know that it was from the space that joins Afghanistan and Pakistan that the attacks of 9/11 occurred." Sen. Lindsay Graham (R-SC): "This is the place [Afghanistan] we were attacked from 9/11." Rep. Mike Pence, the third-ranking House Republican, asserted that the revelations in the Wikileaks documents do not change his view of the Afghan conflict: "Back home in Indiana, people still remember where the attacks on 9/11 came from." President Obama a year ago: "But we must never forget this is not a war of choice. This is a war of necessity. Those who attacked America on 9/11 are plotting to do so again. If left unchecked, the Taliban insurgency will mean an even larger safe haven from which al Qaeda would plot to kill more Americans." The president two days after the release of the Wikileaks documents, referring to Afghanistan and Pakistan as "the region from which the 9/11 attacks were waged and other attacks against the United States and our friends and allies have been planned"
Wenn gar nichts mehr geht, 9/11 geht immer. Nie war das Höhlenmärchen von Osama und den 19 Teppichmessern wertvoller wie heute.Denn wenn wir uns zurückziehen bezieht der Höllenscheich in Afghanistan eine noch größere Höhle um noch mehr Amerikaner umzubringen. Und das kann doch wirklich niemand gut finden...
7. August 2010
Copyright & Copywrong.
Dass die Einführung des Urheberrechts zur Blüte der Buchkultur und Literatur sowie zu einer Explosion des Wissens geführt hat, weil nunmehr jedermann geschützte Werke publizieren und somit zum Schreiben animiert wurde - diese Lehrmeinung wird durch eine neue historische Untersuchung erschüttert. Während in England, wo das Copyright schon 1710 eingeführt worden war, ein Jahrhundert später etwa 1000 neue Bücher im Jahr erschienen, waren es in Deutschland über 10.000 Neuerscheinungen. Während so das Agrarland Deutschland, in dem auch das 1837 in Preussen eingeführte Urheberrecht wegen der Kleinstaaterei kaum durchsetzbar war, ein großer Buchmarkt entstand, verödete dieser in England, wo Verleger ihre Monopolstellung ausnutzten und Bücher nur in kleinen Auflagen zu hohen Preisen verkauften. In Deutschland hingegen waren alle Verleger von Plagiatoren und Raubdruckern geplagt und kamen deshalb selbst auf die Idee, neben edlen Folianten preiswerte Volksausgaben herauszugeben. Nur die Abwesenheit des Copyrights, so die These des Wirtschaftshistorikers Eckard Höffner, verdankte Deutschland diese Wissensexplosion, die bis 1900 zum Anschluß an die führenden Industrienationen führte. Im Zusammenhang mit der Debatte um "Leistungsschutzrechte" der Verlage - und der gängigen Hochpreispolitik für e-books, die zum selben Preis wie Taschenbücher angeboten werden - verdient diese historische Arbeit ganz besondere Beachtung - auch wenn sie als Buch zu einem sehr hohen Preis erschienen ist. (Eckhard Höffner: "Geschichte und Wesen des Urheberrechts".Verlag Europäische Wirtschaft, München; 436 Seiten; 68,- Euro )
6. August 2010
Scheichegal - neue Folge.
Langsam kommen wir der Sache näher: der - laut Associated Press - "neue Führer von Al Qaida", Adnan Shukrijumah, soll den bisherigen "Mastermind" Khalid Scheich Mohamed abgelöst haben und einige "potentielle Al-Qaida-Attacken in den USA, England und Norwegen" geplant haben. Außerdem hatte der Schurke auf dem Zettel, im Pananma-Kanal einen Tanker zu versenken. Wow!!! Das FBI sucht ihn angeblich seit 2003 weil er "der einzige Al-Qaida-Führer" sei, der permanent in den USA lebte, insgesamt 15 Jahre lang.Da würde es dann auch nicht mehr überraschen, wenn er wie einige der späteren 9/11-"Hijacker" zufällig auf US-Militärbasen gewohnt hat und ein bißchen trainiert wurde. Aber das werden wir so bald wohl nicht erfahren, denn der Sinn dieses "exklusiven" AP-Artikels ist ja, im Rahmen des Mastermind-Marketings einen neuen "Führer"-Finsterling zu präsentieren um das Terrorgespenst am Leben zu halten. Wenn dann in ein paar Jahren herauskommt, dass auch Shukrijumah so "echt" ist wie OBL und KSM, ist es dann schon wieder scheichegal
4. August 2010
Der Überwachungs-Industrielle-Komplex.
