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Guten Tag!

Mark van Huisseling (Kolumnist der Schweizer Weltwoche) gewährt seitenweise Einblicke, „kurze Blamagen“ (Der Spiegel), in die Welt der Promis, Pseudo-Promis, Stars und Sternchen. Er bringt Sylvester Stallone dazu, Rambo „saudumm“ zu finden, und entlockt Marianne Faithfull ihr größtes Geheimnis.

Mark van Huisseling stellt niemanden bloß, das überlässt er den Befragten selbst.

„Verona Pooth (‚Von sieben Tage die Woche arbeite ich vier, und zwei nehme ich frei‘) redete so ungeschützt, dass sie hinterher den Abdruck verhindern wollte“ (Der Spiegel). Und Klaus Wowereit erzählt einen Witz: „Sitzen zehn siebzigjährige Frauen zusammen zum Klassentreffen. Sagt die eine: ‚Mädels, wisst ihr noch, vor 50 Jahren wollten wir alle aussehen wie die Bardot.‘ Pause. Auf einmal sagt ’ne andere: ‚Ja, ja - und heute haben wir’s geschafft.‘“

Und Alexander McQueen, der Modedesigner, gab unserem Kolumnisten acht Minuten. Mehr wäre zu viel, findet der. Das Gespräch ging so:

„Stilvolle Menschen sind nicht mehr tätowiert, hab ich gelesen – lassen Sie Ihre Tätowierungen jetzt wegmachen?“ (An seinen Handgelenken gibt es Kreise, Bogen, Schnörkel-Tätowierungen wie aus dem Gefängnis.)
„Nein, gar nicht, Tätowierungen sind Zeichen von Unsicherheit, wissen Sie?“
„Ja?“
„Ja.“
„Vielleicht lassen sich viele ihre deshalb wegmachen.“
„Was, weil sie nicht mehr unsicher sind?“
„Nein, weil sie nicht mehr als unsicher rüberkommen möchten.“
„Hm, ich denke, Unsicherheit ist eine aufrichtige Qualität. Es ist schön, ein bisschen verwundbar zu scheinen. Weil es die anderen, die meinen, sie seien sicherer, dumm aussehen lässt.“
„Sie sind also sicher genug, um unsicher auszusehen?“
„Yeah, genau.“

Er ist in einem Büro mit Glaswänden bei Puma International in London. Darin gibt es ein Sofa, auf dem er mit gespreizten Oberschenkeln und angewinkelten Unterschenkeln sitzt. Das sieht mühevoll aus und ist irgendwie komisch. (Er stellt Turnschuhe vor, die er entworfen hat – und man kann die, die er trägt, nicht sehen, weil er draufsitzt.) In seinem Rücken sitzt ein Mann in einem Geschäftsanzug an einem Schreibtisch, neben dem Sofa sitzen zwei Frauen in Röcken und Jacken mit Klemmbrettern auf den Knien. Niemand grüßt, als ich ins Zimmer trete, außer ihm. Ich vermute, es soll aussehen, als sei es ein wichtiges Treffen, bei dem es um mehr geht als Turnschuhe. (Die Notizzettel auf den Klemmbrettern der Frauen sind leer, und der Schreibtisch sieht aus wie einer im Showroom eines Büromöbelgeschäfts.) Herrn McQueens Kopf ist rasiert, er hat ein weißes Hemd an und Jeans mit einem braunen Gürtel von Hermès mit goldenem H als Schließe.

„Sie selber, sind Sie mehr der Adidas- oder der Puma-Typ?“ (Eine ziemlich kleine Frage, für normal fühlende Menschen jedenfalls – doch der Mann in seinem Rücken schaut auf vom Tisch.)

„Nicht sehr Adidas, hahaha.“ (Der Mann lacht mit.)
„Ich denk, ich bin mehr Puma-Typ, tatsächlich, und Nike.“ (Die Frauen sehen mich an, als hätte er eine große Antwort gegeben.)
Interviews mit Modedesignern sind fast noch schwieriger als mit Schauspielern. Man meint ja, sie hätten was in der Art eines Genies („Herr McQueen ist der begabteste Designer seiner Generation“, New York Times). Aber man meint ja auch, Schauspieler seien gescheite Menschen mit tiefem Wesen. (Immerhin sind Schauspieler oft allgemein bekannt, Modedesigner kennen eher nur wenige Menschen. Das macht es irgendwie noch herausfordernder, ihre Antworten für voll zu nehmen.)

„Welches ist das beste Buch, das Sie gelesen haben dieses Jahr?“ („Er ist sehr intelligent – beeindruck ihn, sprich über Dante“, sagte Isabella Blow, eine englische Stylistin, einer Journalistin vom Tatler.)

„Well, was war’s? Ich bin kein großer Leser …“
„›The Lovely Bones‹“, sagt der Mann im Rücken. (Er ist vermutlich ein Life-Coach.)
„Yeah, ›Lovely Bones‹, es ist über Geister, dafür interessier ich mich, denk ich.“
Seine Sprache ist träge und manchmal unbeholfen, seine Lider sind angeschwollen, er zuckt ab und an nervös mit dem Kopf und sieht eigentlich ziemlich fertig aus. (Er machte Ferien bis gestern, in Dubai, sagte ein Mitarbeiter.) Wenn in Zeitschriften nicht stände, er nehme keine Drogen mehr, seit seine Marke zu PPR, einem Konzern, gehört, und trinke wenig Alkohol, würd ich meinen, er habe einen Kater.
„Da Sie eigentlich kein Leser sind, welches ist der beste Film, den Sie gesehen haben in letzter Zeit?“ („Er lässt sich gern anregen, speziell vom Film“, Vogue.)

„Ach … ich meinte, ich bekäm Fragen über Turnschuhe.“
„Mal was anderes, ist doch auch gut, nicht?“
„Ja, aber mein Kopf ist fokussiert auf Turnschuhe, schon den ganzen Morgen … Was für ein Film?“
„›Deliverance‹.“ (Das kam wieder vom Life-Coach/Souffleur.)
„Ah, ›Deliverance‹, yeah.“
„Harter Film, nicht wahr?“
„Ja, speziell die Vergewaltigungsszene, haha, ich mochte sie ziemlich.“ (Ein Mann wird vergewaltigt.)
„War das, like, alles?“, fragt eine der Frauen. (Gesprächsdauer bis hierher: sieben Minuten dreißig Sekunden.)

„Einen Punkt hab ich noch.“ (Vereinbart gewesen waren dreißig Minuten, aber acht sind auch okay, wenigstens für mich.)
„Was war das Wichtigste, das Sie lernten, seit Sie für ein großes Unternehmen arbeiten?“
„Ähm, ich glaub, Kommunikation.“

Und warum Reinhold Messner keine Kühe melkt, was Dolly Buster an sich zu dick findet (es sind nicht die Beine), warum sich Joe Cocker für einen übellaunigen alten Mann hält, was Herbert Feuerstein noch vom Leben erwartet („Ich wär wahnsinnig gern mit einer Gleichaltrigen verheiratet, aber die finden mich infantil“), was Harald Schmidt fasziniert („Ich habe mal mitbekommen, wie ein Heli mit vier Japanern ins Matterhorn gerast ist. Das hat dem Berg überhaupt nichts gemacht“) und vieles mehr steht in dem Buch hier drunter.



Mit freundlichen Grüßen
Illustration
Ralf Kessenich
 
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