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Achbar & Abbott: The Corporation.


Das sagt die Presse


Wer das nicht gesehen hat, sollte nicht mitreden dürfen.
"Wo Michael Moore mit agitatorischen Kampfesgesten hintertriebenen Wirtschaftsbossen auf die Pelle rückt, gehen die Filmemacher Achbar, Abott, und Bakan in ihrem Meilenstein der Dokumentargeschichte spektakulär räsoniert, aufklärerisch und so überlegt wie überlegen vor. Wer das nicht gesehen hat, sollte nicht mitreden dürfen."
Wolfgang Brenner, Xaver, 10/2005

Nicht zu resozialisieren.
"Achbar, Abbott und Bakan führen auf 145 Minuten Länge den Beweis, dass im Moment kein Kraut gewachsen ist, das den Konzern resozialisieren könnte."
Philipp Franz, Konkret, Oktober 2005

Die Spur des Psychopathen.
"Wahrscheinlich ist The Corporation' der meistprämierte Dokumentarfilm aller Zeiten ... Der Film ist eine akribische Darstellung des Wesens, der Entwicklung und der Auswirkungen des Großkonzerns in der modernen Kapitalgesellschaft ... Er zeigt, warum ein Konzern den Rechtsstatus einer juristischen Person besitzt, weshalb er sogar gesetzlich dazu verpflichtet, das eigene Wohl über das Wohl der Allgemeinheit zu stellen und auf moralische Skrupel keine Rücksicht zu nehmen ... Beispiele wie die Privatisierung des Regenwassers in der bolivianischen Stadt Cochabamba durch den US-Konzern Bechtel oder der Verkauf von Rechenmaschinen des amerikanischen Konzerns IBM während des Zweiten Weltkriegs an die Nazis, die in jedem Konzentrationslager für die logistische Bewältigung des Massenmordens verwendet wurden, zeigen deutlich die Spuren, die der Psychopath in Vergangenheit und Gegenwart hinterlassen hat ... Achbar, Abbott und Bakan führen auf 145 Minuten Länge den Beweis, dass im Moment kein Kraut gewachsen ist, das den Konzern resozialisieren könnte."
Philipp Franz, Konkret, Oktober 2005

Großartig bebildert und sehr kurzweilig.
"Das Thema des Dokumentarfilms ist gut abgehangen und nicht besonders sexy: Die Geschichte der Großkonzerne und ihr rücksichtsloser, weltweiter Kampf um Geld und Macht. Was aber die Kanadier Mark Achbar und Jennifer Abbottt daraus gemacht haben, ist sensationell: 145 brillant erzählte, großartig bebilderte und sehr kurzweilige Minuten. Nur zwei Ausschnitte: Fanta Orange wurde von Coca-Cola für Nazi-Deutschland erfunden, der Reifen-Multi Goodyear wollte mal einen US-Präsidenten stürzen. Nicht nur für Greenpeace- und Attac-Sympathisanten eine Pflichtveranstaltung."
Stern, 11.8.2005

Brillante Analyse.
"Dieser Dokumentarfilm analysiert den Charakter von Konzernen, der wichtigsten Institutionen des Kapitalismus, in 24 Kapiteln derart brillant, dass er mit Preisen überhäuft wurde. Zeugnis legen in den teils beklemmenden, teils unterhaltsamen Fallstudien die Chefs multinationaler Unternehmen sowie Nobelpreisträger, Börsenmakler, Industriespione und Intellektuelle ab. Da kommt selbst ein FBI-Psychologe zu dem Schluss: Konzerne verhalten sich wie Psychopathen."
Greenpeace Magazin, Mai 2005

Packend und herausragend.
"Warum gibt es eigentlich Aktiengesellschaften, die heute mächtiger als Politiker sind? Bild- und wortgewaltig seziert der auf vielen Festivals ausgezeichnete Film über zwei Stunden lang die moderne Geschäftswelt. Packend und herausragend."
TV Today, 17/2005