Die in Wiklileaks publizierten Afghanistan-Dokumente, die der US-Soldat Bradley Manning im Irak einem ihm unbekannten Hacker zugespielt haben soll, haben nicht nur eine notwendige Diskussion über den Kriegseinsatz losgetreten, sowie den Skandal, dass ohne Wikileaks Politik und Medien über das Desaster dieses Kriegs weiter geschwiegen hätten - sie haben auch ein mysteriöse Vorgeschichte. Denn der Hacker, Adrian Lamo, dem der US-Soldat per Chat offenbarte, was er vorhatte und dem er die Dokumente angbelich zukommen ließ, arbeitete als "freiwilliger Analyst" für eine Überwachungs-Firma, die im Rahmen eines "Project Vigilant" die Daten von einem Dutzend US-Service-Providern verarbeitet und Behörden und Geheimsiensten zukommen läßt. Welch ein merkwürdiger Zufall. Er bedarf, wie Glenn Greenwald in seinem exzellenten Stück Project Vigilant and the government/corporate destruction of privacy zeigt, der weiteren Analyse - der Abgrund, der sich mit dem Überwachungs-Industriellen-Komplex auftut, ist indessen finster.
26. Juli 2010
Die Afghanistan War Logs
Es ist erst acht Jahre her, doch es kommt einem vor wie die Steinzeit, als Verleger ihre Buchautoren noch darum baten, den Lesern zu erklären, was Google ist. Als ich das Buch "Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9." bei Zweitausendeins veröffentlichte - zuvor waren große Teile davon als Serie schon auf Telepolis erschienen - brach der große Mediensturm gegen "Verschwörungstheorien" los. Das in nahezu jeder Kritik auftauchende Hauptargument gegen das Buch war, dass das ja alles "nur aus dem Internet" stamme - und schon von daher nicht ernst zu nehmen sei. Wie sich die Zeiten ändern, jetzt erscheint das ehemalige Nachrichtenmagazin schon extra einen Tag später, um zusammen mit der NY Times und dem Guardian Dokumente des Afghanistan-Kriegs zu veröffentlichen - die zuvor bei Wikileaks, im Internet, publiziert wurden. Während der "Spiegel" aus dem Material aber nur ein paar Stories generiert, zeigt der Guardian, wie Internet geht und präsentiert die Dokumente auf einer interaktiven Karte : The Afghanistan War Logs. . Nachdem ich etwa zwei Stunden in dem Material gestöbert hatte war mir noch nichts aufgefallen, was wirklich neu wäre: dass Special Forces der USA nicht dem ISAF-Kommando unterstehen sondern auf direkten Befehl aus dem Pentagon "Böse" killen (und dabei reichlich Zivilisten ermorden) ist nicht sonderlich überraschend - sie mußten ja Osama aus Tora Bora auch auf direkten Befehl laufen lassen. Dass der pakistanische Geheimdienst ISI die Taliban unterstützt ist ebenfalls überhaupt kein Geheimnis - es war u.a. schon 2002 in dem oben erwähnten Buch nachzulesen. Heroin ist die wichtigste Einnahmequelle Pakistans und das Opium wächst nun mal bei den Talibs in den Bergen. Das wissen auch die USA - und weil Pakistan anders seine Einkäufe amerikanischer Waffen nicht bezahlen kann ist das jetzt in Washington anhebende Bashing der Pakis wohl eher eine Farce - und keine Exit-Strategie. Dass die Großmedien nun dennoch ein paar schreckliche Details aus einem sinnlosen, ungewinnbaren Krieg veröffentlichen verdankt sich indessen nicht irgendwelchen investigativen Rechercheleistung, sondern dem Vertrauen, das Whistleblower in das Internet, in Publikationsplattformen wie Wikileaks setzen - und das "Spiegel" und Co. mittlerweile verloren haben.
