Mathias Bröckers
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Writersblog von Mathias Bröckers.
3. Februar 2010
Seid umschlungen, Milliarden.
Nur weil der kleine Mann bei großen Zahlen irgendwie schwer durchblickt, konnte der Großraub "Finanzkrise" über die Bühne gehen, ohne dass Räuber und Polizisten - Banker & Politiker - dingfest bzw. verantwortlich gemacht wurden. Bei Milliarden verliert man eben leicht die Relationen. Die "Zeit" hat in einer aufschlußreichen Visualisierung einmal einige wichtige globale Milliardenposten zusammengestellt (pdf): hier.
27. Januar 2010
Der Mohn ist aufgegangen...
Weil ich gerade an einem Buch über 100 Jahre Prohibition schreibe, kommt das Bloggen derzeit ein bißchen kurz. Im folgenden aber schon mal ein kleiner Auszug, passend zur aktuellen Afghanistan-Konferenz:
"Wir können hier das seit Beginn des Prohibitionsregimes wiederkehrende Muster erkennen: das Drogenverbot sorgt einerseits für exorbitante Profite und ermöglicht es dem Militär und Geheimdiensten andererseits, strafverfolgungsfreie Zonen und Transportwege zu schaffen und die Drogenprofite ihren jeweiligen Bündnispartnern und Warlords zukommen zu lassen. Diese Politik der verdeckten Kriegsführung, mit der die CIA während des Kalten Kriegs an den asiatischen Rändern des Eisenernen Vorhangs kämpfte – in Birma in den 50er Jahren, in Laos in den 60er Jahren und in Afghanistan in den 80er Jahren – führte zu einer engen Verschmelzung dieser geheimen Kriegsführung mit dem Drogenhandel. Die Mobilisierung von Stammesverbänden, regionalen Kriegsherren und Aufständischen, die unter der Hand mit Waffen, Logistik und geheimdienstlichen Informationen ausgestattet wurden, war aus Sicht der Realpolitik des Kalten Krieges ein wirksames Mittel, um entlang des 3000 Kilometer langen Gebirgsriegels vom Himalaja zum Hindukusch den antikommunistischen Kampf zu führen. Die Drogenproduktion in diesen Regionen nicht nur zu dulden, sondern ihr Protektion und Förderung zukommen zu lassen – in Birma und Laos stellte die CIA zum Beispiel die Transportflugzeuge für das Heroin zur Verfügung – war dabei aus Sicht der Strategen ebenso unvermeidlich wie unverzichtbar, denn anders waren die Stammeskrieger und Rebellengruppen kaum finanzierbar. Und ähnlich wie in den 20er Jahren als Nebenwirkung der Alkoholprohibition in den USA aus kleinen Gangstergruppen des jüdischen, italienischen und irischen Migrantenmilieus mächtige Mafia-Syndikate wurden, die den Rechtstaat und die öffentliche Ordnung weit stärker bedrohten als der Alkoholismus, wurden als Nebenwirkung des Kalten Kriegs in den unwegsamen Regionen des asiatischen Hochlands aus regionalen Stammesführern und Provinzfürsten mächtige Drogenbarone und Warlords. Dass es sich bei diesen Bündnispartnern in der Regel Großkriminelle und brutale Feudalherren handelte, die die Protektion durch die Schutzmacht weidlich für ihre Zwecke ausnutzten, dieser unerwünschte Nebeneffekt mußte dem großen Ziel des Kalten Krieges untergeordnet werden. Die Fahnder und Agenten der "Drug Enforcement Agency" (DEA) hatten sich wie ihre Vorgänger in Anslingers FBN diesen außenpolitischen Gegebenheiten anzupassen – was im besseren Falle bedeutete, einfach nur wegzuschauen und nichts zu tun; oder im schlechteren Falle für eine Marktregulierung zu sorgen, indem man die Konkurrenten der verbündeten Drogenhändler nun verschärft auf's Korn nahm. Douglas Valentine beschreibt im Detail (The Strength of the Pack – The Personalities, Politics and Espionage-Intrigues that Shaped the DEA, Walterwille 2009), wie beginnend in den 50er Jahren die Instituionen der Drogenverfolgung – zuerst das FBN, dannach das Buerau of Narcotics and Dangerous Drugs (BNDD) und dann die DEA – sukzessive von der CIA unterwandert und für außenpolitischen Interessen eingespannt werden. Unter dem Deckmantel der Drogenverfolgung hatten sich schon Anslingers FBN-Agenten im Ausland für geheimdienstliche Recherchen nützlich erwiesen, zumal in weniger befreundeten Ländern, wo die CIA nur schwer Zugang zu Informationen fand und eine offizielle Präsenz unmöglich war. Mit der Regierung Reagan/Bush Anfang der 80er Jahre wurden diese Tätigkeiten weiter ausgebaut und die DEA-Agenten gleichzeitig von der Verfolgung großer Drogenströme aus Übersee abgezogen. Die übernahm jetzt eine von Vize-Präsdent Bush gegründete "South Florida Task Force", die unter anderem dafür sorgte, dass Piloten wie Barry Seal tonnenweise Kokain ungehindert ins Land bringen konnten. Diese Jahre waren, wie Douglas Valentine schreibt, "das Requiem für die Wölfe": das Ende der wirklichen Drogenfahndung und der "case making agents", die Phase "in der die DEA ihre Seele verlor" und zu einem Erfüllunsgehilfen der CIA wurde. "Ich dachte eigentlich, dass wir das Drogengeschäft bekämpften", so