Komplexe Kritik am Wirtschaftssystem.
"Der Grundgedanke des Films ist von so naiver Einfachheit, dass er von Michael Moore stammen könnte. Aber Achbar ist nicht Moore. Er will nicht radikal vereinfachen, er will eine komplexe Interpretation unseres Wirtschaftssystems vermitteln (sie stammt von dem Rechtswissenschaftler Joel Bakan), dass nämlich die Rechtskonstruktion der Kapitalgesellschaft den Baufehler des Kapitalismus darstellt, und dass dieser behoben werden könnte."
Christian Esch, Berliner Zeitung, 17.6.2005

Die Firma - eine unkontrollierte Weltmacht.
"Achbar, Abbott und Bakan verheimlichen nicht, dass Kapitalgesellschaften zu ihrer Entstehungszeit vor etwas 200 Jahren eine segensreiche Neuerung waren: Nur sie konnten genug Mittel zusammenbringen, um große Infrastrukturprojekte zu finanzieren - etwa den Eisenbahnbau. Die Filmemacher schildern aber auch, wie Corporations sich in den USA Eigentumsschutzrechte erschlichen, die für befreite Sklaven gedacht waren. Und sie belegen am Beispiel von gesundheitsgefährdeten Produkten, der Einschüchterung der Medien und der Politik oder der Privatisierung von genetischen Bauplänen, wie AGs mittlerweile eine unkontrollierte Weltmacht erlangt haben, die nicht nur Attac Angst macht.

Zu Wort kommen etwa zwei ehemalige investigative Reporter des US-Senders Fox, die recherchiert hatten, dass eine Droge, die die Milchleistung von Kühen steigert, Konsumenten krank machen könnte. Auf Druck des verantwortlichen Chemiekonzerns, der Fox mit dem Entzug sämtlicher Werbespots drohte, mussten sie zuerst ihre Enthüllung immer weiter entschärfen, und schließlich wurden sie gefeuert.

Und als der Management-Guru Peter Drucker mit dem feinen Lächeln eines Großinquisitors verkündet, erst wenn alles, aber wirklich alles, inklusive von Land, Wasser und Luft einen Besitzer habe, sei die Welt vom Chaos erlöst - dann schöpft man endgültig den Verdacht, dass Kapitalismus hier eine Religion ist, die auf Glaubensgrundsätzen mehr als auf Tatsachen beruht. Denn wie alle Religionen hat auch die Kirche des Kapitals immer nur eine Erklärung für das Ausbleiben des Heils: Das Übel in der Welt rühre hauptsächlich daher, dass die Menschen sich nicht streng genug an die religiösen Gebote halten."
Matthias Heine, Die Welt, 15.6.2005

Humorvoll und kurzweilig.
"Preisgekrönter kanadischer Dokumentarfilm, der sich an eine Psychoanalyse großer Kapitalgesellschaften wagt.

Die Dokumentation legt das Konzept der Kapitalgesellschaft auf die Couch. Ihre Ausgangsidee: Wenn schon in den USA Firmen durch den 14. Verfassungszusatz - der eigentlich die Rechte der befreiten Sklaven sichern sollte - den gleichen rechtlichen Status wie Individuen genießen, dann kann man sie auch wie Menschen (psycho-)analysieren.

Das Ergebnis der filmischen Recherche fällt eindeutig aus: Konzerne haben nach FBI-Standards das Persönlichkeitsprofil eines Psychopathen - sie verhalten sich egozentrisch, verantwortungslos und sind unfähig, Mitgefühl oder Reue zu empfinden.