24. Juli 2010
Die Drogenlüge: 100 Jahre Prohibition
Im Jahr 1909 wurde das erste Globalisierungsgesetz auf den Weg gebracht: die Prohibtion von Drogen.Ein Jahrhundert später ist dieses Verbot nicht nur sozial- und gesundheitspolitisch gescheitert, sondern unterminiert durch seine Nebenwirkungen die Rechtsordnung und Gesellschaft in vielen Regionen der Welt. Das ist das Thema meines nächsten Buchs, das im September erscheinen wird: Die Drogenlüge - Warum Drogenverbote den Terrorismus fördern und Ihrer Gesundheit schaden. Im Folgenden ein Auszug aus der Einleitung: Am Anfang war das Drogendelikt. Eva und Adam nahmen von der verbotenen Pflanze und wurden mit der Vertreibung aus dem Paradies bestraft. Theologen mögen einwenden, dass dies eine allzu profane Deutung des Sündenfalls sei, doch wenn wir die Geschichte aus dem Buch Genesis beim Wort nehmen, kann kein Zweifel daran be stehen, dass es sich bei der verbotenen Frucht um eine psychoaktive, bewusstseinsverändernde Pflanze – eine Droge – handelt. Und ebenso klar ist, dass Eva und Adam über ihre Eigenschaften im Dunkeln gelassen wurden: Die Autorität im Garten Eden hatte die Pflanze verboten, weil ihr Genuss angeblich tödlich sei. Mit dieser noblen Lüge – »nobel«, weil Gott per se nur das Beste für seine Ge- schöpfe im Sinn hat, und »Lüge«, weil es sich um Desinformation handelte – steht und fällt die ganze Dramaturgie der Geschichte. Denn was wäre geschehen, wenn Gott die Paradiesbewohner über »Risiken und Nebenwirkungen« des Präparats vom »Baum der Erkenntnis« sachgemäß aufgeklärt hätte? Eines kann man mit Sicherheit sagen: Der Menschheit wäre viel Ärger erspart geblieben. Vielleicht hätten die beiden es erst einmal bei einer homöopathischen Kostprobe belassen, anstatt gleich den ganzen »Apfel« zu essen. Aber selbst wenn sie sich – des ewig harmonischen göttlichen Einsseins überdrüssig – mit einer gezielten Überdosis in die rauhe (aber spannende) Dualität des Erdenlebens geworfen hätten, stünden wir heute besser da. Ohne mythologische Schuld, ohne Erbsünde und ohne einen zürnenden Gott. So aber war Eva auf Arzneimittelinformationen von der Straße angewiesen – Gerüchte einer Schlange statt Aufklärung von einem Arzt oder Apotheker –, und die Katastrophe nahm ihren Lauf. Wir müssen dem Herrn im Garten Eden keine bösen Absichten unterstellen, als er den Baum der Erkenntnis als tödliches Gift deklarierte. Er wollte vermutlich nur das Beste für seine Geschöpfe, doch er erreichte das Gegenteil. Nicht der Genuss der Pflanze, sondern die mit ihrem Verbot einhergehende Desinformation sorgte für den Absturz aus dem Paradies.
Der Rausch und seine Mittel sind so alt wie die Menschheit. Hätte »Ötzi«, der in den Südtiroler Alpen Anfang der neunziger Jahre gefundene »Gletschermann«, die italienisch-österreichische Grenze nicht schon vor mehr als 5000 Jahren, sondern in unseren Tagen passiert – er hätte außer einem Wetterumsturz auch die Drogenfahndung fürchten müssen. In den Taschen des tiefkühlkonservierten Steinzeitmenschen wurden halluzinogene Pilze gefunden, deren Wirkstoffe heute auf dem Betäubungsmittelindex stehen. Hätte unser Gletschermann den Zollkontrolleuren freimütig gestanden, dass er die Pilze regelmäßig konsumiere und einen größeren Vorrat zu Hause hätte, er wäre nach erfolgter Höhlendurchsuchung einem Haftrichter vorgeführt worden. Auf seine Einwendung, dass er auf die Pflanze angewiesen sei – aus medizinischen Gründen oder um spirituellen Kontakt mit dem »Geist der Vegetation« zu halten –, hätte man ihn in die Psychiatrie überwiesen und mit legalen Drogen vollgestopft – aus Ötzi wäre ein »Fall« geworden, eines jener Opfer, zu deren Rettung die Drogenkrieger ausgezogen sind. Ihre grundlegende Idee einer drogenfreien Gesellschaft, so zeigt dieser kurze Rückblick in die Steinzeit, war nicht erst seit den Zeiten der Puritaner falsch, sie widerspricht den Grundtatsachen der menschlichen Zivilisation. Zu allen Zeiten haben Menschen