sagte ihm ein altgedienter Agent in einem Interview, "aber nach der Gründung des BNDD realisierte ich, dass wir es fütterten." Der schon seit Anslingers Zeiten hinter den Kulissen geführte bürokratische Kampf über die Fahndungsbefugnisse und Mitteilungspflichten in Sachen Drogen zwischen Zollbehörde, FBI, CIA und DEA wurde in der Reagan/Bush-Ära endgültig entschieden, zugunsten einer verdeckten militärischen Außenpolitik, die nicht von "übereifrigen" Drogen-Fahndern gestört werden sollte. Falls dies doch einmal geschah, wie Ende 1990, als in Miami eine große Ladung Kokain aus Venezuela beschlagnahmt wurde und der neue DEA-Chef Robert Bonner Anklage erheben wollte, wurde er vom State Department und der CIA zurückgehalten, obwohl die Untersuchung ergeben hatte, dass auf diesem Weg im Lauf des Jahres über eine Tonne Kokain nach Miami geschmuggelt worden war. Doch die Lieferungen waren von dem CIA-Beamten Mark McFalin und dem venezuelanischen General Guillen Davila organisiert, den man nicht vor Gericht bringen wollte, weil er ein Partner im Kampf gegen die von Hugo Chavez geführte linke Bewegung war: "Wie Robert Bonner auf die harte Tour lernen mußte, zogen Bush und die CIA ein von Drogen überflutetes Amerika einem kommunistisch regierten ölreichen Venezuela vor. Wie es am Anfang war, ist es heute und wird es immer sein: nationale Sicherheit geht über Drogenverfolgung." Zur selben Zeit war der Kalte Krieg zwar formell beendet und die Sowjets aus Afghanistan vertrieben - mithilfe der islamistischen Mujaheddin und des Heroingeschäfts, das nun aus dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiets bald für 80% der Weltproduktion sorgte. In jedem von der sowjetischen Besatzung befreiten Landstrichen hatten die von der CIA und dem pakistanischen ISI unterstützten Kämpfer unter dem Paschtunenführer Gulbuddin Hekmatyar die Bauern zum Mohnanbau und zur Entrichtung einer "Revolutionssteuer" in Form von Opium aufgefordert. Ähnliches geschah dann 2002 nach dem Einmarsch der USA und dem Vordringen der "Nordallianz" auf Kabul zur Vertreibung des Taliban-Regimes. Dieses hatte den Opiumanbau auf Druck der USA in den Jahren zuvor mit radikalen Maßnahmen stark reduziert. Doch als ein Taliban-Botschafter im Mai 2001 in Islamabad mit den Amerikanern über Entschädigungszahlungen für die Farmer verhandelte und ziemlich exakt die 12 Milliarden Dollar, die das Heroingeschäft per anno abwirft, "für das afghanische Volk" forderte - wurden ihm zuerst 1,5 Millionen angeboten und dann 43 Mio. $ zugesagt und überwiesen. Das eigentliche Geschäft freilich wurde nicht in Afghanistan selbst gemacht, sondern in den von CIA-Partner ISI kontrollierten Labors entlang der Grenze und in der Distribution gemacht. (...)Nach dem Ende des Taliban-Regimes, das den Mohnanbau 2001 auf 7.600 Hektar heruntergebracht hatte – im Jahrzehnt zuvor waren jeweils zwischen 50.000 und 90.000 Hektar angebaut worden - hat sich die Lage indessen keinesfalls verbessert, sondern dramatisch zugespitzt, 2004 wurde auf 131.000 Hektar wieder Opium geerntet, 2007 waren es 193.000 Hektar. Und wer ermöglicht diese größte Opium,- und Heroinschwemme aller Zeiten ? Richtig - es sind die Militärs der USA, Großbritanniens und der deutschen Bundeswehr, die mit dem Geld ihrer Steuerzahler dafür sorgen, dass in Afghanistan soviel Opium und Heroin produziert wird wie nie zuvor. Vor der Invasion des Landes wurde in Afghanistan nur Mohn angebaut und Opium exportiert, jetzt verarbeiten dutzende Fabriken den Rohstoff zu Heroin. Die Kolonnen schwarzer Jeeps, die den begehrten Stoff dann über Usbekistan Richtung Westen transportieren, werden an der Grenze nicht kontrolliert - an dem hochmodernen, mit EU-Geldern finanzierten Kontrollequipment zur Eindämmung des Drogenhandels werden sie vorbeigewunken. Darüber berichtete der ehemalige britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, der dieses Treiben von 2002 bis 2004 beobachtet hat. (http://www.dailymail.co.uk/news/article-469983/Britain-protecting-biggest-heroin-crop-time.html) Sein Blog ( http://www.craigmurray.org.uk/ ), in dem er den Skandal weiter thematisierte, ging 2007 kurzzeitig vom Netz, nachdem er den usbekischen Oligarchen und Gazprom-Milliardär Alisher Usmanov – einen Freund des Präsidenten Karimov, der als dessen möglicher Nachfolger gehandelt wird - als "Gangster", "Erpresser" und "Heroindealer" bezeichnet hatte. Murrays Internetprovider wurde durch das Anwaltsschreiben einer namhaften Londoner Großkanzlei erschreckt, die im Auftrag Usmanovs die Löschung forderte – doch kurz darauf war der Beitrag wieder online, denn der Jurist und derzeitige Universitätspräsident Craig Murray wartet nur darauf, verklagt zu werden. Er ist sich sicher, genügend Beweise und Zeugen aufzubieten, um seine Behauptungen zu belegen.
