Wir denken an Carl Weissner.
Zweitausendeins trauert um den großen Übersetzer und Sprachartisten Carl Weissner. Er starb vor kurzem im Alter von 71 Jahren völlig unerwartet in seiner Wohnung in Mannheim. Weissner gilt als Entdecker Charles Bukowskis in Deutschland. Er war nicht nur ein guter Freund des Underground-Poeten, sondern auch sein Agent, Förderer und kongenialer Übersetzer.
"Weissner erfand Bukowski auf Deutsch"
Carl Weissner studierte Amerikanistik an den Universitäten Heidelberg und Bonn, gab Ende der 60er eine Underground-Zeitschrift heraus und erforschte mit einem Stipendium die literarische Alternativszene in New York und San Francisco. Begeistert von der Sprache der Beat Generation, von Kerouac und Burroughs, entdeckte er den kaputten Postboten und passionierten Säufer Charles Bukowski, den er in Deutschland bekannt machte: „Weissner erfand Bukowski auf Deutsch, um ihn dann in die Staaten zu reimportieren. Er war zugleich europaweiter Agent des dirty old man. Wie bei Burroughs und Ginsberg und Algren und Ballard und Dylan und Zappa: Man tut bei der US-Avantgarde seit Mitte der 1950er Jahre immer gut daran, zu fragen: Wen hat Weissner eigentlich nicht übersetzt oder herausgegeben – das ist am einfachsten“ (Ambros Waibel, Taz).
Gewidmet den abgerissenen Stromern und den Tramps mit den traurigen Augen
Über 100 Bücher hat Weissner ins Deutsche übersetzt, darunter auch Werke von Algren und Warhol. Und immer wieder Bukowski. Willi Winkler resümiert in seinem Nachruf in der SZ: „Über den Versender Zweitausendeins wurde Weissner ein richtiger Bestseller. Jeder halbwegs anständige Mensch besaß seinerzeit die Schwarze Bibel, das Songbook der Rolling Stones, deren Texte Weissner zusammen mit Teja Schwaner, Jörg Fauser und Helmut Salzinger übersetzt hatte. Das Elend der deutschen Sprache, die knapp und hart nur sein kann, wenn Befehle zu geben sind, die sich vor lauter Flexion und Prädikatsergänzungen einfach nicht dem geschmeidigeren Rhythmus des Englischen fügen mag, wurde auch hier offenbar, doch Weissner bemühte sich unverdrossen um eine griffige Version. Für wenig Geld gab es zweisprachig die Texte von Bob Dylan, 'gewidmet den Rauhreitern, Geisterpoeten, abgerissenen Stromern, zärtlichen Verliebten, verzweifelten Typen, den Tramps mit den traurigen Augen und den Engeln des Regenbogens – allen, die high sind vom Leben, überall da draußen in der wilden blauen Ferne.'
Ohne Weissner hätte es den deutschen Dylan, hätte es einen Großteil der amerikanischen Untergrundliteratur in Deutschland gar nicht gegeben.“ Er war eng mit Zweitausendeins verbunden und viele seiner großartigen Übersetzungen sind bei uns erschienen. Dankbar sind wir mit unseren Gedanken bei Carl Weissner.
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"Weissner erfand Bukowski auf Deutsch"
Carl Weissner studierte Amerikanistik an den Universitäten Heidelberg und Bonn, gab Ende der 60er eine Underground-Zeitschrift heraus und erforschte mit einem Stipendium die literarische Alternativszene in New York und San Francisco. Begeistert von der Sprache der Beat Generation, von Kerouac und Burroughs, entdeckte er den kaputten Postboten und passionierten Säufer Charles Bukowski, den er in Deutschland bekannt machte: „Weissner erfand Bukowski auf Deutsch, um ihn dann in die Staaten zu reimportieren. Er war zugleich europaweiter Agent des dirty old man. Wie bei Burroughs und Ginsberg und Algren und Ballard und Dylan und Zappa: Man tut bei der US-Avantgarde seit Mitte der 1950er Jahre immer gut daran, zu fragen: Wen hat Weissner eigentlich nicht übersetzt oder herausgegeben – das ist am einfachsten“ (Ambros Waibel, Taz).
Gewidmet den abgerissenen Stromern und den Tramps mit den traurigen Augen
Über 100 Bücher hat Weissner ins Deutsche übersetzt, darunter auch Werke von Algren und Warhol. Und immer wieder Bukowski. Willi Winkler resümiert in seinem Nachruf in der SZ: „Über den Versender Zweitausendeins wurde Weissner ein richtiger Bestseller. Jeder halbwegs anständige Mensch besaß seinerzeit die Schwarze Bibel, das Songbook der Rolling Stones, deren Texte Weissner zusammen mit Teja Schwaner, Jörg Fauser und Helmut Salzinger übersetzt hatte. Das Elend der deutschen Sprache, die knapp und hart nur sein kann, wenn Befehle zu geben sind, die sich vor lauter Flexion und Prädikatsergänzungen einfach nicht dem geschmeidigeren Rhythmus des Englischen fügen mag, wurde auch hier offenbar, doch Weissner bemühte sich unverdrossen um eine griffige Version. Für wenig Geld gab es zweisprachig die Texte von Bob Dylan, 'gewidmet den Rauhreitern, Geisterpoeten, abgerissenen Stromern, zärtlichen Verliebten, verzweifelten Typen, den Tramps mit den traurigen Augen und den Engeln des Regenbogens – allen, die high sind vom Leben, überall da draußen in der wilden blauen Ferne.'
Ohne Weissner hätte es den deutschen Dylan, hätte es einen Großteil der amerikanischen Untergrundliteratur in Deutschland gar nicht gegeben.“ Er war eng mit Zweitausendeins verbunden und viele seiner großartigen Übersetzungen sind bei uns erschienen. Dankbar sind wir mit unseren Gedanken bei Carl Weissner.
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