bewusstseinsverändernde, geistbewegende Substanzen zu sich genommen. Zu allen Zeiten gab es Regeln, wie mit ihnen umzugehen ist, und Methoden, wie Missbrauch und Schäden durch diese Substanzen zu vermeiden sind. Doch erst seit etwa hundert Jahren sind einige dieser Substanzen international gea?chtet und werden mit den Mitteln des Strafrechts weltweit verfolgt. Auch diese Verbote waren, wie damals im Garten Eden, durchaus von guten Intentionen getragen, dem Wunsch, die Bevölkerung vor den Gefahren des Missbrauchs und der Sucht zu schützen. Die Beschluesse, die auf dem ersten Treffen der Diplomaten der »Opiumkommission« in Shanghai (1909) und in den anschließenden Konferenzen in Den Haag (1911/12) und Genf (1925) gefasst wurden und später in die »Single Convention on Narcotic Drugs« der Vereinten Nationen (1961) einflossen, waren beseelt von dem Wunsch nach einer »drogenfreien Gesellschaft« und der Überzeugung, diese mit den Mitteln der Kontrolle und des Strafrechts erreichen zu können.(....) Würde man die Väter des Drogenverbots heute mit den Ergebnissen konfrontieren, zu dem ihre Beschlüsse ein Jahrhundert später geführt haben, würden sie wahrscheinlich erschrecken: Was sie als institutionellen Segen der Menschheit auf den Weg gebracht hatten, um zahllose unschuldige Opfer vor der Heimtücke der Drogenabhängigkeit zu retten, hat sich als Fluch erwiesen. Sie haben ein Monster in die Welt gesetzt, das sich, seit US-Präsidenten Richard Nixon es 1971 »War on Drugs« (Krieg gegen Drogen) taufte, zu einer der gefährlichsten Plagen des Planeten ausgewachsen hat. Der Krieg gegen Drogen bedroht die Bürgerrechte und Freiheiten in aller Welt und erschüttert demokratische Strukturen und die gesellschaftliche Ordnung in vielen Regionen – von den Andenstaaten und Mexiko wo rivalisierende Banden derzeit ganze Provinzen in bürgerkriegs- ähnliche Zustände stürzen, bis nach Afghanistan und Pakistan, wo sowohl die »Taliban« wie auch ihre Gegner vom Drogengeschäft profitieren . So finanziert und fördert dieser Krieg gegen Drogen nicht nur den internationalen Terrorismus und die organisierte Kriminalität, sondern produziert darüber hinaus mit Abertausenden von »Drogentoten« die Opfer, zu deren Rettung er eigentlich erfunden wurde. Die Lebenserfahrung, dass eine »gut gemeinte Absicht« ins Gegenteil umschlagen kann, trifft auf die Drogenprohibition zu wie auf keinen anderen Bereich der Politik. Was die Diplomaten 1909 auf Anregung der USA in Schanghai auf den Weg brachten und 1925 in der Genfer Drogenkonvention mu?ndete, war eines der ersten Experimente einer globalisierten Politik und stellt praktisch das erste globale Gesetz der Welt dar. Hundert Jahre später nun haben die desaströsen Folgen dieser Politik eines der größten Probleme der globalisierten Welt geschaffen Dass das Desaster, welches der Krieg gegen Drogen anrichtet, tatsächlich monströse Ausmaße angenommen hat und es deshalb kaum einen dringenderen Punkt auf der Agenda der internationalen Politik geben kann, als diesen Krieg sofort zu beenden – diese Behauptung speist sich nicht aus ideologischen Gründen. Es kann nicht mehr länger darum gehen, eine ideologische Debatte fortzuführen, die seit nunmehr einem Jahrhundert festgefahren ist zwischen den Extremen einer religiösen Moral, die Drogen schlechthin als »Sünde« betrachtet, und eines libertären Individualismus, der sich jede Bevormundung durch Staat und Autoritäten verbittet. Worum es gehen muss, ist der nüchterne Blick auf die Empirie – auf Zahlen, Daten und Fakten – und die objektive Bewertung der Gewinne und Verluste, um eine Grundlage zu schaffen für eine pragmatischen Entscheidung über eine Beibehaltung oder eine Änderung der bisherigen Strategie. Für einen ersten grundlegenden Befund freilich braucht es keine detaillierten empirischen Belege, sondern nur ein wenig Menschenverstand: Das »Drogenproblem« ist nicht lösbar. Vielmehr produziert die Prohibition das Problem, als dessen Lösung sie sich ausgibt.(....)