Keinen eindeutigen Beweis gibt es indessen dafür, was der ehemalige ISI-Chef Generaloberst Hamid Gul, der in dieser Eigenschaft von 1987 –1989 eng mit der CIA und den Mujaheddin-Kämpfern zusammenarbeite, im Dezember 2009 in einem Gespräch mit der Zeitschrift "Foreign Policy" erklärte: "Abdul Wali Karzai (der Bruder des afghanischen Präsidenten) ist der größte Drogenbaron Afghanistans", sagt er unverblümt. Er setzte hinzu, dass die Drogenbarone ebenso im Waffenschmuggel tätig sind, einem "blühenden Handel" in Afghanistan. "Aber was aus meiner Sicht am meisten verstört ist, dass auch Militärmaschinen, amerikanische Militärmaschinen, dazu benutzt werden..." (http://www.foreignpolicyjournal.com/2009/08/12/ex-isi-chief-says-purpose-of-new-afghan-intelligence-agency-rama-is-%E2%80%98to-destabilize-pakistan%E2%80%99/ ) Auch wenn der Ex-Geheimdienstchef beteuert, er habe diese Information aus verläßlichen Quellen, ist das natürlich kein Beweis, paßt aber sowohl in die Tradition der verdeckten Kriegsführung der CIA, die ihren Heroin handelnden Waffenbrüdern schon in den 60ern in Birma und Laos die Luft-Logistik zur Verfügung stellte, als auch in das Bild, das Craig Murray von der aktuellen usbekisch-russischen Connection zeichnet.Es zeigt sich also, dass es auch 20 Jahre nach dem offiziellen Ende des Kalten Kriegs nach wie vor Prioritäten gibt, für die das Drogengeschäft unverzichtbar ist, sodass die Probleme durch den Mißbrauch immer billiger werdenden Heroins und Kokains in den westlichen Ländern billigend in Kauf genommen werden müssen - für das "höhere" Ziel geopolitischer Machtausweitung. (...)
26. Januar 2010
Kulturgeschichte hören!
17. Januar 2010
Osama Bin Llamazares.
Um verhinderte Schuhbomber, Wasserbomber, Unterhosenbomber etc. im Terror,- und Sicherheitszirkus richtig einzuordnen und die öffentliche Angst vor dem islamistischen Monster am köcheln zu halten, muß kontinuierlich auch der Höhlenfürst und Oberteufel Osama durch's globale Mediendorf getrieben werden. Und wenn es nicht die absolut dubiosen Audio-und Videoschnippsel sind, die eine private, von Ex-CIA und Mossad-Leuten betriebene Firma den Behörden zur Verfügung und ins Internet stellt - was ehemalige Nachrichtenmagazine und öffentlich-rechtliche Anstalten nicht hindert, sie offiziös zu kolportieren - wenn also mal keine unidentifizierbaren Krächzlaute oder Wackelbilder zur Verfügung stehen, dann googelt das FBI eben mal ein bißchen und gibt neue Fahndungsfotos heraus. Nicht weil es gelungen wäre, das Phantom irgendwo aktuell zu fotografieren, aber schließlich wird auch ein jesus-artiger Jung-Osama mal alt und grau und da seit Jahren kein Mensch den Mann mehr gesehen hat, besteht natürlich Interesse an einem zeitgemäßen Foto. Wie sieht der unsichtbare Al CIAda Boss heute aus ? Na wie der spanische Abgeordnete Gaspar Llamazares dachten sich die forensichen Artisten des FBI, als sie dessen Foto sahen, die Nase ein bißchen dicker machten (Foto: AP, BBC) - und fertig war der aktuelle Osama. .
12. Januar 2010
Wir glauben Euch nicht!
Ich habe schon ein halbes Dutzend Hinweise bekommen (danke!), komme aber erst jetzt dazu, auf den Artikel in "Focus Money" über die 9/11 Anschläge hinzuweisen: Wir glauben Euch nicht! - der 40 Persönlichkeiten und ihre tiefen Zweifel an der 9/11-Legende präsentiert. Für LeserInnen dieses Blogs enthält der Artikel vermutlich nichts Neues, bemerkenswert aber ist, dass ein Mainstream-Magazin erstmals einen längeren Text publiziert, der die 9/11-Skepsis nicht mit Häme übergießt und als Verschwörungsidiotie diffamiert. Der Autor Oliver Janich - Redakteur bei Focus Money, hat nach eigenen Worten Jahre gebraucht , seinen Chef zu einem Abdruck bringen. Wir sind gespannt, wann die anderen Gatekeeper und Wachhunde so weit sind, das heiße Eisen langsam anzufassen. Acht Jahre Märchenstunde mit Osama und den 19 Wickelmützen sind ja wirklich mehr als genug...
31. Dezember 2009
Guten Rutsch!
Dass irgendein Spinner, der 20 Minuten auf einem Flugzeugklo verbringt, weltweit als Terrorist Schlagzeilen macht - derlei Terrorzirkus war in der nachrichtenarmen Zeit zu erwarten. Ebenso dass sich "Al CIAda" dazu bekennt und bekundet, Fugzeuge in die Luft zu jagen sei prima Die ganze mediale Propagandashow ist ebenso plump wie wirkungsmächtig und führt prompt zu neuen Diskussionen um Sicherheitsschwachsinn wie den "Nacktscanner".Das Ganze funktioniert aber nur, weil die Fakten ausgeblendet werden - in diesem Fall das reale Risiko, durch Terroristen in einem Flugzeug um's Leben zu kommen. Vom Blitz erschlagen zu werden oder an Sylvester bei Glatteis tödlich auszurutschen ist jedenfalls um ein Vielfaches gefährlicher. Guten Rutsch! (via BoingBoing )
28. Dezember 2009
Anschauen: Avatar!
Zu Weihnachten darf's gerne mal ein Monumentalfilm sein, also haben wir uns "Avatar" angeschaut - und auch noch einen Freund überredet, der für Science Fiction oder Fantasy eigentlich gar nicht zu haben ist und der hinterher sagte: "Ich weiß nicht, wann ich zuletzt in einem Film von der ersten bis zur letzten Minute derart gebannt war." Das ging uns ähnlich: Avatar ist großes Kino und es ist nicht nur dem phantastischen 3-D-Effekt geschuldet, dass man in diesem Film einfach 2,5 Stunden lang "drin" ist. Es ist auch nicht nur die Karl-May-Botschaft vom edlen Wilden und vom bösen Cowboy, nicht nur der Hybridmix von "Herr der Ringe" und "Krieg der Sterne", von Elfenland und Odysee im Weltraum, von "Winnetou" und "Total Recall"...denn all das hat James Cameron zu einem filmischen Epos zusammengefügt, für das es einfach noch keinen Vergleich gibt. Wer also dieses Jahr noch einen tollen Film sehen will sollte sich "Avatar" anschauen.