Das mag kein überraschendes Ergebnis sein, aber die beiden Regisseure präsentieren ihre Argumente ebenso aufgeräumt wie humorvoll, so dass die zweieinhalb Stunden kurzweilig bleiben."
Sven von Reden, Welt am Sonntag, 19.6.2005

Unterdrückung und Psychospiele.
"Indem der Film die Gespräche in den Mittelpunkt stellt, lässt er erkennen, dass er zugleich mit einem Sachbuch entstanden von Bakan ist; aber die 145 Minuten werden dem Zuschauer nicht lang. Es sprechen neben den üblichen Verdächtigen - Noam Chomsky, Howard Zinn, Jeremy Rifkin, Naomi Klein - auch der neoliberale Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman, Prediger konservativer Think Tanks, ehemalige Konzernherren, und, gewissermaßen als Kronzeuge und Lichtfigur, Ray Anderson, der vom Saulus zum Paulus gewandelte CEO des Teppichbodenherstellers Interface. Zwei von Fox News gefeuerte Journalisten erzählen, wie der Monsanto-Konzern unliebsame Nachrichten unterdrückte; eine Marketing-Expertin mit kindlich quiekender Stimme erklärt stolz, wie sie das Quengelverhalten von Kindern in Supermärkten erforschen ließ, um es zur Absatzsteigerung instrumentalisieren zu können. Hat sie Gewissensbisse? It's a game!', quiekt sie."
Christian Esch, Berliner Zeitung, 17.6.2005

Sensationell.
"Einer der spannendsten Filme dieses Jahres aller Genres, nicht nur der Dokumentation ... sensationell!"
The New York Sun

"Faszinierend und unterhaltsam ... wird jeden berühren, der noch über einen Rest von Gewissen verfügt, und jeden zum Lachen bringen, der Sinn für Humor besitzt ... Sehen Sie selbst und sagen Sie es weiter."
San Francisco Examiner

"Genial. Lachsalven und Gänsehaut!"
The San Francisco Bay Guardian

Bringt Insiderwissen zu Sprache.
"Kühl und sachlich im Tonfall ... bezieht der Film seine unglaubliche Kraft daraus, dass er Insider zur Sprache kommen lässt und so den Wahnsinn des Systems in deren eigenen Worten enthüllt."
Seattle Weekly

"Sachlich und scharfsinnig ... gründlich recherchiert und informativ ... hinterlässt bei den Zuschauern ein kaltes Unbehagen!"
San Francisco Chronicle

"Komplex und ausgesprochen originell!"
Seattle Times

Spitzenfilm!
"Faszinierend ... stichhaltig ... überzeugend ... stark ... ein Spitzenfilm!"
Premiere Magazin

"Ehrgeizig ... monumental ... spannend!"
Los Angeles Times

Überzeugende Anklage.
"Überzeugende, unterhaltsame, aufrüttelnde Anklage gegen die erfolgreichste Institution unserer Zeit."
Variety

Intelligenter Angriff.
"Beide Lager der Globalisierungsdebatte sollten aufmerken. The Corporation ist ein überraschend rationaler und intelligenter Angriff auf die wichtigste Institution des Kapitalismus."
The Economist

"Eine rasante Collage, ein ironischer, surrealer optischer Reigen."
The Wall Street Journal

Eine provokante Dokumentation.
"Eine provokante, unterhaltsame und streckenweise beängstigende Dokumentation."
Indiewire

"Feine Ironie und ein Hauch drohenden Unheils."
Boston Globe

"Fesselnd für das Auge und sehr witzig."
LA Weekly

"Vier Sterne ... Faszinierend! ... Danach hat man das Bedürfnis, sich Orwells und Huxleys Visionen noch einmal genauer anzusehen."
Minneapolis Star Tribune

Dringende Empfehlung.
"Ich empfehle jedem dringend, sich diesen Film anzusehen."
Ain't it Cool News

Pflicht für jeden Erdbewohner.
"Vier Sterne. Wunderbar gemacht ... Packend. Diese Dokumentation sollte Pflicht für jeden Bewohner dieser Erde sein."
Movie Show

"Das neue Bowling for Columbine."
Globe and Mail

Beachtenswert gut durchargumentiert.
"Intelligenter als Moore ... Die Fundamentalkritik an der wichtigsten Organisationseinheit des Kapitalismus ist ... beachtenswert gut durchargumentiert."
Spiegel online