19. Juli 2010
Spion vs. Spion
"Spy vs. Spy" war ein berühmter Cartoon in "Mad" und später ein Computerspiel auf dem C 64 - und kam mir in den Sinn, als ich die Meldung über eine Serie der "Washington Post" las, der sich mit der seit 9/11 nahezu unkontrollierten Aufblähung der Geheimdienste in den USA befaßt: "A hidden world growing beyond control" : "Die beiden Autoren haben 1.271 Behörden und 1.931 Firmen ausgemacht, die für Programme arbeiten, die mit dem Antiterrorkampf, der Inneren Sicherheit oder geheimdienstlicher Aufklärung verbunden sind. 854.000 Personen wurden für Top-Secret-Bereiche mittels Sicherheitsprüfungen zugelassen. 33 Gebäude für Top-Secret-Arbeit mit einer Fläche von 1,6 Millionen Quadratmetern wurden nach dem 11.9. in Washington und Umgebung gebaut oder befinden sich noch im Bau. Angesichts dieser aufgeblähten Apparate an Stasi oder Gestapo zu denken liegt durchaus nahe - viel spannender jedoch scheint die Frage, inwieweit es sich bei dieser "Enthüllung" über außer Rand-und Band geratenden Geheimdienste um ein "limited hangout" handelt, der selbst von einem der Dienste lanciert ist. Als Carl Bernstein, einer der beiden Reporter, die 1972 die Watergate-Affäre aufdeckten, nach seinem Weggang bei der "Washington Post" 1977 einen Artikel darüber recherchierte, wieviele Journalisten bei den großen Zeitungen und Sendern in den vergangenen 25 Jahren auf der payroll der CIA standen, kam er auf die stattliche Anzahl von über 400. Dass es nach dem Ende des Kalten Kriegs weniger geworden sind ist eher unwahrscheinlich, dass es nach dem 11.9.2001 eher mehr wurden liegt auf der Hand. Deshalb wird die WaPo in dieser Serie wohl auch nicht auf die Idee kommen, die Recherche ihrer Reporterlegende 30 Jahre später zu wiederholen...
13. Juli 2010
WTC 7 - ein neues Weltwunder.
"Wunder geschehen nicht im Gegensatz zur Natur, sondern im Gegensatz zu dem, was wir von der Natur wissen." Diese wunderbare Defintion des Hl. Augustinus hatte ich als Motto meinem Buch "Das sogenannte Übernatürliche" (1998) vorangestellt, in dem die These ventiliert wird, dass es vielleicht gar nichts "Übernatürliches" gibt, sondern nur wir Menschen eher zu "unternatürlich" sind, um die "Wunder" dieses Kosmos - von der Quantenphysik über die Homöopathie bis zu diversen Himmelserscheinungen - wirklich zu verstehen. Und man deshalb - mit der Philosophin Katja Ebstein - eigentlich nur sagen kann "Wunder gibt es immer wieder - wenn sie Dir begegnen mußt Du sie auch sehn." Seit dem 9. Juli nun ist ein recht profanes Ereignis - der Einsturz eines 47-stöckigen Wolkenkratzers - in den Status eines offiziellen Wunders erhoben worden. Der Direktor des "National Institute of Standards and Technology" (NIST), dass den Einsturz der drei Türme des World Trade Centers jahrelang untersucht hatte, teilte mit, das die Ergebnisse der Untersuchung über die technischen Ursachen des Einsturzes von WTC 7 - des ersten Stahlskelettbaus aller Zeiten, der durch ein Feuer völlig zerstört wurde - nicht veröffentlicht werden dürfen. Dies könnte "die öffentliche Sicherheit gefährden.(pdf)" ( via Fefe) In der Tat - wenn Fakten die öffentliche Sicherheit bedrohen hilft nur noch Wunderglaube. Wenn die physikalischen Naturgesetze nicht mehr gelten muß Übernatürliches im Spiel sein. Die Magie von Osama und den 19 Teppichmessern, nicht nur zwei Türme zu treffen und drei zum Einsturz zu bringen, sondern sie auch noch allesamt im freien Fall zu pulverisieren, kann somit als erstes Weltwunder des 21. Jahrhunderts gelten...
8. Juli 2010
Hop, Holland, Hop!