24. Dezember 2009
Over The Rainbow.
Allen Freunden und Feinden wünsche ich entspannte Feiertage - und weil Weihnachten ja alle Engel singen, hier ein leider viel zu früh verstorbener, Eva Cassidy, mit ihrer himmlischen Interpretation eines Klassikers, bei dem ich jedes Mal die Tempotaschentücher bereithalten muß.
23. Dezember 2009
Die Saurier leben noch.
Vor 12 Jahren schrieb ich (in einem vergriffenen Buch, das aber nächstes Jahr wieder neu aufgelegt werden soll) zum Thema Klima: "Betrachten wir die Erde im Zeitraffer, fällt zuerst den Rhythmus von Tag und Nacht auf, den man mit einem Pulsschlag vergleichen könnte. Bei etwas stärkerer Zeitraffung können wir so etwas wie den Kreislauf erkennen: wirbelnde Luft- und Meeresströmungen, die für die Zufuhr von Nahrungsstoffen sorgen und Abfallstoffe davonführen - ähnlich wie das Blut im menschlichen Kreislauf. Beim weiteren Beschleunigen unserer Zeitmaschine gerät die Hautoberfläche Gaias in den Blick: umherdriftende Kontinente, mäandernde Flüsse, riesige Wälder und Grassteppen, die sich ausdehnen und wieder zurückziehen. Das Gesicht der Erde - wenn wir vier Milliarden Jahre im Zeitraffer zu einem Kurzfilm zusammenfassen, sehen wir sehen, wie es sich ständig verändert - wie es auf seine Umgebung reagiert und seinerseits, mit strengem Mienenspiel, auf sie Einfluß nimmt. Manchmal antwortet es für einen Moment mit eisiger Strenge - und während der Eiszeiten wirkten große Teile des Gesichts tatsächlich wie erstarrt - doch nachher zeigt sich, daß auch dies nur ein Mittel war, ein Trick, um nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. Wie heute manche Lebensmittel bedurfte auch das Leben selbst auf dem langen Weg der Evolution offenbar bisweilen der Konservierung durch Tiefkühlung.
Die letzte Sekunde des Films zeigt die Erdgeschichte der vergangenen 50.000 Jahre bis heute. In Zeitlupe betrachtet können wir die Menschwerdung des Affen beobachten: durch eine neue Technologie, die Handhabung des Feuers, ist er weniger klima- und standortabhängig als alle anderen Tiere und breitet sich bald überall aus. Dann ist ein weiteres faszinierendes Ereignis zu beobachten: die Entstehung einer Speichertechnologie, mit der sich die Menschen nun auch zeit-unabhängig machen - dank der Sprache können sie erworbenes Wissen konservieren und weitergeben. Dieser Informationsvorsprung scheint sie allen anderen Lebensformen nun endgültig überlegen zu machen. Auf den letzten Bildern des Films jedoch werden wir Zeuge einer dramatischen Situation: so plötzlich hat Gaia ihr Gesicht noch nie verändert. Blitzartig verschwinden die Waldflächen in Afrika, Europa und Nordamerika - und auf dem letzten Bild des Films, dem Beginn des Industriezeitalters, beginnt die Atmosphäre, sich durch Rauch und Abgase zu verdunkeln. Das Licht geht wieder an. Der Film ist zu Ende. Wir sind wieder in der Wirklichkeit. Rio de Janeiro, Juni 1992. Der Führer der größten Industrienation der Erde tritt bei der internationalen Umweltkonferenz der UNO nur unter einer Bedingung auf: daß eine Reduzierung des CO-2-Austoßes dort nicht beschloßen wird. Dies, so Präsident Bush, könne der Wirtschaft seines Landes nur schaden. Damit hat er zweifellos recht - Amerika stellt zwar kaum 5 Prozent der Weltbevölkerung, produziert aber 25 Prozent des Treibhausgases Kohlendioxid - durch Verbrennung von Erdgas, Kohle und Öl. Und jede ernsthafte Reduzierung bedeutete ein Umdenken in dieser Politik des fröhlichen Verheizens.
Kyoto, Dezember 1997. Der Vizepräsident der größten Industrienationen der Erde tritt bei der internationalen Umweltkonferenz der UNO nur unter der Bedingung auf, daß die von den Europäern vorgeschlagenen, relativ weitgehenden CO-2-Reduktionen nicht beschlossen werden – und verpflichtet sich für die USA zu einem Tropfen auf den heißen Stein: 5% Reduktion (im Vergleich zu 1990). Allerdings nicht sofort, denn das könnte der Wirtschaft schaden, sondern bis 2012. Dann werden die USA wahrscheinlich nur noch 3,5 Prozent der Weltbevölkerung stellen und 20% Kohlendioxid – relativ betrachtet also mehr (und nicht weniger)als jetzt. Einen so starken CO-2 Anstieg wie zur Zeit erlebte Gaia das letzte mal vor etwa 65 Millionen Jahren: damals, gegen Ende der Kreidezeit, verwandelte sich die Erde in einen Backofen und mit den Sauriern gingen 90 Prozent aller höheren Arten zu Grunde. Auslöser der CO-2-Katastrophe war, so weiß man mittlerweile, der Aufprall eines größeren Himmelskörpers. Heute müssen über den Auslöser keine Vermutungen angestellt werden - die Menschen, denen die Handhabung des Feuers einst den entscheidenden Evolutionsvorteil sicherte, scheinen an der Perfektionierung eben dieser Technologie jetzt zu scheitern: sie fahren wider besseres Wissen fort, den Planeten in einen giftigen Backofen zu verwandeln. Das Artensterben, so meldeten unlängst die Zeitungen, hat heute schon wieder dasselbe Tempo erreicht wie in der Kreidezeit - die Saurier indessen leben noch. Und sie reden wie George Bush..."
...oder wie jetzt Obama & Co. in Kopenhagen.
22. Dezember 2009
Wow: Monte Montgomery!