"Fahrenheit 9/11 für Leute, die denken können."
Independent

"Scharfsinnig ... vollgepackt mit Informationen ... kenntnisreicher Film mit hohem moralischem Anspruch."
Film Comment

Zielstrebigkeit eines Staatsanwalts.
"The Corporation verfolgt seine Sache mit der Zielstrebigkeit eines Staatsanwalts."
Fast Company

Beunruhigend und faszinierend.
"Vier Sterne. Absolut aufregend ... Erstaunliche Enthüllungen ... Beunruhigend und faszinierend."
ABC, At the Movies

Muss man gesehen haben.
"Fünf Sterne. Einer der Dokumentarfilme der letzten 100 Jahre, die man gesehen haben muss."
Seattle Times





Interview


„Filme können helfen, die Welt zu verändern.“

Ein Interview mit dem Regisseur von "The Corporation".

In der heutigen Zeit stattet die Gesetzgebung ökonomische Institutionen mit den Rechten echter Menschen aus. Doch wenn ein Unternehmen eine Person ist - was für eine Person ist es? The Corporation, ein neuer Dokumentarfilm, gibt eine beunruhigende Antwort: Das Unternehmen ist "eine Person, die von Natur aus und dem Gesetz nach krankhaft ist, und die systematisch Demokratie, Freiheit, Rechte und die natürlichen menschlichen Instinkte zerstört, von denen ein würdevolles Leben und sogar das Überleben der Menschheit abhängen." Sebastian Dalkowski und Dennis Ott sprachen mit Regisseur Mark Achbar über den Film, ökonomische Globalisierung und gesellschaftlichen Aktivismus.

Auf der Website des Films schreibst du, dass es dein vorrangiges Ziel gewesen sei, "die gängige Meinung über die Rolle der Corporation in der Gesellschaft in Frage zu stellen". Kann ein Film helfen, die Welt zu verändern? Glaubst du, dass Filme ein größeres Potenzial haben, die Menschen zu mobilisieren, als etwa Bücher?

Das hängt vom Buch bzw. vom Film ab. Film ist ein manipulativeres, emotionaleres Erlebnis, Bücher regen stärker den Intellekt an. The Corporation haben viel mehr Menschen gesehen als gelesen. Was für eine tiefgreifende Erfahrung das Buch für die Leser war im Vergleich zur Intensivität der Wirkung des Films auf seine Zuschauer, ist reine Vermutung.

Allerdings habe ich erlebt, dass dieser Film die Meinungen und das Verhalten von Menschen verändert hat. Man kann einige Belege dafür in den Diskussionsforen auf www.thecorporation.com finden, aber ich sage das auch aus der Erfahrung heraus, hunderte von Vorführungen besucht zu haben. Die Menschen werden tief bewegt. Nach dem Film können Sie die Welt nicht auf dieselbe Art und Weise betrachten. Sie erzählen mir, dass sie ihr Unternehmen anders führen werden, oder dass sie ihr Studienfach wechseln werden. Menschen, die behaupten, bisher apathisch gewesen zu sein, beteuern, dass sie Aktivisten werden wollen und so weiter. Der Film wird in hunderten, mittlerweile möglicherweise tausenden Universitäten und Schulen verwendet (es sind verschiedene Hilfsmittel für den Unterricht online verfügbar, sogar ein Leitfaden für Betriebswirtschaftsdozenten).

Der Film wird an Vorstandsvorsitzende der Spitzen der Fortune 500 (eine jährlich vom Magazin Fortune veröffentlichte Liste der 500 ertragreichsten amerikanischen Unternehmen - Anm. d. Red.) verschenkt. Er ist Auslöser für Podiumsdiskussionen, Forumsdebatten und DVD-House-Parties und hat weit über tausend Seiten Berichterstattung erzeugt. Millionen von Menschen haben ihn gesehen und Millionen werden dazu kommen, wenn er in Kinos, auf DVD und im Fernsehen zu sehen ist. Ja, Filme können dabei helfen, die Welt zu verändern. Ob zum Guten - das wird sich zeigen.