Dass Yogis Buben gegen Spanien rausgeflogen sind lag nicht am blauen Pulli aus "Baby-Kaschmir" - der hat bei den beiden vorherigen großen Siegen funktioniert; es lag auch nicht daran, dass Jungstar Müller wegen einer idiotischen Sperre fehlte - der hätte allein auch nichts ändern können. Es lag wahrscheinlich daran, das Yogi sich nochmal angeschaut hat wie sein Quasi-Nachbar Ottmar Hitzfeld mit der Schweiz 1:0 gegen Spanien gewonnen hat: 9 Mann hinten rein stellen und irgendwie auf Konter hoffen. Von der ersten Minute an verlegte sich das deutsche Team auf's Verteidigen - kein Pressing, kein Forechecking, kein Versuch selbst das Spiel zu machen. Fast über 90 Minuten überlies man dem Gegner 2/3 des Spielfelds und ließ ihn geruhsam bis hinter den Mittelkreis kommen. Die Schweizer dagegen hatten schon weiter vorne unermüdlich mit massivem Zerstörungswerk begonnen um die spanischen Ballzauberer Xavi und Iniesta erst gar nicht ins Spiel kommen zu lassen. Gestern abend hatten die beiden stets genug Raum und Zeit zum Schalten und Walten und ihre Mitspieler in Szene zu setzen. Dass das einzige Tor nach einer Ecke fiel sagt nichts über den Spielverlauf, aus dem heraus leicht zwei oder drei weitere Tor hätten fallen können. Das 1:0 ist insofern schmeichelhaft für die mutlose und schlaffe Boygroup, als die sich die deutsche Mannschaft gestern präsentierte. Dass sie es anders kann, hat sie gegen Argentinien und England gezeigt. Die Holländer werden es vielleicht besser machen, wenn ein bissiger van Bommel im Mittelfeld mit der nötigen Härte verhindern kann, dass Spaniens Regisseure richtig ins Spiel kommen... ich drücke ihnen die Daumen.
6. Juli 2010
"Wenn es der Wahrhheitsfindung dient..."
Vor wenigen Minuten erhielt ich die Nachricht, dass Fritz Teufel heute mittag gestorben ist. Er litt schon seit Jahren schwer an der Parkinson-Krankheit, hatte sie aber noch im Frühjahr so weit unter Kontrolle, dass er sich mit Freunden zum Tischtennis im Tiergarten verabredete. Wie der unlängst verstorbene Dennis Hopper mit "Easy Rider" war Fritz Teufel für mich als Jugendlicher zum Helden geworden, mit jenem berühmten Satz vor Gericht, als er - angeklagt wegen eine der vielen politischen Aktionen der "Kommune 1" - sitzen blieb und weiter Zeitung las als die Richter den Verhandlungssaal betraten. Der Aufforderung sich zu erheben, leistete er dann mit dem Kommentar Folge: "Na ja, wenn es der Wahrheitsfindung dient...". Das war - und ist - ein Statement, das die Haltung der antiautoritären Bewegung auf den Punkt bringt wie kein anderes - und Fritz Teufel zu einer Koryphäe dieser Bewegung und ihres Humors machte, zum ersten Spaßguerillero der Republik. Zu einem freilich, der seine Widerständigkeit nicht als Spaß verstand. Ende der 70er Jahre saß er fünf Jahre in Untersuchungshaft ab, weil er wegen der Entführung des Berliner CDU-Chefs Peter Lorenz angeklagt war. Erst als die Staatsanwaltschaft ihn als Kopf der "Bewegung 2. Juni" und Entführer abgestempelt und eine hohe Haftstrafe gefordert hatte, präsentierte er sein hieb-und stichfestes "B-Libi": er hatte zur Tatzeit unter falschem Namen in einer Essener Klodeckeldabrik gearbeitet. Ich kenne niemanden, der der Wahrhheitsfindung und der Entlarvung der Staatsanwaltschaft in politischen Prozessen stoischer gedient hat als Fritz Teufel. Nach seiner Entlassung lernten wir uns kennen, er schrieb Kolumnen für die taz und begleitete mich öfter bei den Besuchen unseres "Chefkolumnisten" Wolfgang Neuss. Anders als dieser, der seinem Namen stets alle Ehre machte und Noise und Neues heraussprudelte, war Fritz alles andere als ein wilder Teufel: im Auftreten eher zurückhaltend, statt krachender Pointen eher leise Wortspiele, statt diabolischem Lachen eher spöttisches Grinsen. Und doch wird heute im Himmel die Hölle los sein, denn zu den dortigen Schweijk-Typen, den Neuss-Typen, den Lampenputzern und Revoluzzern gesellt sich jetzt einer aus der ersten Liga der Freiheitskämpfer und Humorsoldaten. Farewell Fritz!
29. Juni 2010
"I wer' narrisch" auf Arabisch.
Edi Fingers "I wer' narrisch" bei Hans Krankls Siegtor gegen Deutschland 1978 in Cordoba bleibt legendär, aber die arabischen Reporter beim Match Deutschland/England waren diesmal wahrlich auch nicht ohne: "Allah, Allah...Gooooooool".