Wer wie ich früher Dylan, Beatles, Stones & Co. rauf und runtergeklampft hat - und dann seit Jahrzehnten kaum noch, der läßt, wenn er den hier hört, die Gitarrenkoffer auch noch die nächsten Jahre in der Ecke stehen. Denn was Monte Montgomery aus seiner Wanderklampfe rausholt... da kann man nur gebannt zuhören und sagen: wow!
17. Dezember 2009
Abenteuer Indien: Shantaram!
Wo wir hier im Rahmen der Operation Weihnachtsmann gerade bei Empfehlungen sind: eine Freundin, der ich diesen Roman Anfang des Jahres schenkte hat ihn mittlerweile mindestens zehn Mal gekauft und weiterverschenkt, alle anderen, denen ich von dem Buch erzählte und die es lasen, waren ebenfalls hin und weg. Es sind über 1000 Seiten und genau so, wie ein richtig guter Schmöker sein soll: wenn man einmal drin ist kommt man nicht mehr weg. Es ist die fiktionalisierte autobiographische Geschichte eines Junkies, der aus dem australischen Knast abhaut, mit falschem Paß in Bombay landet, einen Guide findet der sein Freund wird und ihn bei sich im Slum wohnen läßt. Dort wird er zu "Shantaram" – dem Mann des Friedens – der den Armen hilft, auch als er in die Unterwelt der Metropole in Drogenhandel, Geldwäsche und Paßfälschung einsteigt, sich in eine geheimnisvolle Frau verliebt und am Ende in den Krieg in Afghanistan gerät. Das Ganze großartig erzählt, lehrreich und spannend, äußerst exotisch und allzu menschlich, action-geladen und geistreich - ein Abenteuerroman vom Allerfeinsten! Nicht zufällig hat sich einer der Besten in Hollywood, Johnny Depp, bereits die Filmrechte gesichert. Und der Autor schreibt bereits an der Fortsetzung, seine Flucht endete 1997 in Deutschland von wo er in sein Heimatland ausgeliefert wurde, seine Reststrafe absitzen mußte und im Gefängnis seine Erinnerungen aufschrieb: Shantaram
16. Dezember 2009
Jetzt erst recht: Pynchon!
Sein letzter Roman "Gegen den Tag" war einmal mehr überbordend und von einer solchen Fülle von Personal und Mini-Plots, das man leicht den Überblick verlor, aber für das neueste im Sommer erschienene Werk von Thomas Pynchon "Inherent Vice" gilt das Gegenteil. Man könnte sagen, so stringent und kohärent hat Pynchon noch nie erzählt, "Inherent Vice" - was soviel heißt wie "versteckter Mangel" - folgt dem klassischen Muster eines Krimis der schwarzen Serie und spielt im Los Angeles der frühen 70er Jahre. Mit dem kleinen Unterschied, dass der Detektiv, der am Anfang in seinem Büro auf Kundschaft wartet, keine Lucky Strike sondern Joints raucht. Auch seine Methode Fälle zu lösen ist etwas untypisch, er versetzt sich mit Hilfe von LSD in einen Zustand kritischer Paranoia. Das Buch ist noch nicht auf deutsch erschienen, aber dank der wunderbaren Webseite Pynchon-Wiki kann man auch den Slang, die Namen, die Abkürzungen und viele der dann doch wieder sehr pynchon-typischen Verweise und Anspielungen prima verstehen. Es ist ohne Frage der lockerste, leichteste und witzigste Roman des Meisters und - wie mir ein Freund, der in derselben Zeit am Manhattan Beach in L.A. lebte, versichert - bis ins kleinste Detail absolut realistisch. Was ja - spätestens seit der grandiosen "Glühbirnenverschwörung" aus "Gravitys Rainbow" - bei Pynchon schon immer der Fall war: die scheinbar größten Verrücktheiten in seinen Romanen sind akribisch recherchierte Fakten.
15. Dezember 2009
And now: Robert Crumb!
... und wo wir gerade bei den Deleuzianischen "Wunschmaschinen" waren - und manche Weihnachtswünsche vielleicht noch offen sind - hier noch der Hinweis, dass es auch von meinem Liebling unter den postmodernen Comiczeichnern - Robert Crumb - etwas Neues gibt: das uralte Buch Genesis der Bibel neu und wortwörtlich illustriert vom Meister persönlich. Auch das hier abgebildete erste Drogenverbot und der anschließende Rausschmiß aus dem Paradies fehlen natürlich nicht. Zwei Ausgaben - mit dem Text der alten King James-Bibel, sowie der Luther-Übersetzung liegen vor, auf englisch und auf deutsch. Mein Gott: die Bibel als wilder Comic ? Aber sicher! Denn es geht wüst und wild zu im Alten Testament - und man könnte sagen, dass erst der geniale Strich eines Robert Crumb das Buch der Bücher auf den Punkt bringt. Ein Meisterwerk!
14. Dezember 2009
Voilá: Deleuze!