Hast du Rückmeldungen von Unternehmen, die im Film erwähnt werden, oder von darin auftretenden Kapitalismus-Befürwortern wie Michael Walker oder Milton Friedman erhalten? Wurden Euch Gerichtsverfahren angedroht?

Am Tag nach unserem Interview mit IBMs Vizepräsidenten baten sie mich, das Interview zurückzuziehen und stattdessen ihre offizielle schriftliche Stellungnahme zu Edwin Blacks Buch IBM und der Holocaust zu zeigen. Ich bot ihnen an, das Interview nicht zu verwenden, wenn sie mich mit ihrem Vorstandsvorsitzenden sprechen lassen würden, aber sie ließen nichts mehr von sich hören.

Nachdem der Film veröffentlicht wurde, sagte Pfizers PR-Typ, dass sie nicht mitgemacht hätten, wenn sie gewusst hätten, dass wir die Corporation als psychopathisch beschreiben. Der frühere Vorsitzende von Royal Dutch Shell schrieb einen Artikel über den Film in der Financial Times und empfahl ihn mit Nachdruck, trotz seiner Kritik daran. Der Vorstandsvorsitzende der PR-Firma Burson Marstellar möchte, dass ich in seinem Büro vorbeischaue, wenn ich das nächstemal in New York bin - um den Film zu "diskutieren". Die Einladung klang etwas bedrohlich, aber ich glaube nicht, dass er handgreiflich werden würde. Interface-Vorsitzender Ray Anderson hat den Film sehr stark unter Kollegen und Kunden beworben. Carleton Brown, der 9/11-Rohstoffhändler, besuchte eine Vorstellung des Films und beantwortete Fragen; das Publikum lobte ihn für seine Aufrichtigkeit. Michael Walker, Direktor einer rechten Denkfabrik, sagte einem Reporter, er könne sich nicht daran erinnern, das Interview gegeben zu haben.

Bis heute gab es keine Gerichtsverfahren. Dafür gibt es drei Gründe: Der Film sagt die Wahrheit; der Schwerpunkt des Films ist die Institution, nicht Einzelne; und der Drehbuchautor und Ko-Schöpfer des Films, Joel Bakan, ist ein sehr schlauer Jura-Professor.

Welche Arten von Reaktionen hat der Film in den Medien erzeugt, z.B. in Rezensionen in Zeitschriften? Zweifellos kam scharfe Kritik aus rechten Kreisen; aber haben liberale/linke Medien den Kern des Films verstanden?

Die scharfe Kritik machte etwa 2% der Rezensionen aus, wenn überhaupt. Wir bekamen achtungsvolle Kritiken und Artikel durch die gesamte Wirtschaftspresse: The Economist, The Wall Street Journal, Fortune Magazine, Business 2.0 und viele andere. Die meisten Zeitungen und Magazine gaben The Corporation die höchste oder zweithöchste Bewertung. Einige der liberalen/linken Medien waren zu abgeklärt, um sich dem Film anzuschließen und ihn zu unterstützen: "Sag uns was, das wir nicht schon wissen". Einige linke Autoren, die für kommerzielle Interessen arbeiten - oder vielleicht die ihrer Herausgeber -, mögen es nicht, wenn solche Sachen zu erfolgreich werden, und fallen einem in den Rücken. Sogar ein lokales Online-Öko-Magazin prügelte auf uns ein; sie meinten in etwa, dass wir nicht mehr die sich uns stellenden Probleme darstellen müssten, und der Film hätte sich nur mit Lösungen befassen sollen. Sie haben es sich später anders überlegt, sich entschuldigt und den Film beworben. (Ungefähr 1/5 des Films dreht sich um Strategien der Veränderung.)