27. Juni 2010
Unser Messi heißt Mesut
Vierundvierzig Jahre und eine kaputte Blumenvase später kann man nur sagen: und es gibt ihn doch, den Fußballgott und seine ausgleichende Gerechtigkeit. Das Match gegen England war eines der besten Fußballspiele, das ich von einer deutschen Nationalmannschaft je gesehen habe - und dass die Schmach von Wembley so wunderbar ausgeglichen wurde das absolute Sahnehäubchen. Die hier getätigte Ansage, dass unsere Jungs gegen Argentinien wohl rausfliegen, muss nach den beiden Spielen heute revidiert werden. Argentinien hat gegen Mexiko wenig gezeigt. Ein Abseitstor, ein krasser Abwehrfehler und ein Sonntagsschuß sorgten für die Tore gegen Mexiko, von Kombinationsfußball und Klasse kaum eine Spur, von Superstar Messi nichts zu sehen. Müller, Özil, Schweini & Co. dagegen demontierten das Mutterland des Fußballs mit Tempo und Technik - einer Taktik mit der sie auch gegen Argentinien weiterkommen können. Dann heißt der neue Messi endgültig Mesut und das Traumfinale gegen Holland rückt in Sicht...
24. Juni 2010
Ciao Italia !
Hach, wenn doch die hier im Blog geäußerten Wünsche alle so schön in Erfüllung gingen wie "Keinesfalls Italien"!" Ein sehr gutes Spiel der Slowakei und abgesehen von der letzten Viertelstunde ein grottenschlechter Ex-Weltmeister haben die erste tolle WM-Überraschung perfekt gemacht. Am Sonntag jetzt müssen Yogis Buben gegen das finstre Albion antreten und haben mich 100 % auf ihrer Seite. Die Schmach von Wembley 1966 - dass England durch ein geschenktes Tor Weltmeister wurde - kann ich schon deshalb nicht vergessen, weil ich damals - auf dem Fußboden vor dem Fernseher liegend - vor Wut derart mit den Beinen ausschlug, das Mutters zweitbeste Blumenvase zu Bruch ging. Schon deshalb kann England gegen Deutschland gar nicht oft und haushoch genug verlieren. Gegen Argentinien im Viertelfinale fliegen unsere Buben dann wohl raus - aber das ist in Ordnung...
15. Juni 2010
Keinesfalls Italien!
Auch wenn einem das dumpfe Deutschgetümel ebenso auf den Keks geht wie das ganze Fangetümmel - wenn die Jungs gut spielen sollen sie gewinnen. Nur einer soll das auf keinen Fall: Italien! Nach dem elenden Gegurke gestern gegen Paraguay stehen die Chancen dafür nicht schlecht.
13. Juni 2010
Kein Fußball...
...geht natürlich nicht. Und wenn so schön gespielt wird wie es die deutsche Mannschaft eben gegen Australien zeigte macht das Zuschauen wirklich Spaß. Dass schön gespielt wird ist ja schon selten genug, und von deutschen Nationalmannschaften hat man es lange nicht mehr gesehen. Das könnte also ein tolles Turnier werden in den kommenden Wochen.Wenn allerdings die ZDF-Moderatorin Müller-Hohenstein gleich von einem "inneren Reichsparteitag" für Miroslav Klose spricht, nur weil der mal wieder gut gespielt und getroffen hat - da wünscht man sich doch glatt ein 0:8 gegen Ghana...
8. Juni 2010
Hofmann's Elixir
3. Juni 2010
Die fleischgewordene Schlaftablette.