Dass Gilles Deleuze mein Liebling unter den postmodernen Philosophen wurde, lag vielleicht nur am richtigen Zeitpunkt, an dem mich 1978 seine (mit Felix Guattari verfaßte) Studie "Anti-Ödipus - Kapitalismus und Schizophrenie" traf. Ein wildes, kryptisches Buch, aber genau der richtige Werkzeugkasten, um meinen damaligen intelektuellen "Übervater" Freud und auch seine "Söhne" Reich und Jung vom Sockel zu stossen. Zumindest für eine Weile. Mittlerweile zählen alle drei - vor allem C.G.Jung, den man in den 70ern als angeblich "rechts" nur mit der Kneifzange anfaßte - wieder zu meinen Hausheiligen. Als Klassiker, als Pioniere und Kartographen des Unbewußten und als großartige Schriftsteller. Aber auch Gilles Deleuze, der wilde Denker, hat auf dem Hausalter seinen ewigen Platz, den er schon allein für das Intro des "Anti-Ödipus" verdient: "Es atmet, wärmt, ißt. Es scheißt, es fickt...das Es." Als dann 1992 sein Hauptwerk "Mille Plateaus - Tausend Plateaus" auf deutsch erschien - das dickste (726 S.) und teuerste (98 DM) Buch des kleinen Merve-Verlags, mit dessen Übersetzung die Verlegerfreunde Heidi Paris und Peter Gente ein hohes Risiko eingegangen waren - konnte ich nicht anders, als eine sehr ausführliche und jubelnde Rezension dieser äußerst komplexen, vielschichtigen "Theorie der Mannigfaltigkeiten" zu schreiben. Hätte meine damalige Redakteurin beim Deutschlandfunk die Besprechung zuvor gelesen, wäre sie wohl nicht durchgegangen - doch sie war im Urlaub und so wurde mein Text ungekürzt ausgestrahlt. Wegen einiger Beschwerden von Hörern, die sich überfordert fühlten, war ich als Rezensent wissenschaftlicher Werke dort dann zwar verbrannt, doch in der "taz" erschien der Text dann noch gedruckt und machte "Tausend Plateaus" tatsächlich zu einem Bestseller, da das Werk in anderen Medien nicht oder erst sehr viel später und nur sehr viel knapper besprochen worden war. Wer sich jetzt für das Buch interessiert sei gewarnt: es ist heavy stuff, denn statt eines roten Fadens gibt es hunderte - und alle sind gerissen! Aber Rettung ist in Sicht bzw. nur einen Klick entfernt, nämlich der kompatibelste, komensurabelste, konsumierbarste Gilles Deleuze den es je gab: das einzige existierende Filminterview mit dem wilden Denker, 7,5 Stunden auf drei DVDs: ABÉCÉDAIRE .
10. Dezember 2009
"Verwirrte Einzeltäter" und vorfabrizierte Faschisten.
Die jüngste Entüllung durch Stasi-Akten, nach der der Attentäter Joseph Bachmann, der im April 1968 Rudi Dutschke lebensgefährlich verletzte, in Kontakt mit organisierten Neonazis gestanden habe, birgt nichts wesentlich Neues. Dass Bachmann einen Ausriss der "Deutschen Nationalzeitung" bei sich trug, die mit fünf zu einem Steckbrief aufgemachten Fotos des Studentenführers "Stoppt Dutschke jetzt! Sonst gibt es Bürgerkrieg!" forderte, war auch bisher schon bekannt. Ebenso wie die brachialen Worte, die er nach seiner Verhaftung zu Protokoll gab: "Ich möchte zu meinem Bedauern feststellen, dass Dutschke noch lebt. Ich hätte eine Maschinenpistole kaufen können. Wenn ich das Geld dazu gehabt hätte, hätte ich Dutschke zersägt." Aussagen wie diese machten es der Justiz einfach, den "verwirrten Einzeltäter" zu verurteilen und auf tiefer gehende Ermittlungen über dessen Hintergründe und Kontakte zu verzichten - beziehungsweise zu vertuschen und nicht an die Öffentlichkeit dringen zu lassen, was der Stasi-Fund jetzt zu Tage brachte: dass Bachmann unter anderem an Schießübungen militanter Rechtsradikaler in Peine teilgenommen hatte. Bei den von dem NPD-Mitglied Wolfgang Sachse als "Schießwart" organisierten Übungen wurden nicht nur Bombenanschläge auf die innerdeutsche Grenze verübt, die braunen Terrorcamps fanden auch unter Beteiligung lokaler Polizisten und Rückendeckung der Staatsgewalt statt. Das Desinteresse der bundesdeutschen Behörden, einen derart staatlich gedeckten und geförderten braunen Sumpf nicht als das Nest zu identifizieren, aus dem ein Killer wie Bachmann kroch, scheint ebenso nachvollziehbar wie das Interesse der ostdeutschen Geheimdienste, solche gegen die DDR gerichtete Neonazi-Militanz im Auge zu behalten. Und das, was aus diesen Akten jetzt bekannt wurde, scheint durchaus in das Muster zu passen, wie "verwirrte Einzeltäter" herangezogen und instrumentalisiert werden. Es sind gestrauchelte, prekäre Existenzen, die zu Ausbildungszwecken für diskrete, illegale Jobs unter die Fittiche der Geheimdienste genommen werden. So wie Lee Harvey Oswald, der als 16-Jähriger bei der "Civil Air Patrol" in die Fänge des pädophilen Oberst David Ferrie geriet, oder wie sein damaliger Co-Kadett Barry Seal, der spätere CIA-Chefpilot des "Iran-Contra"-Schmuggels von Waffen und Drogen. Weiter geht's hier
6. Dezember 2009
The future's uncertain and the end is always near!
"I woke up this morning & I got myself a beer/ The future's uncertain & the end is always near" - der "Roadhouse Blues" war immer einer meiner Favoriten der "Doors" - hier in einem grandiosen Mash-Up mit John Lee Hooker - eine der letzten Studioaufnahmen die der 2001 gestorbene Blues-Großmeister gemacht hat. Let it roll...
2. Dezember 2009
Holy Shit, Holy Sunday.
Das Bundesverfassungsgericht hat einer Klage der Kirchen stattgegeben und den Sonntagsverkauf in Berlin verboten. In diesem Dezember dürfen die Kaufhäuser noch an allen Dezembersonntagen offen haben, nächstes Jahr ist Schluß damit. Das gefällt mir - denn Feiertage sind der einzige Bereich, wo ich gerne von der gesetzlich gebotenen (aber nur vage eingehaltenen) Strikheit der Trennung von Staat und Kirche abweichen würde. Sonn-und Feiertage sind eine der großartigsten Errungenschaften der Zivilisation und ihre schleichende Abschaffung und Nivellierung ein klarer Indikator für deren Niedergang. Altvater Moses hatte den Sabbat einst im Rahmen seiner Rationalisierungsmaßnahmen eingeführt - montags dem Donnergott, dienstags der Flußgöttin,mittwochs den Waldgöttern usw. zu opfern, diese ganze Vielgötterei mit ihren täglichen Opfern und Kulten hielt seine Leute nur von der Arbeit ab. Moses' Idee eines Gottes der a) keinen Namen hat, von dem es b) keine Bilder gibt und dem man c) nicht dauernd Opfer bringen muß, erwies sich vor allem deshalb als bahnbrechend, weil er den Sabbat als Bonus erfand: anstatt aufwendiger Rituale, Tier,- oder gar Menschenopfern verlangte dieser Gott nämlich nur, einen Tag in der Woche absolut nichts zu tun. Diese Pflicht zur Faulheit begeisterte das vom Priester,- Opfer,- und Götterzirkus gebeutelte Volk und Moses' Idee setzte sich in weiten Teilen der Welt durch, ihre christlichen und moslemischen Ableger nahmen statt des Samstags dann den Sonntag oder den Freitag als Sabbat.