Es scheint mir - hier in Deutschland und anderswo in der westlichen Welt - eine tief verwurzelte Überzeugung in der Bevölkerung zu geben, derzufolge der Wohlstand der Wirtschaft den Wohlstand der Gesellschaft insgesamt nach sich zieht. Warum ist diese Illusion noch immer so lebendig? War sie in früheren Zeiten eher gerechtfertigt?

Ich denke, hier liegt ein logischer Fehler vor. Es mag stimmen, dass der Wohlstand der Wirtschaft Wohlstand der Gesamtgesellschaft verursacht, aber der Wohlstand der Wirtschaft ist nicht das, wofür wir leben. Es ist kein Mysterium, warum die Massenmedien und selbst die von Unternehmen gesponsorten staatlichen Medien ein Weltbild propagieren, das ihre wohltätige Rolle ins Zentrum des Universums stellt. Soweit ich weiß, war das schon immer so; Leute mit Macht werden den Rest der Welt zu überzeugen versuchen, dass ihnen diese Macht zusteht. Sie haben damit Erfolg, soweit wie wir es zulassen.

Dein Film zeigt, dass Unternehmen in einem kapitalistischen System zwangsläufig unmoralische Institutionen sind. Gilt dies gleichermaßen für kleinere, mittelständische Unternehmen wie für die sogenannten "global players"?

Nein, man muss hier unterscheiden. Das grundsätzliche Ziel unserer Kritik ist die öffentlich gehandelte, transnationale Aktiengesellschaft, die nicht "notwendigerweise" unmoralisch ist. Es könnte auch anders sein. Es liegt an uns, es zu ändern. Das soll jetzt nicht heißen, dass Joe's Garage keine repressive Institution sein kann; ebenso wenig will ich unterstellen, dass IBM nicht ein effektives System etwa zur Bekämpfung sexueller Belästigung am Arbeitsplatz haben kann, von dem Joe's Garage nur träumen könnte. Kleine Unternehmen in Privatbesitz können also so tyrannisch oder wohlwollend sein, wie es ihr Besitzer will und es die Mitarbeiter erlauben. Sie können sich dazu entscheiden, den Profit zu maximieren, oder ihn zum Wohle der Menschheit zu verschenken. Das öffentlich gehandelte Unternehmen dagegen ist per Gesetz dazu geschaffen, psychopathisch zu sein. Es ist von der Gesetzgebung und rechtlicher Präjudiz dazu gezwungen, Profit über alles andere zu stellen. Deutschland wird oft als Vorbild dargestellt bezüglich des Grades, in dem andere Geschäftsinteressenten (stakeholders) in unternehmerische Entscheidungsprozesse eingebunden sind, und das ist wirklich ein wichtiger Schritt in Richtung Demokratisierung unserer Wirtschaftsinstitutionen, aber es ist ein kleiner Schritt.

Was ist die größte Hürde, die es für anti-corporate Aktivisten zu überwinden gilt? Dass die Menschen nicht die Wahrheit über Wirtschaftsinstitutionen wissen oder eher dass sie nicht wissen, was man für eine Veränderung tun kann?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich denke, dass wir (soll heißen, wir im Norden, in der entwickelten Welt) eigentlich Angst for wirklicher Demokratie haben und allem, was sie nach sich ziehen würde. Das volle Program würde eine Menge Opfer und eine Menge Überdruss bedeuten. Ich glaube, dass wir unwillig sind, unsere Privilegien und Macht aufs Spiel zu setzen.

Im Übrigen würde ich micht nicht anti-corporate nennen. Der Begriff ist zu weit gefasst. Es gibt Non-Profit-Unternehmen, staatliche Unternehmen und "Crown Corporations" (Bezeichnung für staatliche Unternehmen der Commonwealth-Länder - Anm. d. Red.) in Kanada und Großbritannien. Um öffentliche Fördermittel für den Film zu erhalten, musste ich ein profitorientiertes Unternehmen gründen (allerdings kein öffentlich gehandeltes).