Nach Super-Horst, dem bürgernahen Sparkassendirektor, nun also Wulff, die fleischgewordene Schlaftablette aus Hannover. Jener Stadt, die großartige Pferde und die halbe englische Monarchie hervorgebracht hat und von der mein verstorbener Freund Tornado-Günther Thews einst konstatierte: "Wer Hannover kennt, dem gefällt's überall!" So ähnlich verhält es sich auch mit Christian Wulff: wer ihn einmal gesehen hat, der hat ihn beim nächsten Mal schon wieder vergessen. Der Mann ist die absolute Mitte, das Neutrum schlechthin, ein Hybrid aus Enke und Lena, den nur eine Stadt Hannover hervorbringen konnte. Da gehört er hin und da regiert er prima. Aber als Bundespräsident mit dem Schloß Bellevue als Wulffsschanze - das ist doch immerhin fraglich. Wie überhaupt dieser Auswahlprozeß des Staatsoberhaupts doch eher ein peinliches Spektakel ist. Man sollte es dem Casting-Experten Stefan Raab überlassen. Drei Shows bis Ende Juni - nicht mit Jux-Figuren und Showstars, sondern mit seriösen Kandidaten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft.Zum Abschluß public vote auf ARD und Pro Sieben - und die drei Besten kommen dann zur Wahl in die Bundesversammlung. Das scheint der gern zitierten Würde des Amts als Repräsentant aller Deutschen jedenfalls angemessener als das Pöstchengeschiebe, wer denn nun die nächsten Jahre den nationalen Grüßaugust und Frühstücksdirektor mimt... P.S.: Arno Frank weist heute in der taz daraufhin, warum es aus der Landeshauptstadt an der Leine eigentlich nur einen geben kann, der dem Amt wirklich gewachsen ist; einer der durchgreift, der sehr volksnah pinkeln gehn kann und eine glamouröse First Lady mitbringt: Ernst August Prinz von Hannover
1. Juni 2010
Israel Über Alles
Die nach Deutschland zurückgekehrten Teilnehmer der Gaza-Mission sprechen mittlerweile von mindestens 18 Totenund zahlreichen Schwerverletzten bei dem israelischen Überfall auf die Hilfsgüter-Flotte. Man muß sich nur für einen Moment vorstellen was passiert wäre, wenn die iranische Armee einen solchen Angriff auf Schiffe eines NATO-Mitglieds verübt und danach verlautbart hätte (wie jetzt der Vizeaußenminister Israels) "dass wir uns nur selbst verteidigt haben". Wahrscheinlich würde Teheran schon in Schutt und Asche liegen - und weil der "Bündnisfall" natürlich sofort eingetreten wäre, müsste die Bundeswehr dabei mitmischen... Insofern haben unsere Soldaten Glück, dass "Israel über alles" mittlerweile die Staatsdoktrin des Westens ist und auch dieses Kriegsverbrechen außer einer kleinen UN-Rüge keine Konsequenzen nach sich ziehen wird.
31. Mai 2010
Super-Horst macht schlapp...
In diesem Blog hatten wir Köhlers Klartext zu Bundeswehreinsätzen zur Förderung der Wirtschaft schon frühzeitig gelobt: endlich einmal ein Politiker der statt windelweichem Geschwalle die wahren Gründe für die Auslandspräsenz des deutschen Militärs nennt. In der Verfassung der Bundesrepublik ist derlei zwar nicht vorgesehen, wird aber seit dem Kosovo-Krieg (courtesy of Joschka Fischer & Hufeisenplan) munter praktiziert, und wäre Schwarz-Gelb ein bißchen früher ans Ruder gekommen stünde die Bundeswehr heute auch im Irak. Die jeweiligen Bundespräsidenten haben diese Verfassungsbrüche jeweils durchgewunken, auch kein Verfassungsgericht hat die von Parlamentsmehrheiten verfügten Truppenentsendungen unterbunden und so wurden Auslandseinsätze deutscher Soldaten schleichend zum status quo. Nicht weil die Bundesrepublik vom Balkan, vom Hindukusch oder der libanesischen Küste angegriffen worden wäre und ihre Verteidigungsarmee verfassungsgemäß gegen Aggressoren einsetzt, sondern weil... wie unser Bundeshorst in pfingstlicher Erleuchtung klarstellte, dort Wirtschafts,- und Handelsinteressen auf dem Spiel stehen. Nun tritt er beleidigt ab, weil dieses pragmatische Ja zum Verfassungsbruch kritisiert wurde und er aus den eigenen Reihen angeblich zu wenig Rückhalt fand. Ein denkbar schwacher Abgang, aber von einem blaß und amtsmüde wirkenden Ex-Sparkassendirektor vielleicht nicht anders zu erwarten. Angebracht für eine starke Abschiedsrede wären vielmehr die Worte gewesen, die US-Präsident Eisenhower 1961 bei seinem Fair Well fand: "In der Regierung müssen wir uns in unserem Denken vor dem Eindringen von unberechtigten Einflüssen des militärisch-industriellen Komplexes hüten, seien sie gewollt oder auch nicht. Die Gefahr eines unheilvollen Anwachsens unbefugter Macht existiert und wird fortdauern. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Gewicht dieser Kombination unsere Freiheiten und demokratischen Prozesse gefährdet. (..)Nur eine wachsame und informierte Bürgerschaft kann eine ausgeglichene Verbindung der gewaltigen industriellen und militärischen Maschinerie der Verteidigung mit unseren friedlichen Methoden und Zielen gewährleisten, so dass Sicherheit und Freiheit gemeinsam gedeihen können...." P.S.:Der nächste Job wartet schon: hier
29. Mai 2010
Easy Rider R.I.P.
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