Ginge es also nach den drei auf Moses zurückgehenden Weltreligionen müßten wir schon längst die Viertagewoche haben und weil freitags kein Moslem, samstags kein Jude und sonntags kein Christ arbeitet könnten wir gleich für alle ein verlängertes Wochenende ausrufen. Worauf uns der Arbeitgeberverband sofort zur Ordnung rufen und daran erinnern würde, dass im mehrheitlich christlichen Abendland nur der Sonntag heilig usw.... und hier müßte ich dem Arbeitgeberverband ausnahmsweise recht geben. Denn wo kommen wir hin, wenn jede religiöse Minderheit hier öffentlich ihre Marotten pflegt? Im stillen Kämmerlein gern und jeder nach seiner Fasson - aber dass perverse Schlachtregeln, sadistische Beschneidungsrituale, krude Bekleidungs,- und Gebetsvorschriften usw., dass also dieser ganze rituelle Tinnef unter Berufung auf "Religionsfreiheit" die Rechtsordnung unterminiert, darf ein zivilisierter Staat nicht zulassen. Genausowenig wie die Marotte der neoliberalen Businessreligion, dass Wallfahrten in die Konsumtempel 24/7 möglich sein müssen. Der Sonntag, so hat das Verfassungsgericht dankeswerterweise und erfreulich religionsfern festegstellt, dient "der seelischen Erhebung" und der Förderung des Familien,- und Privatlebens – und von der kann es ja nun wirklich gar nicht genug geben. Dass sich die Schweizer verbitten, neben den lästigen Kirchturmglocken nun auch überall Minarette zu bauen von denen dann ein Muezzin in Stereo Alarm macht, kann ich sehr gut nachvollziehen, auch wenn das Ganze von der rechten SVP inszeniert wurde, der man dabei unlautere Motive unterstellen muß. Konsequenterweise hätten sich die Eidgenossen eigentlich auch gleich noch gegen den Neubau von Glockentürmen aussprechen müssen – denn auch die sind zur freien Religionsausübung so überflüssig wie ein Kropf. Zu Zeiten, als es noch keine Uhren und Handys gab machte ein Kirchturm im Dorf ebenso Sinn wie ein Minarett, von dem aus lautstark an die Gebetsstunden erinnert wurde. Heute jedoch muß eigentlich kein Ungläubiger oder einfach nur Desinteressierter dieser akustischen Kontamination ausgesetzt werden – für den frommen Christen oder Moslem reicht eine Funkuhr oder i-phone-Applikation.
27. November 2009
Reframing 9/11
Wie hindert man eine Graswurzelbewegung am Durchbruch in den Mainstream ? Wie bekämpft man unerwünschte Thesen und Theorien, denen man auf rationaler, argumentativer Ebene wenig entgegenzusetzen hat ? Einer der einfachsten Wege ist die Kontamination, die Herstellung eines Zusammenhangs dieser Theorie mit anderen Theorien, die sich leicht widerlegen lassen. So wurden die Zweifel an der offiziellen 9/11-Legende anfangs regelmäßig mit dem Glauben an UFOs oder den lebendenen Elvis zusammengebracht. Dann reichte ein rechtsradikaler Antisemit (Horst Mahler) in einem Saal mit 700 Zuhörern, um eine Aufklärungsveranstaltung zum 11.9. als judenfeindliche Neonazishow zu denunzieren. Die Verschiebung in einen lächerlichen oder tabuisierten Rahmen enthebt vor jeder inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem unerwünschten Thema und macht es gleichzeitig zum Un-Thema, das den "aufgeklärten" Medienkonsumenten absößt. In einer ausführlichen Analyse auf Hintergrund.de wird dieses "Reframing" am Beispiel verschiedener Websites und Initiativen untersucht: Konspiration auf dem Kunstrasen.
22. November 2009
Wisch & Web.
18. November 2009
Pimmel über Berlin.
Seit drei Wochen schreibt der Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann, ein Blog - und da er bevorzugt über die taz schreibt, fiel mir als "Blogwart" dort die Aufgabe zu, den Neu-Blogger von schräg gegenüber ein bißchen im Auge zu behalten. Gleich am ersten Tag fiel auf, dass er eine Satire über seine Penisvergrößerung, die er der taz gerichtlich verboten hatte, in seinem Blog nun selbst veröffentlichte. Wir mußten ihm daraufhin eine Klage ins Haus schicken und darauf hinweisen, dass das Urheberrecht auch für seine fiktiven Penisvergößerungen gilt - und Diekmann reagierte beleidigt und bezeichnete die taz als "Spaßbremse". Da wußte er aber noch nicht, was ihm ins Haus steht. Am vergangenen Wochenende montierte der Bildhauer Peter Lenk ein Relief an der Seitenwand des taz-Gebäudes - mit Blick auf die BILD-Chefetage - das Kai Diekmann mit einem sechzehn Meter langen Penis zeigt. Seitdem sorgt der "Pimmel über Berlin" auf beiden Seiten der Rudi-Dutschke-Str. für Aufregung. Mit Bildergalerie (Fotos: Paulo Olarte) und vielen Links nachzulesen im Diekmann-Watchblog.