Angenommen, durch deinen Film betrachten viele Menschen Unternehmen mit anderen Augen (was ich sehr hoffe). Nun besteht hier offensichtlich eine Spannung: Wenn Menschen erkennen, dass Unternehmen krankhafte Gebilde sind, die letztendlich beseitigt werden müssen, werden sie sicherlich aus Angst um ihren Arbeitsplatz vor öffentlichem Aktivismus zurückschrecken. Wie kann diese Spannung gelöst werden?

Schau dir an, was in Argentinien passiert. Die Leute feuern tatsächlich ihre Chefs, um die Unternehmen zu übernehmen und selbst zu betreiben. Sie demokratisieren ihren Arbeitsplatz. Die einzige Person, die ihren Job verliert, ist der Besitzer. Genossenschaften lösen nicht alle Probleme des Kapitalismus', aber sie bringen immerhin ein Minimum an Demokratie an einen der grundlegenden Orte ökonomischer Entscheidungsfindung - an den Arbeitsplatz.

Welche Rolle spielen Graswurzelbewegungen, das Internet und andere alternative Medien, wenn es darum geht, die Öffentlichkeit über die Untaten von Unternehmen zu informieren?

Sie sind unerlässlich. Informationen bewegen sich heute exponentiell schneller als vor nur zehn Jahren. Unternehmen fürchten negative Medienaufmerksamkeit und werden alles Erdenkliche tun, sie zu vermeiden. Das gibt Aktivisten und der Öffentlichkeit eine gewisse Macht über gewisse sehr präsente Unternehmen, deren Achillesverse ihr Markenimage ist.

Glaubst du, dass Gewaltlosigkeit ein Imperativ für öffentliche Anstrengungen im Kampf gegen die Tyrannei der Wirtschaft ist? Oder kann etwa die Zerstörung privaten Eigentums in klaren Fällen unternehmerischen Verbrechens gerechtfertigt sein?

Ich glaube an Gewaltlosigkeit, aber wir müssten spezifischer werden, um hypothetische ethische Entscheidungen bewerten zu können. Ein gewaltsamer Akt gegen eine Fabrik könnte die Produktion unterbrechen, aber er könnte ebenso einer alleinstehenden Mutter den Arbeitsplatz kosten und so der Gesundheit ihres Kindes schaden. Wenn die Gewalt also auch nicht unmittelbar einem Menschen schadet, so heißt das nicht zwangsläufig, dass sie für keinen Menschen Konsequenzen haben wird. Ob sie gerechtfertigt ist, ist eine Frage der Schwere des Unheils, das dadurch gestoppt wird, und wie bedeutsam oder zeitlich begrenzt dieser Stop sein könnte. Wenn die Aktion letztlich nur um der Publicity willen durchgeführt wird, kann es bessere Wege geben, dieses Ziel zu erreichen.

Der Film streift auch das Thema der privatisierten Kriegsführung. Sind wirtschaftliche Interessen die treibende Kraft hinter den globalen militärischen Aktionen der USA?

Tatsächlich nimmt sich der Film dieses Themas kaum an, dessen Bedeutung nicht überschätzt werden kann, und das einen eigenen Film - um nicht zu sagen: eine eigene Bewegung - verdient. Glücklicherweise hat ein sehr talentierter Filmemacher, Eugene Jarecki, gerade die Dokumentation Why We Fight fertiggestellt, die das Thema mit großer Stärke und Sprachgewalt anpackt. Der Film hat dieses Jahr den höchsten Preis des Sundance Film Festivals gewonnen und wird gegen Ende 2005 erscheinen. Die kurze Antwort auf deine Frage lautet: "Ja".

Sagen wir, ich möchte innerhalb der nächsten zehn Minuten etwas unternehmen, um die Welt ein Stück besser zu machen. Was könnte ich tun?

In den ersten neun Minuten, sitze still, konsumiere nichts und bete. In der zehnten Minute, überlege, wie du dein Leben umweltverträglicher leben kannst. In der letzten Sekunde, entscheide dich, aktiv zu werden.





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Foto Biermann: Thorsten Jander.