13. November 2009
Die mächtigste Frau der Welt.
"Merkel ??? "...sie ist ja noch nicht mal die mächtigste Frau in diesem Land. Das sind Liz Mohn und Friede Springer, die lautstarken Herolde eines maroden Systems, das weltweit an den Fäden der Geldverleiher zappelt, ein Handstreich von Friede Springer würde reichen, und ihre Tintenknechte schreiben die Kanzlerin vom Thron herunter und werfen sie ihrer eigenen Partei zum Fraß vor. Die wahrhaft Mächtigen haben die Gunst des Volkes längst verloren, deshalb ist diese Frau so wertvoll für sie..." - Meister Schramm bringt es mal wieder auf den Punkt:
10. November 2009
Schweinegrippe ? Internetsperrung!
"Die Schweinegrippe bedroht nach Ansicht von US-Behörden nun auch das Internet. Das U.S. General Accountability Office will das Internet in den USA im Falle einer Pandemie drosseln oder stark besuchte Seiten sogar sperren lassen. Begründung: Wenn zu viele Kranke im Net surfen, bricht es zusammen. Durchführen soll die Aktion die Heimatschutzbehörde.Was zunächst wie ein verspäteter Aprilscherz klingt, ist tatsächlich ernst gemeint. Ein Report des General Accounting Office (GAO, Bundesrechnungshof) empfiehlt, das Internet in den USA im Falle einer Pandemie zu drosseln oder stark besuchte Seiten sogar sperren lassen.(...)Eine der größten Bedrohungen der Schweinegrippe sei der Datenverkehr im Internet, - so die GAO - weil der Traffic bei stark ansteigenden Krankenzahlen ebenfalls zunehmen würde und so lebenswichtige Verbindungen blockieren könnte. Begründung: Kranke würden zuhause vermehrt das Internet nutzen, was zu Leitungsengpässen führen könnte - mit lebensbedrohlichen Folgen für Staat und Wirtschaft." Weiter hier Hier (via Blattblog) noch ein schönes Video: "Kein Schwein steckt mich an!"
9. November 2009
Der Wink mit dem Zeitpfahl.
Vor 20 Jahren schrieb ich einen Artikel über den 9.November, "Der Wink mit dem Zeitpfahl" , bei dem ich in einem Punkt - mit der Ansage, dass dies das Ende der Kanzlerschafts Kohls sei - schwer daneben lag. Der Rest scheint mir aber immer noch interessant - zumal 9.11 zwischenzeitlich noch eine ganz andere Bedeutung bekommen hat - sodass ich heute nochmals darauf hinweise:
"NEUnter NOVEmber - zweimal, deutsch und lateinisch, das Wort "neu" - kein anderer der 365 Tage ist von seinem Namen her besser geeignet, ein Omen - ein schicksalhaftes Zeichen -zu geben. Das Wort "neu" wird etymologisch der "Neun" zugeordnet, mit der bei der ursprünglichen Zählweise im Vierer-System ein "neuer" Vierer-Block begann. Auch numerologisch geben die 9. November etwas her, die magische 5 jedenfalls tauchte bei meinen pseudo-kabbalistischen Berechnungen dauernd auf: Von 1918 bis 1923 - 5 Jahre, vom ersten Aufmarsch des 3. Reichs 1923 bis zum perversen Anfang seines Endes - 15 Jahre, diese 15 umgekehrt ergeben 51 - 51 Jahre, nachdem die Deutschen in der Pogromnacht 1938 einen Bevölkerungsteil brutal von sich abtrennten, geschieht am 9. November 1989 das exakt umgekehrte Ereignis: auf sanfte Weise werden sie mit einem anderen, scheinbar auf ewig abgetrennten Bevölkerungsteil, plötzlich wieder zusammengeführt. Die Hölle des Hasses auf dem Kudamm 1938 reinkarniert sich also 1989, gleiche Stelle gleiche Welle, als Himmel der Versöhnung? - Schwachsinn, sage ich mir, es haben sich nicht Juden und Deutsche, sondern Mördersöhne und Täterinnen -Töchter versöhnt. Doch der Kabbalist in mir gibt sich noch nicht geschlagen: Daß es "ganz andere" sind, die sich da versöhnen, zeigt nur, daß die Emanationen der Weltgeschichte nicht der Mechanik eines Hollywood-Schinkens folgen, sondern der fraktalen Dramaturgie einer Zeitwelle, die eben nicht das immer Gleiche, sondern permanent Transformiertes spiralisiert - und sich den 9. November als psychokinetischen Plot-Point ausgesucht hat" Weiter geht's hier
8. November 2009
Bohemian Bankruptcy
7. November 2009
Wikinquisition.
Ach ja, Wikipedia war schon eine großartige Idee - die Weisheit des Schwarms zu nutzen und das Wissen der Welt in einer freien Enzyklopädie sammeln. Auch unvermeidliche Fehler würden durch die Korrekturen der Vielen besser und schneller korrigiert als von einzelnen Experten - so die Theorie. In der Praxis sieht das freilich ziemlich anders aus, denn ein paar Dutzend "Admins" entscheiden darüber, was relevant ist und was nicht. Die Relevanzkriterien von ein paar wenigen - und nicht die sämtlicher Nutzer - entscheiden also darüber, was in der Wikipedia auftaucht und was nicht. Letztlich also nichts anderes als eine Redaktion, also genau das, was in einer "freien Enzyklopädie" eigentlich nichts zu suchen haben sollte. Und wenn man den Bericht von Markus Kompa über die Wikipedia-Podiumsdiskussion zu diesem Problem liest, dann könnte man zu dem Schluß kommen, dass Brockhaus & Co. fast schon wieder aufatmen können. Ihre mit so viel Elan gestartete Online-Konkurrenz ist gerade kräftig dabei - Stichworte: Vereinsmeierei, Perfektionismus, Dogmatismus, Inquisition - sich selbst ins Knie zu schiessen...
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